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Was aus dem alten Kinderheim wird

Am Fuße der Landeskrone in Biesnitz entstehen 20 Wohnungen. Endlich steht die Finanzierung. Und damit der Zeitplan.

Bauherr Martin Schulz steht vor dem denkmalgeschützten früheren Kinderheim an der Schlaurother Straße in Görlitz-Biesnitz.
Bauherr Martin Schulz steht vor dem denkmalgeschützten früheren Kinderheim an der Schlaurother Straße in Görlitz-Biesnitz. © Foto: privat

Mit dem alten Biesnitzer Kinderheim an der Schlaurother Straße kennt sich Martin Schulz aus. „Ich bin in unmittelbarer Nähe aufgewachsen, damals war es noch als Kinderheim in Betrieb“, sagt der 34-Jährige. Seine Eltern leben noch immer da, auch er selbst wohnt in der Nähe. Und seit September 2013 gehört ihm das seit vielen Jahren leerstehende Gebäude mitsamt der großzügigen Außenanlagen.

Schulz ist Inhaber einer Sparkassen-Versicherungs-Agentur. Und er hat für sein Bauprojekt am Fuße der Landeskrone extra eine Firma gegründet: Die Görlitzer Immobilien-, Betriebs- und Servicegesellschaft, kurz: Gribs GmbH. Seit 2013 hat er viel geplant und wieder umgeplant, hat Konzepte ent- und wieder verworfen. Vom Plan, einen Generalmieter zu finden, etwa einen größeren Sozialverband, der das Gebäude als altersgerechtes Wohnen betreibt, ist Schulz zum Beispiel abgerückt. Zwei Kandidaten gab es, zweimal hat Schulz Zeit und Geld in Konzepte und Planungen gesteckt, zweimal ist es am Ende gescheitert: „Deren Vorstellungen passten nicht zu meiner Philosophie von dem Gebäude.“ Einer habe einen riesigen Anbau errichten wollen: „Das wollte ich nicht.“

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Sanierung hat jetzt begonnen

So musste er mehrere Sanierungstermine über den Haufen werfen. Jetzt aber hat der Bau tatsächlich begonnen. „Und diesmal wird auch nichts mehr dazwischenkommen“, ist sich der Bauherr sicher. Im Februar 2019 hatte er den Bauantrag eingereicht, im August 2019 die Baugenehmigung erhalten. Dann ging das Ringen um die Finanzierung weiter – noch einmal über ein Jahr lang. „Es waren mehr Eigen- und auch mehr Fördermittel nötig, damit es sich trägt“, sagt Schulz. Immerhin kostet ihn das Ganze knapp drei Millionen Euro – inklusive Grundstückserwerb, Instandhaltung in den vergangenen sieben Jahren, Planung, Bau und Außenanlagen.

Dass es nun losgegangen ist, verdankt er einer Mitarbeiterin der Unteren Denkmalschutzbehörde in Görlitz: „Frau Adam hat mich genau zum richtigen Zeitpunkt auf das Förderprogramm ,Dächer dicht’ des Freistaates hingewiesen.“ Von da habe er nun einen Zuschuss bekommen und damit steht endlich die Finanzierung, sodass Schulz Ende Oktober loslegen konnte.

Dach war vor Weihnachten dicht

„Die Baufirma hat es bis Weihnachten geschafft, die neuen Dachgauben zu bauen und die Unterspannbahn aufs Dach zu bekommen“, freut er sich. Mit dem neuen Jahr soll es Schlag auf Schlag weitergehen, zunächst am Dach, dann mit den anderen Gewerken. Im Sommer soll der exakte Fertigstellungstermin feststehen, sodass Schulz dann mit der Mietersuche beginnen kann. Doch auch jetzt ist für ihn schon klar: „Im Sommer 2022 soll alles fix und fertig sein, innen wie außen.“ Nur der genaue Monat steht derzeit noch nicht fest.

Drinnen entstehen exakt 20 Mietwohnungen für Jung und Alt. „Generationenwohnen“, sagt Schulz. Hinter dem Begriff verbirgt sich einerseits, dass Wohnungen zwischen 45 und 110 Quadratmetern entstehen, die für alle Generationen geeignet sind. Andererseits soll es aber auch eine Gemeinschaftsterrasse mit Blick über die Stadt, einen großen Gemeinschaftsraum und eine weitläufige Grünanlage für alle Bewohner geben. Der Gemeinschaftsraum mit Küche ist auch für Feiern separat nutzbar. Bestmöglichen Komfort gibt es durch barrierearme und mit technischem Fortschritt ausgebaute Wohnungen. Jede von ihnen ist per Aufzug erreichbar.

Neun Stellplätze geplant

Dazu soll es auf dem Grundstück neun Stellplätze für die Mieter geben, erreichbar vom Grenzweg aus. Der Rest des Grundstücks soll als Grünanlage dienen. „Einen kranken Baum will ich noch wegnehmen, die anderen aber möglichst erhalten“, sagt der Bauherr. Einen schönen Parkcharakter stellt er sich vor, aber keinen Wald. Vom Denkmalschutz gebe es sogar einen Pflanzplan für das Grundstück. Auch am Gebäude hatte der Denkmalschutz deutlich mitzureden. Schulz beschreibt die Zusammenarbeit als gut: „Ich habe nicht ganz mein Wunschkonzert bekommen, aber fast.“ Unter anderem muss auch der Klinkersockel am Gebäude erhalten werden.

Mietinteressenten gebe es schon einige. Oft sind es alte Biesnitzer, die ihr eigenes Haus aus Altersgründen demnächst an ihre Kinder oder Enkel abgeben wollen, aber in ihrem Stadtteil bleiben möchten – in vertrauter Umgebung und in der Nähe der Kinder und Enkel. Sogar die Großeltern von Martin Schulz denken früher oder später über einen Einzug nach. Aber auch Menschen von außerhalb – Görlitz-Rückkehrer bei Eintritt ins Rentenalter – interessieren sich für die Wohnungen.

Junge Familien bisher noch nicht im gleichen Maß. „Aber auch die sind willkommen“, sagt Schulz. Für ältere Mieter hat er einen Pflegedienst an der Hand. Der könnte von einem Tag zum nächsten einspringen, falls ein Mieter irgendwann pflegebedürftig wird. Die Mietpreise stehen im Moment noch nicht fest. Dank der sehr guten Lage, der hochwertigen Ausstattung und der hohen Baukosten wird es sicher keine Billigmiete. Aber Genaueres kann Schulz noch nicht sagen.

Einfamilienhausbau kommt nun voran

Gute Nachrichten gibt es mittlerweile bei der Fläche unterhalb des Kinderheims, am Grenzweg. Dort sollten sechs Einfamilienhäuser entstehen. 2017 wurde das erste errichtet, doch seither ging es – trotz der 1A-Lage – eher schleppend voran. Bis heute stehen vier Häuser. „Jetzt steht der Baubeginn des fünften Hauses unmittelbar bevor“, sagt Schulz. Beim letzten Grundstück schließlich laufen aktuell Verkaufsverhandlungen. Schulz ist zuversichtlich: „Ich denke, das ist so gut wie fest.“ Während er das Kinderheim langfristig selbst behalten und vermieten will, werden die Baugrundstücke verkauft. Hier sind die Käufer mehrheitlich jung, sodass insgesamt doch eine Generationenmischung entsteht.

Zur Internetseite des Ex-Kinderheims geht es hier.

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