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So war das Feuerwehr-Jahr 2020

Tragik und Ungewöhnliches - die Kameraden mussten Tote bergen, Frauen aus der Neiße und Katzen auf Bäumen retten. Eine kleine Bilanz.

Drehleitereinsatz am Demianiplatz: Hier wurde der Wohnungsinhaber tot geborgen.
Drehleitereinsatz am Demianiplatz: Hier wurde der Wohnungsinhaber tot geborgen. © Danilo Dittrich

Es wahr wohl für die Görlitzer Feuerwehr der emotionalste Einsatz des vergangenen Jahres: Am 12. Juli mussten die Kameraden einen Mann aus den eigenen Reihen bergen. Der 39-Jährige war während eines Polizeieinsatzes mit seinem Auto davongefahren und an der Einmündung der Leschwitzer Straße zur Zittauer Straße, B 99, frontal gegen eine Hauswand geprallt. Er starb an der Unfallstelle.

Der Schock über das Geschehen sitzt lange tief bei den Feuerwehrleuten in Görlitz, vor allem bei den Kameraden der Ortswehr in Weinhübel. Der junge Mann, der bei dem Unfall ums Leben kam, war einer der ihren.

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Besonders tragisch: Bei einem Unfall mussten Feuerwehrleute einen toten Kameraden in Weinhübel bergen.
Besonders tragisch: Bei einem Unfall mussten Feuerwehrleute einen toten Kameraden in Weinhübel bergen. © Lausitznews

Genaue Bilanz gibt es erst Mitte des Monats

Das Jahr 2020, es war mit Sicherheit für die Görlitzer Wehren ein besonderes. Die Kameraden hatten es mit tragischen Fällen zu tun, aber auch mit eher nicht alltäglichen.

Mit rund 800 Einsätzen rechnet die Berufsfeuerwehr im Durchschnitt pro Jahr. Eine genaue Bilanz gibt es laut dem Chef der Wehr, Uwe Restetzki, erst Mitte Januar. Fest steht derweil schon: 2020 war ein Jahr der ungewöhnlichen Einsätze.

Bei Bränden kamen zwei Menschen ums Leben. Bei einem Wohnungsbrand auf der Bismarckstraße am Maifeiertag starb ein Mann. Der 64-Jährige konnte von der Feuerwehr zwar noch aus dem Haus gebracht werden. Aber er starb kurz darauf im Rettungswagen. Die Feuerwehr war am Nachmittag alarmiert worden, fand eine starke Rauchentwicklung in der Erdgeschosswohnung vor. In der Wohnung fanden die Kameraden den Mann schwer verletzt.

Toter vom Demianiplatz war der Wohnungsinhaber

Die Brandursachenermittler fanden den Auslöser für das Drama: einen technischen Defekt durch zwei ineinandergesteckte Mehrfachverteiler. Der Brand war im Schlafzimmer ausgebrochen. Der Mieter der Wohnung starb an einer Rauchgasvergiftung.

Ähnlich dramatisch ein Fall von Anfang Oktober des vergangenen Jahres. Bei einem Brand in einem Haus am Demianiplatz finden die Kameraden einen Toten. Eine Mieterin hatte am frühen Morgen des 2. Oktober Brandgeruch im Haus festgestellt und die Feuerwehr gerufen. Der Brand war im ersten Obergeschoss ausgebrochen, deshalb kam die Drehleiter zum Einsatz. Zwar war das Feuer zu diesem Zeitpunkt schon zu einem großen Teil erloschen. Aber aus den umliegenden Wohnungen wurden Mieter evakuiert.

So sollte die Fahrt aussehen, theoretisch. Für die Damen aus Franken endete der Spaß auf der Neiße mit einem Feuerwehreinsatz.
So sollte die Fahrt aussehen, theoretisch. Für die Damen aus Franken endete der Spaß auf der Neiße mit einem Feuerwehreinsatz. © BDXMEDIA.DE

Unvergessen: Fränkinnen samt Schlauchboot gerettet

Die Berufsfeuerwehr fordert Verstärkung an, die Ortsfeuerwehr Stadtmitte kommt. Ein Trupp mit schwerem Atemgerät geht ins Haus. In der Brandwohnung machen die Kameraden eine grausige Entdeckung: eine leblose Person. Für sie kommt jede Hilfe zu spät, stellt kurz darauf der Notarzt fest.

