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CDU-Chef zieht in früheren Kindergarten

Gerd und Elisa Weise sanieren ein Haus in der Görlitzer Parsevalstraße. Aber nicht nur für sich. Auch die Nachbarschaft könnte profitieren.

Elisa und Gerd Weise stehen mit ihrer Tochter in dem großen Parterreraum, der einst als Schlafzimmer für die Kinder diente.
Elisa und Gerd Weise stehen mit ihrer Tochter in dem großen Parterreraum, der einst als Schlafzimmer für die Kinder diente. © Nikolai Schmidt

An Besuchern mangelt es Elisa und Gerd Weise auf ihrer Baustelle nicht. Familie, Freunde und Mitglieder der Freien evangelischen Gemeinde (FeG) kommen als gerngesehene Bauhelfer vorbei – und ehemalige Kindergartenkinder zum Schauen. „Der Älteste war 1938 hier im Kindergarten“, sagt Gerd Weise.

Die Fassade des ehemaligen Kindergartens ist sehr markant. Der Schriftzug soll erhalten bleiben und der fehlende Punkt sowie das fehlende „E“ irgendwann sogar ersetzt werden.
Die Fassade des ehemaligen Kindergartens ist sehr markant. Der Schriftzug soll erhalten bleiben und der fehlende Punkt sowie das fehlende „E“ irgendwann sogar ersetzt werden. © Nikolai Schmidt

Der 45-Jährige ist Chef des CDU-Stadtverbandes, CDU-Stadtrat, beruflich beim Görlitzer Kulturservice mit für Altstadtfest, Weihnachtsmärkte und andere Feste zuständig, dreifacher Vater, aktuell in Elternzeit – und mit seiner Frau seit Ende 2019 stolzer Besitzer des früheren städtischen Kindergartens Parsevalstraße 7. Beide sanieren seit März die obere Etage und wollen im Oktober mit den elf, vier und ein Jahr alten Kindern dort einziehen.

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Es ist ein besonderes Haus in einer besonderen Lage. Vor allem durch den runden, straßenseitigen Anbau fällt es auf in dem zentral in Görlitz gelegenen Wohngebiet, das ringsum von Gartensparten, Bombardier und Klinikum eingeschlossen ist.

In der oberen Etage bezieht die Familie große, helle Räume mit frisch abgeschliffenen Dielen.
In der oberen Etage bezieht die Familie große, helle Räume mit frisch abgeschliffenen Dielen. © Nikolai Schmidt

Errichtet wurde das Haus 1930/31 als Kindergarten. „Anfangs gab es hier aber zusätzlich auch noch vier Wohnungen“, erklärt Elisa Weise. Das hat die 37-Jährige in alten Akten herausgefunden. Weniger klar ist, wann die Wohnungen verschwunden sind. Fakt ist nur: Irgendwann war das gesamte Gebäude Kindergarten. Und im Jahr 2001 wurde es aufgegeben. Seither stand es leer. An der Fassade des denkmalgeschützten Gebäudes erinnern aber noch große Lettern an die einstige Nutzung. „Wir wollen den Schriftzug erhalten“, sagt Elisa Weise. Nur ein Punkt und ein „E“ fehlen. Beides soll nach Möglichkeit irgendwann später wieder ergänzt werden.

Elisa Weise wurde in Löbau geboren und ist in Friedersdorf im Oberland aufgewachsen. Nach ihrem Lehramtsstudium in Halle kam sie 2008 nach Görlitz: „Einfach, weil ich hier eine Stelle für mein Referendariat bekommen habe.“ Sie blieb – und arbeitet seither als Lehrerin am Förderschulzentrum „Mira Lobe“ in Königshufen. Ihr aus Dresden stammender Mann ist gelernter Raumausstatter. Er kam 2001 in die Neißestadt, um Kultur und Management zu studieren. Seither ist er nicht weggezogen, sondern im Kultursektor tätig geblieben.

