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So wohnt es sich im sanierten Görlitzer Südstadtquartier

Kommwohnen hat im Frauenburgkarree 100 Wohnungen für Senioren gebaut – und zum Abschluss ein Familienhaus.

Sie leben im Frauenburgkarree: Die Eheleute Heinz und Marianne Konrad stehen auf ihrem Balkon in der Johann-Haß-Straße in der Görlitzer Südstadt.
Sie leben im Frauenburgkarree: Die Eheleute Heinz und Marianne Konrad stehen auf ihrem Balkon in der Johann-Haß-Straße in der Görlitzer Südstadt. © Nikolai Schmidt

Marianne und Heinz Konrad waren mit die Ersten im Frauenburgkarree. Im August 2013 bezogen die Eheleute ihre neue 70-Quadratmeter-Wohnung in der Johann-Haß-Straße in der Görlitzer Südstadt. Inzwischen ist er 85 Jahre alt, sie 86. „Wir haben es nie bereut, hier eingezogen zu sein“, sagen beide wie aus einer Kehle.

Die Miete im seniorengerechten Wohnen ist zwar doppelt so hoch wie in ihrer alten Wohnung in Löbau. „Aber sie wurde seit dem Einzug nicht mehr erhöht“, freut sich der Mann, der mit Atemproblemen und Gehbehinderung inzwischen Pflegestufe 2 hat – genau wie seine Frau, die aber zum Glück noch besser zu Fuß ist. Was den beiden noch wichtiger ist als die Miete: Sie können hier bei Bedarf jederzeit die Frau vom DRK anrufen, die ihre Räume im Frauenburgkarree hat. Sie geht mit Marianne Konrad spazieren und hilft, wo immer sie gebraucht wird. Das Mittagessen bekommen die beiden geliefert, jeder Partner wird einmal pro Woche geduscht. Und das alles nicht in einem Altenheim oder einem Betreuten Wohnen, sondern in ihrer eigenen seniorengerechten Wohnung.

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Im Eckhaus Frauenburgstraße 1 (links) leben inzwischen Senioren. Auf der anderen Seite der Frauenburgstraße (rechts) sind die Häuser dagegen noch unsaniert.
Im Eckhaus Frauenburgstraße 1 (links) leben inzwischen Senioren. Auf der anderen Seite der Frauenburgstraße (rechts) sind die Häuser dagegen noch unsaniert. © André Schulze

Arne Myckert freut so viel Lob. Für den Kommwohnen-Chef neigt sich in diesen Tagen ein Großprojekt dem Abschluss: Das Frauenburgkarree ist fertig – genau zehn Jahre nach Beginn der ersten Planungen. In vier Bauabschnitten – der erste begann im März 2012 – hat das Unternehmen knapp 13 Millionen Euro investiert. Dafür entstanden in der Frauenburg-, Johann-Haß- und Reichertstraße in elf Häusern exakt 100 Wohnungen für Senioren (knapp zehn Millionen Euro), in drei Häusern ein Pflegeheim mit 36 Betten (2,4 Millionen Euro) – und jetzt, zum Abschluss, in der Frauenburgstraße 5 noch ein Haus mit sehr großen Wohnungen, das vor allem für Familien gedacht ist (760.000 Euro).

Dass dieses letzte Haus keine Seniorenwohnungen enthält, hat einen einfachen Grund: Beide Nachbarhäuser sind in Privatbesitz. So hatte Kommwohnen hier nicht die Möglichkeit, mehrere Häuser mit einem gemeinsamen Aufzug zu erschließen. Einen Aufzug nur für ein Haus zu bauen, wäre aber zu teuer geworden. Zudem liegt der Hauseingang nicht auf Straßenhöhe, sondern ist nur über eine Treppe erreichbar. „Und in der Südstadt gibt es nicht genügend große Wohnungen für Familien“, ergänzt Noreen Czerny, Teamleiterin Wohnungswirtschaft bei Kommwohnen.

Mit der Frauenburgstraße 5 (links) hat Kommwohnen den Umbau des Karrees zwischen Frauenburgstraße und Reichertstraße abgeschlossen. In der Nummer 5 sind große Wohnungen für Familien entstanden, in der Frauenburgstraße 1 (rechts) hingegen Seniorenwohnungen
Mit der Frauenburgstraße 5 (links) hat Kommwohnen den Umbau des Karrees zwischen Frauenburgstraße und Reichertstraße abgeschlossen. In der Nummer 5 sind große Wohnungen für Familien entstanden, in der Frauenburgstraße 1 (rechts) hingegen Seniorenwohnungen © André Schulze

Entstanden sind drei Fünfraum-Wohnungen mit je 133 Quadratmetern, zwei Bädern, großer Wohnküche und Riesenbalkon. Die Parterre-Wohnung hat einen eigenen Garten. „Die war als Erstes vermietet“, sagt Noreen Czerny. Inzwischen ist auch die obere Wohnung weg, sodass nur noch die mittlere Etage zu haben ist.

Noch viel besser ist der Vermietungsstand bei den Seniorenwohnungen im Karree: 99 von 100 sind aktuell vermietet. Eine Quote von 99 Prozent ist für Myckert ein Traum – gerade im Vergleich zu anderen Kommwohnen-Häusern. Insofern ist das Frauenburgkarree für ihn eine echte Erfolgsgeschichte. Frei ist nur eine 24-Quadratmeter-Einraum-Wohnung ohne Balkon in der Johann-Haß-Straße. „Die ist einfach zu klein“, sagt der Geschäftsführer.

