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Friedersdorfer Feuerwehr hat jetzt schickes neues Auto

Zur Übergabe des Fahrzeugs kommen Ministerpräsident Michael Kretschmer und Innenminister Roland Wöller. Das nutzen die Friedersdorfer, um ihnen ihre Sorgen mitzugeben.

Gruppenfoto der Feuerwehr Friedersdorf mit Ministerpräsident, Bürgermeister (verdeckt), Innenminister und neuem Fahrzeug.
Gruppenfoto der Feuerwehr Friedersdorf mit Ministerpräsident, Bürgermeister (verdeckt), Innenminister und neuem Fahrzeug. © Foto: Constanze Junghanß

Roland Wöller sitzt gleich mal Probe. Dem sächsischen Innenminister ist anzumerken, das ihm dieser Termin im Markersdorfer Ortsteil Friedersdorf Freude bereitet. Wöller winkt mit der Kelle aus dem Fahrzeugfenster. „Halt - Feuerwehr“ steht auf dem Signalstab. Zusammen mit Ministerpräsident Michael Kretschmer übergibt Wöller ein neues Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF) in Friedersdorf. Den 13-Tonner mit 290 Pferdestärken unter der Haube hat der Freistaat finanziert. Rund 340 000 Euro kostete das Schmuckstück. Für die kleine Ortswehr eine hohe Investitionssumme. Doch nicht nur sie hat davon einen Nutzen.

Das macht dem sächsischen Innenminister Roland Wöller sichtbar Freude.
Das macht dem sächsischen Innenminister Roland Wöller sichtbar Freude. © Foto: Constanze Junghanß

Altes Auto brauchte einen Hydranten

Etwa acht bis zehn Einsätze fährt die Friedersdorfer Feuerwehr pro Jahr, 18 Einwohner aus dem Ort sind aktiv bei der Feuerwehr dabei. Der HLF 10 wird seinen Dienst künftig im „2. Löschzug Retten“ des Landkreises Görlitz verrichten und gleichzeitig zur Sicherung des Brandschutzes für die Gemeinde Markersdorf genutzt.

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Zuvor hatten die Friedersdorfer ein Löschfahrzeug ohne Wasser. Das heißt, die Kameraden mussten im Brandfall zuerst einen Hydranten oder einen Löschteich nahe des Einsatzortes suchen, um zu löschen. „Das hat wertvolle Zeit gefressen“, erklärt Ortswehrleiter Michael Stelzig. Auf dem HLF 10 werden 1.000 Liter Wasser mitgeführt. Brennt es also, können die Feuerwehrleute schon mit dem Löschen beginnen, während ihre Kameraden weitere Wasserquellen anzapfen. Nicht nur gegen Flammen kommt das Fahrzeug zum Einsatz. Auch bei Verkehrsunfällen. Dank der technischen Ausstattung mit hydraulischen Rettungsgeräten wie Schere und Spreizer können Verunfallte aus Fahrzeugen herausgeschnitten und eingeklemmte Personen befreit werden.

Friedersdorfer Wehr rückt zu Unfällen aus

Die Friedersdorfer Wehr ist im Katastrophenschutz integriert, hat eine Tageseinsatzbereitschaft von vier Leuten und wird im Notfall von den anderen sechs Ortswehren der Großgemeinde Markersdorf unterstützt. „Bei Unfällen auf der S111 und der B6 werden wir mit hinzugezogen“, sagt der Ortswehrleiter. Bisher waren da die Feuerwehren Reichenbach und Görlitz mit der entsprechenden Technik im Einsatz. Nun kommen die Friedersdorfer mit dazu. Michael Stelzig vermutet, dass die Einsatzzahlen pro Jahr für die Ortswehr nun steigen. Auf der B6 kracht es häufig. Vor allem der Abschnitt der Umgehungsstraße bei Reichenbach ist ein Unfallschwerpunkt.

So sieht das neue Hilfeleistungsloschfahrzeug in seiner ganzen Pracht aus.
So sieht das neue Hilfeleistungsloschfahrzeug in seiner ganzen Pracht aus. © Foto: Constanze Junghanß

Für ihre Einsätze müssen die ehrenamtlichen Retter ausgebildet werden. Üben sei wichtig, „gerade auch bei außergewöhnlichen Lagen wie der Corona-Pandemie.“ Dass nun seit mehreren Monaten diese wichtige Ausbildung auf Eis lag, kritisiert der Ortswehrleiter in seiner Ansprache auch in Richtung der Politiker. Einige Kameraden seien „demotiviert und unsicher gestimmt.“ „Unsicher im Einsatz, wenn Handgriffe und Abläufe lange nicht geübt wurden“, erklärt er und sagt auch: „Im schlimmsten Fall kann das Menschenleben kosten.“ Seine Bitte an die Volksvertreter: Den Ausbildungsbetrieb auch bei einer Pandemie wie Corona uneingeschränkt zu ermöglichen.

Auf Facebook teilte der Kreisfeuerwehrverband Ende Mai mit, dass Aus-, Fort- und Weiterbildung der aktiven Angehörigen der Feuerwehren in Präsenz unter Einhaltung der Hygienebestimmungen und unter Beachtung der Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung wieder zulässig ist.

Kameraden wünschen sich höhere Wertschätzung

Und noch ein Punkt brennt dem Ortswehrleiter auf der Seele: „Wichtig ist es auch, dass wir mehr Würdigung und Wertschätzung von der Bevölkerung, aber auch aus der Politik erhalten“, sagt er. Das Ehrenamt Feuerwehr dauert schließlich 365 Tage im Jahr.

Das ist dem Ministerpräsidenten durchaus bewusst. Michael Kretschmer dankt der Wehr für ihre ehrenamtliche Arbeit, erzählt, dass sein Großvater in der FFW Holtendorf gewesen ist. Und sagt, wie notwendig es sei, Begeisterung für dieses Ehrenamt zu wecken. Da hilft der neue HLF 10 sehr: Zwei Friedersdorfer sind mit dem neuen Fahrzeug in die Wehr eingetreten.

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