Lange bleibt unklar, wer der Tote ist. "Es handelt sich um den damaligen Wohnungsinhaber", teilt jetzt die Polizeidirektion Görlitz mit.

Insgesamt waren 22 Kameraden der Feuerwehren mit sieben Fahrzeugen im Einsatz.

Schon Mitte des Jahres hatte Feuerwehrchef Uwe Restetzki resümiert, dass es 2020 ungewöhnliche Einsätze gab. Unvergessen: Die Aktion zur Rettung von sechs Frauen im Schlauchboot auf der Neiße. Die Damen hatten eine Abenteuertour gebucht, wollten eigentlich über das Wehr unter der Altstadtbrücke rutschen. Das klappte aber nicht so ganz, das Boot blieb hängen. Die Damen aus Franken wurden gerettet. Obwohl sie sich eigentlich nahe dem polnischen Ufer befanden, paddelten zwei Einsatzkräfte im Überlebensanzug zu ihnen, sicherten das Boot und zogen das Damensextett ans rettende deutsche Ufer. Personenrettung, generell ein großes Thema für die Görlitzer Wehren im vergangenen Jahr.

Einsatz am Berzdorfer See: Ein 53-Windsurfer war in eine Flaute geraten, trieb auf dem Gewässer.
Einsatz am Berzdorfer See: Ein 53-Windsurfer war in eine Flaute geraten, trieb auf dem Gewässer. © Danilo Dittrich

Ebenso ungewöhnlich: Mitte Juli gab es einen Buttersäure-Anschlag auf das Fitnessstudio Fitinn auf der Reichenbacher Straße. Unbekannte schütteten die übelriechende Flüssigkeit vor dem Eingang aus. Ein Mitarbeiter versuchte zwar zu reinigen, bewirkte aber eher das Gegenteil. Die Substanz verbreitete sich weiter. Drei Personen kamen in ärztliche Behandlung, der Fachberater Gefahrgut des Kreises rückte an, das Fitnessstudio wurde versiegelt, eine Spezialfirma mit der Reinigung beauftragt.

Eher harmlos klingen diese Einsätze: Anfang August rückte die Feuerwehr aus, um die Reste eines Lagerfeuers am Berzdorfer See zu löschen. Ebenfalls im August geriet ein Windsurfer auf dem See in eine Flaute. Nachdem er zwei Stunden weit draußen auf seinem Brett saß, wurde er gerettet, unter anderem dabei die Berufsfeuerwehr und die Ortswehr Hagenwerder.

Komm schon, Mietze: Nein sie will nicht. Die Katze kletterte offenbar später freiwillig vom Baum auf der Hartmannstraße.
Komm schon, Mietze: Nein sie will nicht. Die Katze kletterte offenbar später freiwillig vom Baum auf der Hartmannstraße. © Matthias Wehnert Photos

Nicht jede Katze will sich retten lassen

Und Anfang Dezember 2020 gab es schließlich noch diesen Fall: In einem Baum auf der Hartmannstraße sitzt eine Katze fest, traut sich offensichtlich nicht mehr herunter. Per Gesetz ist die Feuerwehr dazu verpflichtet, Tiere in Not zu retten, kostenfrei. Einfach ist das allerdings nicht immer. Die Drehleiter ist zwar ein gutes Hilfsmittel. Sitzt die Katze aber zu nah am Stamm, kann sie nicht eingesetzt werden.

So auch in diesem Fall. Zwar kamen die Kameraden der Katze per Leiter nahe. Aber sobald eine Hand zur Hilfe ausgestreckt wurde, flüchtete sie in höhere Baumregionen. Schließlich gab die Feuerwehr auf. Am Ende löste sich das Problem von selbst. Die Katze kletterte offensichtlich von selbst herunter.

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