Der alte Essensaufzug, der von der Küche im Untergeschoss nach oben führte, ist noch funktionstüchtig.
Der alte Essensaufzug, der von der Küche im Untergeschoss nach oben führte, ist noch funktionstüchtig. © Nikolai Schmidt

Beide waren schon fünf Jahre lang auf der Suche nach Wohneigentum in Görlitz, haben sich viele Häuser angeschaut. „Bisher war uns alles immer eine Nummer zu groß, vor allem, weil wir nicht vom Bau kommen“, sagt Gerd Weise. Den früheren Kindergarten hatte die städtische Tochtergesellschaft Kommwohnen zum Verkauf ausgeschrieben. Als Elisa Weise erstmals davor stand, dachte sie zunächst, dass auch dieses Gebäude zu groß sei. „Aber als ich drinnen war, wusste ich, dass es machbar ist“, sagt sie. Das Gute sei, dass am Dach nur ein paar kleinere Reparaturen nötig sind und auch die meisten Fenster erhalten werden können. Selbst die Fassade braucht erst einmal keine Sanierung. All das senkt Aufwand und Kosten ganz enorm.

Ein klassisches Einfamilienhaus suchte das Ehepaar ohnehin nicht: „Wir wollten noch etwas Gutes in der Stadt machen.“ Was genau, ist noch ein bisschen vage. Auf jeden Fall ist der frühere Kindergarten für die Familie zu groß. Sie bezieht nur die obere Etage, das sind 150 Quadratmeter. Das Dachgeschoss bleibt unausgebaut.

Der alte Küchenofen im Untergeschoss soll saniert und als Sommerküche genutzt werden.
Der alte Küchenofen im Untergeschoss soll saniert und als Sommerküche genutzt werden. © Nikolai Schmidt

Die spannende Frage ist nun, was aus dem Parterre werden soll und auch aus dem Souterrain: Das Haus steht am Hang, sodass die untere Etage straßenseitig nur als Lager dient, gartenseitig aber vollwertig nutzbar ist. Zumindest für das eigentliche Erdgeschoss gibt es schon einige Ideen: Dort könnten eine kleine Einliegerwohnung zur dauerhaften Vermietung, zwei Appartments zur Kurzzeit-Vermietung und straßenseitig eine Art Nachbarschaftscafé entstehen. Sicher ist das alles noch nicht, aber die Weises können sich das gut vorstellen. Ältere Leute könnten einziehen, damit sie nicht vereinsamen. Irgendwann vielleicht sogar die Eltern der Eheleute. Aber die sind momentan alle noch fit.

Auch beim Nachbarschaftscafé ist noch alles offen. Fest steht nur: Es soll kein normales, täglich geöffnetes Café sein. Eher etwas fürs Wohngebiet, das vielleicht ein- oder zweimal pro Woche öffnet. Auch der Betreiber steht noch nicht fest. Vielleicht machen es Weises selbst, oder Freunde, die FeG – oder es findet sich aus der Nachbarschaft jemand, der Lust darauf hat, zum Beispiel aktive Rentner.

Im Untergeschoss erinnert noch manches an die frühere Nutzung als Kindergarten, auch die vielen Waschbecken.
Im Untergeschoss erinnert noch manches an die frühere Nutzung als Kindergarten, auch die vielen Waschbecken. © Nikolai Schmidt

„Wir ziehen im Oktober oben ein, und dann schauen wir, wie sich alles weiter entwickelt“, sagt Weise. Zeitpläne für den Rest des Hauses und das 1.000 Quadratmeter große Grundstück gibt es nicht. Zwei viel zu groß gewordene Nadelbäume vor dem Eingang haben Weises gefällt, die drei Garagen nutzen sie selbst, vor allem als Abstellflächen. Ansonsten wollen sie Wiesen einsäen und ein paar Obstbäume pflanzen.

Die isolierte Lage des Wohngebietes zwischen Gartensparten und Bombardier stört die beiden kein bisschen, auch nicht der Lärm, der manchmal von Bombardier herüberkommt. „Im Gegenteil, ich freue mich über die Hammerschläge“, sagt Gerd Weise. Wenn von dort Leben zu hören ist, sei das doch besser als Stille. Und abgesehen von Bombardier sei es eine recht ruhige Lage, ergänzt seine Frau. Klar, Geschäfte gebe es in dem Viertel keine mehr. Aber das könne sich ja auch mal wieder ändern.

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