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Eigentümer kündigt dem Görlitzer Club Nostromo

Der Verein soll binnen eines Monats raus. Die Zeit ist schon abgelaufen. Jetzt will die Stadt den Club unterstützen.

Das war einmal: Vereinschef Dirk Kählig räumt vor einer Party die Kühlschränke im Nostromo ein. Aktuell ist der Club wegen Corona geschlossen.
Das war einmal: Vereinschef Dirk Kählig räumt vor einer Party die Kühlschränke im Nostromo ein. Aktuell ist der Club wegen Corona geschlossen. © Nikolai Schmidt

Schock für das Görlitzer Nostromo: Die Landeskrone Fleisch GmbH als Eigentümerin des Schlachthof-Geländes auf der Cottbuser Straße hat dem Club den Mietvertrag gekündigt. Das bestätigt Dirk Kählig, der Vorsitzende des Vereins Schall & Rauch, der das Nostromo betreibt. „Wir haben am 28. Dezember die Kündigung erhalten – zum 31. Januar“, sagt er. Tatsächlich sei im Mietvertrag eine einmonatige Kündigungsfrist enthalten. „Für uns ist es aber überhaupt nicht möglich, binnen eines Monats auszuziehen, erst recht nicht in Corona-Zeiten“, sagt Dirk Kählig. Also sei der Verein der Kündigung mit anwaltlicher Unterstützung entgegengetreten. Ziel ist es, auf Dauer in dem Gebäude zu bleiben.

Berufsfeuerwehr soll aufs Gelände

Der Hintergrund der Kündigung liegt auf der Hand: Die Stadtverwaltung schlug im Dezember vor, eine neue Berufsfeuerwehr im Schlachthof-Gelände zu errichten. Sie soll Kern eines Zivilschutzzentrums werden, das auch ein neues Domizil für den Katastrophenschutz bietet, dessen Räume in Klingewalde marode sind. Um die Vor- und Nachteile des Schlachthof-Geländes zu beleuchten, sollte der Stadtrat im Dezember eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben und sich auf den Schlachthof als Favoritenlösung festlegen. Dazu kam es nicht, die Stadt nahm den Beschlusspunkt kurzfristig von der Tagesordnung.

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Franz-Josef Gausepohl, Geschäftsführer der Landeskrone Fleisch GmbH, hatte der SZ schon 2018 gesagt, dass er das Schlachthof-Gelände möglichst im Ganzen verkaufen will. Nun witterte er offenbar eine neue Chance. Wenn kein störender Mieter vorhanden ist, lässt sich jedes Gelände besser verkaufen – vor allem zu einem höheren Preis. Nur so ist es zu erklären, dass er dem Verein, der den Club seit 22 Jahren betreibt, noch im gleichen Monat kündigte.

Wieler will mit Gausepohl reden

Mit dem Ärger über die Kündigung steht der Verein offenbar nicht allein da: Jetzt will sich die Stadtverwaltung für das Nostromo einsetzen. „Ich hatte am Freitagnachmittag ein Gespräch mit Bürgermeister Michael Wieler“, sagt Dirk Kählig auf SZ-Nachfrage. Wieler habe versprochen, sich für die Fortsetzung des Mietvertrages zwischen Gausepohl und Nostromo einzusetzen. Wieler bestätigt der SZ, dass er am Freitag mit dem Verein gesprochen hat, will sich zu den Inhalten aber vorerst nicht äußern. Das Nostromo hat mittlerweile auch die Zusage erhalten, an der Erstellung der Machbarkeitsstudie für das Schlachthof-Gelände beteiligt zu werden. „In der Studie soll geprüft werden, die städtischen Pläne unter Einbeziehung und Erhalt des Nostromo umzusetzen“, sagt Dirk Kählig.

Das Nostromo nach 22 Jahren aufzugeben und an einen anderen Standort umzuziehen, ist für den Verein keine Option. Er hat jetzt eine Übersicht aufgestellt, die er der Verwaltung und den Stadträten demnächst zur Verfügung stellen will. Daraus geht hervor, dass zwischen 1999 und 2020 mindestens 50.000 Arbeitsstunden ins Nostromo geflossen sind – und 133.000 Euro an Investitionen. Im Schnitt waren es jedes Jahr 6.000 Euro. „Selbst im Jahr 2020 haben wir 6.000 Euro investiert“, sagt Dirk Kählig.

Club hat auch 2020 wieder investiert

Gleich zu Jahresbeginn, als noch nicht absehbar war, dass der Club ab März wegen Corona schließen muss, sei sämtliches Material gekauft worden, um die Toiletten neu zu bauen. „Als dann alles dicht war, haben wir tatsächlich gebaut, das Material war ja gekauft“, sagt Dirk Kählig. Von den jüngsten Arbeiten hat der Verein am 6. Februar ein Video ins Netz gestellt, das bereits über 10.000 mal angeklickt wurde.

Aber nicht nur wegen des Geldes und der Arbeitsstunden kommt für den Verein kein Umzug in ein anderes Gebäude in Betracht. „Es wird nie wieder so aussehen wie hier“, sagt Dirk Kählig. Einen Neubau bezeichnet er als „Trockenbaupalast“, im bisherigen Gebäude hingegen stecken ganz viele Emotionen und Erfahrungen, die sich auf kein anderes Gebäude übertragen ließen. Viele Paare, die heute längst Kinder haben, haben sich hier kennengelernt. „Weil so viele Erinnerungen dranhängen, laufen auch die Weihnachtsveranstaltungen so gut“, sagt der Vereinsvorstand.

Platz sollte für alles reichen

Umso mehr freut er sich über die beiden Zusagen der Stadt – also darüber, dass sich Wieler für eine Fortsetzung des Mietvertrages einsetzen will und dass der Verein in die Machbarkeitsstudie einbezogen werden soll. Das Schlachthof-Gelände misst 22.000 Quadratmeter. Bei dieser Größe sollte es möglich sein, alle Nutzungen unterzubringen, inklusive Nostromo. „Wir wären auch bereit, das Nostromo selbst zu kaufen“, sagt Dirk Kählig: „Nicht als Verein, sondern als eine Gruppe von Personen, die dem Club nahestehen.“

Doch so oder so lässt sich ein Zivilschutzzentrum nicht von heute auf morgen bauen. Geht es nach der Stadt, so kann das Nostromo seinen Betrieb in den nächsten Jahren auf jeden Fall am bisherigen Standort fortsetzen. Das hatte Wieler bereits im Dezember erklärt.

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