Startschuss im Juni 2012: DRK-Präsident Hans-Joachim Gostomski, WBG-Chef Arne Myckert, DRK-Bereichsleiter Jörg Albrecht, WBG-Bauingenieurin Christina Hase und DRK-Vorstand André Maywald (v.l.) betrachteten damals vor Ort im Frauenburgkarree in der Südstad
Startschuss im Juni 2012: DRK-Präsident Hans-Joachim Gostomski, WBG-Chef Arne Myckert, DRK-Bereichsleiter Jörg Albrecht, WBG-Bauingenieurin Christina Hase und DRK-Vorstand André Maywald (v.l.) betrachteten damals vor Ort im Frauenburgkarree in der Südstad © Archivfoto: Pawel Sosnowski

Er hat im Laufe der Bauphase aus Erfahrungen gelernt, was nachgefragt ist und was nicht. Anfangs gab es zum Beispiel gemeinsame Waschmaschinenräume für alle Mieter, um mehr Platz in den Wohnungen zu haben. Das hat nicht so gut funktioniert, also wurden die Waschmaschinen später wieder in die Wohnungen verlegt.

Auch allzu kleine Wohnungen kamen nicht so gut an. 52 bis 65 Quadratmeter für eine Person funktionieren am besten, hat Myckert im Laufe der Zeit erfahren. Manche wohnen auch als Ehepaar auf dieser Größe – schon in der Annahme, die Wohnung behalten zu können, wenn ein Partner stirbt. „Es gibt aber auch Leute mit guter Rente, die zu zweit eine Dreiraum-Wohnung mit 80 bis 90 Quadratmetern wollen“, sagt Noreen Czerny. Folglich seien im späteren Abschnitt auch solche Wohnungen gebaut – und gut vermietet – worden.

So sahen die Häuser in der Reichertstraße (links) und der Johann-Haß-Straße vor Beginn der Sanierung im Jahr 2012 aus.
So sahen die Häuser in der Reichertstraße (links) und der Johann-Haß-Straße vor Beginn der Sanierung im Jahr 2012 aus. © Archivfoto: Pawel Sosnowski

Die Preise lagen anfangs zwischen sechs und sieben Euro Kaltmiete je Quadratmeter. In den später fertiggestellten Häusern bewegen sie sich um die sieben Euro. Hier machen sich schon die gestiegenen Baupreise bemerkbar, erläutert Myckert.

Die sind auch der Hauptgrund, warum jetzt erst einmal Schluss ist. Theoretisch könnte Kommwohnen nämlich auf der gegenüberliegenden Straßenseite weitermachen, wo die Häuser Frauenburgstraße 2 bis 8 und das Eckhaus Reichertstraße 48 noch unsaniert sind. Für diese fünf Gebäude gab es schon Abstimmungen mit dem Denkmalschutz und eine daran angepasste Planung für altersgerechte Wohnungen mit Aufzug, aber ohne Betreuung. Umgesetzt werden kann dieses Konzept aus Preisgründen erst einmal nicht, sagt Myckert: „Ein Fördermittelprogramm läuft jetzt aus, ein Neues kennen wir noch nicht.“ Ohne Fördermittel sei es aber nicht realistisch: „Wir müssten für über zehn Euro pro Quadratmeter vermieten, um die gestiegenen Baukosten gegenzufinanzieren.“ Das aber ist in Görlitz undenkbar.

Die Villa im Hinterhof der Frauenburgstraße beherbergte früher einen Kindergarten. Kommwohnen hat das Dach saniert, aber für die Nutzung der ansonsten unsanierten Villa noch keine Idee.
Die Villa im Hinterhof der Frauenburgstraße beherbergte früher einen Kindergarten. Kommwohnen hat das Dach saniert, aber für die Nutzung der ansonsten unsanierten Villa noch keine Idee. © André Schulze

Für die unsanierte Villa, die mitten im Frauenburgkarree steht und einst als Kindergarten diente, gibt es noch gar keine Nutzungsidee. „Ohne Fördermittel brauchen wir dort auch gar nicht nachzudenken“, sagt Myckert. Zum Wohnen komme die Villa nicht infrage, weil sie keine Balkone hat. Eher käme ein Funktionsgebäude für das DRK oder eine Kurzzeitpflege in Betracht, aber auch das ist eher ungewiss.

Marianne und Heinz Konrad kann es egal sein. Sie sind glücklich mit ihrer Wohnung und brauchen die anderen Gebäude nicht. Auch soziale Kontakte haben sie vor allem in ihrem Haus. „Wir haben eine gute Hausgemeinschaft, das hat sich ganz schnell zusammengefügt“, sagt Heinz Konrad. Das sei wie zu DDR-Zeiten: „Wir sind ja auch alle im gleichen Alter.“ Seine Frau geht jeden Dienstag zum Kaffeetrinken in den DRK-Treffpunkt. Größere Feiern sind wegen Corona derzeit nicht möglich, aber bis voriges Jahr gab es jedes Jahr ein Sommerfest im Hof, berichten die beiden.

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