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Eiszeit in Görlitz

Zweistellige Minusgrade, erste Rohrbrüche, eine zugewehte Straße: Das Wetter bewegt die Region.

Jogger trotzen der Kälte und dem Schnee an der Neiße nahe der Obermühle in Görlitz.
Jogger trotzen der Kälte und dem Schnee an der Neiße nahe der Obermühle in Görlitz. © Martin Schneider

Minus 17,6 Grad – das war der niedrigste Wert, der laut Deutschem Wetterdienst (DWD) in Görlitz in der Nacht zum Mittwoch gemessen wurde. Doch was bedeutet das für Görlitz und die Region? Saechsische.de hat sich umgehört.

Straßenbahn und Bus kommen meistens gut durch

„Wir haben aktuell keine größeren Probleme mit dem Frost“, sagt Andreas Kolley von den Görlitzer Verkehrsbetrieben (GVB): „Unsere Kollegen waren auch am Mittwoch schon sehr früh im Einsatz, um weit vor Betriebsbeginn die Strecken, Haltestellen und Fahrzeuge für den reibungslosen Betrieb vorzubereiten. Hier geben wirklich alle ihr Bestes.“ Die Weichen seien beheizt und würden funktionieren.

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Durch Schneemassen und parkende Autos wird es für die Straßenbahnen in Görlitz oft eng.
Durch Schneemassen und parkende Autos wird es für die Straßenbahnen in Görlitz oft eng. © Matthias Wehnert

Allgemein laufe alles den Straßen- und Witterungsbedingungen entsprechend gut. Wegen der Straßenverhältnisse fahre die Buslinie B aber nach wie vor in beiden Richtungen nicht über die Jägerkaserne, sondern über die Teichstraße. Bis auf die Haltestelle „Jägerkaserne“ werden aktuell alle Haltestellen bedient. „Natürlich können wir nicht ausschließen, dass es witterungs- oder verkehrsbedingt zu kleineren Verspätungen kommen kann“, sagt Kolley. Ein Problem, das Passanten mittlerweile verstärkt beobachten: Weil am Straßenrand viel Schnee liegt, parken Autos zunehmend mittiger auf der Straße. Damit wird es für die Straßenbahn zuweilen eng.

Winterdienst: Schnee und Kälte sind Herausforderung

Die Stadt Görlitz meldet im Straßenwinterdienst grundsätzlich keine Besonderheiten durch die Kälte. „Dabei sollte man wissen, dass aufgrund der tiefen Temperaturen die Auftaumittel nicht die gewohnte Leistung wie bei Temperaturen zwischen null und minus fünf Grad bringen“, sagt Amtsleiter Torsten Tschage. Es werde nach wie vor mit Auftaumitteln gearbeitet, die ein Festfahren des Schnees und Glatteisbildung mindern. Am Mittwoch wurde der Schnee in den Anliegerstraßen beräumt. Möglich ist das, solange der Schneefall nicht wieder einsetzt, so dass die Beräumung des Hauptstraßennetzes notwendig wird.

Die Straße von Arnsdorf-Hilbersdorf in Richtung Königshain präsentiert sich besonders malerisch.
Die Straße von Arnsdorf-Hilbersdorf in Richtung Königshain präsentiert sich besonders malerisch. © Martin Schneider

Nicht auf die Temperaturen zurückzuführen sei die Sperrung des Ziegeleiweges zwischen Schlesischer Straße und Birkenallee: „Das liegt an den starken Verwehungen.“ Die Grundstücke seien aber über Rothenburger Straße und Birkenallee erreichbar. Deshalb hat die Wiedereröffnung des Ziegeleiweges derzeit auch keine Priorität für die Stadt. „Im Augenblick stehen die Anliegerstraßen im Fokus der Arbeit“, sagt Tschage.

