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Flammenmeer in der Neujahrsnacht

Zum Jahresbeginn 1981 war die Görlitzer Feuerwehr vor allem an der Weißen Mauer gefordert. Heute kennen die Görlitzer diesen Ort als einen der Gesundheit.

Kein Jahr vergeht in Görlitz, ohne dass ein großer Brand für viel Aufsehen, Schaden und Einsatz der Feuerwehrleute sorgt. Jetzt jährt sich einer der größten Einsätze - vor 40 Jahren.
Kein Jahr vergeht in Görlitz, ohne dass ein großer Brand für viel Aufsehen, Schaden und Einsatz der Feuerwehrleute sorgt. Jetzt jährt sich einer der größten Einsätze - vor 40 Jahren. © SZ

Ende des Jahres 1980 zogen die Görlitzer Feuerwehrleute Bilanz: Hinter ihnen lagen zwar viele Einsätze, insgesamt aber waren schwere Schadensereignisse zum Glück selten. Zu diesen zählte auf jeden Fall der Großbrand auf der Bautzener Straße in der Sargtischlerei, der ihnen den Jahreswechsel 1979/80 verhagelt hatte.

Für diesen Jahreswechsel nun wünschten und erhofften die Wehrleute sich etwas mehr Ruhe – und lagen damit völlig falsch. Das Jahr 1981 war gerade eine halbe Stunde alt, da mussten sie zur Straße An der weißen Mauer ausrücken. Das ist in etwa dort, wo sich jetzt die Gebäude von Hoy Reha in Görlitz befinden. Dort brannten der Holzlagerplatz und auch die Lagerbaracken vom Haushaltswaren-Großhandel (GHG) mit hoch lodernden Flammen. Da reichte der Löschzug der Berufsfeuerwehr nicht aus, sofort wurden die Freiwilligen Feuerwehren von Görlitz, Ludwigsdorf und Girbigsdorf alarmiert, auch die Werkfeuerwehren von Waggonbau und Maschinenbau rückten aus.

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Damals ein Holzlager - heute steht hier das neue Gesundheitszentrum von Hoy Reha an der Weißen Mauer in Görlitz.
Damals ein Holzlager - heute steht hier das neue Gesundheitszentrum von Hoy Reha an der Weißen Mauer in Görlitz. © Martin Schneider

In Asbestanzügen gegen das Feuer

In den Gebäuden standen ein Lkw und ein Autodrehkran, die man zu bergen versuchte, um Explosionen zu vermeiden. Mit Asbestanzügen rückten Trupps vor, konnten den Kran tatsächlich noch durch die Flammen fahren. Der Lkw, ein W 50, war allerdings bereits vom Brand zerstört. Mittels nachgeforderter Schlauchwagen wurden zusätzliche Wasserleitungen angeschlossen, als um 2.55 Uhr der Feuermelder am Humboldthaus Alarm auslöste. Ein Löschfahrzeug musste daher abgezogen werden – um zu erfahren, dass am Humboldthaus ein Missbrauch vorlag. Für den echten Großbrand dagegen fehlten damit einige Zeit Löschkräfte.

Vier Stunden lang gingen die Wehrleute gegen die immer wieder auflodernden Flammen des harzreichen Holzes vor, konnten aber alle Nebengebäude sichern. Restlöscharbeiten an immer wieder aufflackernden Glutnestern zogen sich noch bis zum Abend des 2. Januar 1981 hin, von einem beschaulichen Jahreswechsel war da schon lange keine Rede mehr. Der Schaden betrug fast 200.000 DDR-Mark, die Brandursache wurde nie ermittelt.

Problem mit Löschwasser bei minus 20 Grad

Als am 8. Januar schon wieder ein Notruf zum Holzlager An der weißen Mauer rief, staunten die Feuerwehrleute. War denn da noch etwas, das brennen konnte? Ja, mehr als genug. Denn die Brandmeldung war nicht ganz korrekt, diesmal loderten die Flammen im benachbarten Lager der GHG Drogeriebedarf zur Rauschwalder Straße, früher den Görlitzern als „Donath-Lager“ bekannt.

Wieder mussten freiwillige und Betriebswehren mit ran, doch ein Innenangriff war da schon nicht mehr möglich. Zudem gab es bei minus 20 Grad Celsius Löschwasserprobleme. Zum Beispiel platzte eine Wasserkanone auf dem Dach eines Löschfahrzeugs. Den Kräften blieb nur die Eindämmung der Flammen von außen, die Schäden insgesamt gingen an die 100.000 Mark.

Wenigstens zahlreiche Privat-Pkw und auch ein Lastwagen wurden in letzter Minute mit Abschleppseilen noch aus dem Objekt gezogen. Und auch diesmal gab es wieder böswillige Notruf-Spieler, die Wehrleute zu angeblichen Bränden am Marienplatz abzogen. Erst um 1 Uhr des 9. Januar war der Einsatz vorbei, doch statt zurück in die Feuerwache ging es auf die Breitscheidstraße, wo es im Haus 32 eine Gashavarie gegeben hatte.

Wünschen wir den Kameraden für die kommenden Tage einen wesentlich ruhigeren Jahreswechsel.

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