Stadtwerke haben mit ersten Rohrbrüchen zu kämpfen

„Bisher haben wir Frostschäden ausschließlich beim Trinkwasser zu verzeichnen“, sagt Belinda Brüchner von den Görlitzer Stadtwerken. Zu Beginn der Woche gab es einen Rohrbruch der Hauptleitung in Dittersbach sowie zwei kleinere Rohrbrüche in Görlitz in der Straße Am Berge sowie am Klosterplatz/Fischmarktstraße. Die Reparaturarbeiten in Dittersbach sowie Am Berge sind abgeschlossen, am Klosterplatz laufen sie noch. In Dittersbach waren 13 Wohneinheiten betroffen, in Görlitz hingegen nur eine. Sie alle konnten sich vor der Reparatur mit Wasser bevorraten.

Bei den Nieskyer Stadtwerken hingegen gibt es bisher keinerlei Probleme bei Trink- und Abwasser, Strom und Fernwärme. Das bestätigt der technische Leiter, Hartmut Barth. „Rohrbrüche kommen meist erst, wenn es auftaut“, weiß Barth aus Erfahrung. Jetzt platze kein Rohr und wenn doch, bleibe es oft noch unbemerkt.

Stadtverwaltung: Gärtner arbeiten im Winterdienst mit

Beim Betriebshof der Stadt Görlitz haben die Hausmeister viel zu tun – vor allem mit dem Winterdienst. „Zudem sind ab minus zehn Grad verstärkte Kontrollen der Einrichtungen wichtig, stufenweise in verkürzten Intervallen, auch am Wochenende“, sagt Peter Schäfer vom Betriebshof. Schwerpunkte dabei seien Heizung und Sanitär. Die Gärtner vom Betriebshof arbeiten jetzt im Winterdienst mit. Zudem kontrollieren und sichern sie verstärkt die Gehölze. „Mit Fahrzeugen und Technik haben wir bisher keine größeren Probleme“, sagt Schäfer. Vereinzelte Startschwierigkeiten seien kurzfristig selbst behoben worden.

Blitzer und Videoüberwachung funktionieren trotz Kälte

„Die stationären Blitzer funktionieren ohne Einschränkung, der mobile Blitzer könnte auch bei diesen Temperaturen eingesetzt werden“, teilt das städtische Ordnungsamt mit. Nach Auskunft von Polizeisprecherin Anja Leuschner funktionieren auch die Videoüberwachungsanlagen in Görlitz bei den aktuellen Temperaturen einwandfrei. „Sie haben in den vergangenen Tagen durch das klare Wetter sogar besonders gute Bilder geliefert“, sagt sie. Es gebe im Minus- und Plusbereich Grenzwerte für die Funktionsfähigkeit: „Von diesen sind wir jedoch noch weit entfernt.“

Ordnungsamt kontrolliert, ob Anlieger Schnee schieben

Auf Streifenfahrt und auch per Fußmarsch kontrolliert das Görlitzer Ordnungsamt, ob Anlieger Schnee schieben. Zudem geht es den Hinweisen von Bürgern nach. Säumige Grundstückseigentümer werden zur Durchführung ihrer Winterdienstpflichten aufgefordert – meist in Verbindung mit der Androhung einer Ersatzvornahme durch die Stadt. „Wenn die Arbeiten nach Ablauf einer sehr kurz gesetzten Frist nicht erledigt sind, kommt es zur Ersatzvornahme“, sagt Rathaussprecherin Sylvia Otto. Die Kosten werden dem Anlieger in Rechnung gestellt. Sollte auf einem Gehweg – etwa wegen Glatteis – eine akute Unfallgefahr bestehen und zeitnah kein Ansprechpartner erreichbar sein, wird das Ordnungsamt sofort tätig: Es beauftragt einen Hausmeisterdienst oder den Betriebshof. Die Kosten werden dann ebenfalls in Rechnung gestellt. „Unabhängig davon erfolgt in vielen Fällen eine Sanktionierung mit einem Verwarn- oder Bußgeld“, sagt Sylvia Otto.

Am Görlitzer Neißeviadukt ist der Grenzfluss mittlerweile teilweise zugefroren.
Am Görlitzer Neißeviadukt ist der Grenzfluss mittlerweile teilweise zugefroren. © Martin Schneider

Wer misst in diesen Nächten die tiefsten Temperaturen – und wo? Und welche Erlebnisse und Erfahrungen haben Sie mit der Kälte gemacht, liebe Leser? Wir freuen uns über eisig schöne Fotos, schicken Sie sie bitte an: [email protected]

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