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So lief die Gans-Rettung aus dem Eis

Polizist Danilo Jander war schon Ausbilder in Afghanistan. Einen Vogel aus dem Berzdorfer See zu holen, das war allerdings für den Görlitzer eine Premiere.

Polizeihauptkommissar Danilo Jander rettete eine Wildgans auf dem zugefroren Berzdorfer See.
Polizeihauptkommissar Danilo Jander rettete eine Wildgans auf dem zugefroren Berzdorfer See. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

"Ente festgefroren" - eine Meldung, die man in einem Streifenwagen des Görlitzer Polizeireviers wohl nicht allzu oft zu hören bekommt. Der Tatort liegt am Nordstrand des Berzdorfer Sees - beziehungsweise auf ihm. "Die Kollegen haben dann aber sehr schnell festgestellt: Das ist keine Ente, sondern eine Gans", sagt Danilo Jander. Der Polizeihauptkommissar hat mit der Rettung derselben mindestens sachsenweit für Aufsehen gesorgt. "Dass das viel Aufmerksamkeit mit sich bringt, das hätte ich nun nicht gedacht", schmunzelt er. Es sei doch einfach nur ein Einsatz gewesen.

Am vergangenen Mittwochnachmittag steht Danilo Jander mit seiner Kollegin am Nordufer des Berzdorfer Sees und beobachtet eine Gans im Eis. "Es war Brucheis, also nicht richtig gefroren, sondern in Stücken", erzählt er. Wahrscheinlich hatte es der Wind über den See getrieben, jedenfalls ziemlich viel davon.

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Erst einmal die Zuständigkeit klären

"Man stellt sich ja zuerst immer die Frage: Wer ist zuständig? Die Feuerwehr rufen, für eine Übung am See? Oder den Jagdpächter? Oder die Gans einfach in Ruhe lassen?", sagt Danilo Jander. Nein, den Jagdpächter nicht, das hätte vielleicht ungeahnte böse Folgen für die Gans bedeutet. Etwa zehn Meter weit vom Ufer dümpelt derweil das Federvieh vor sich hin, im Eis. Zu weit, um es mit einem Stock zu erreichen.

Inzwischen gibt es Zuschauer und die Polizei muss sich etwas einfallen lassen. "Wenn wir gar nichts getan hätten, hätte das in der Öffentlichkeit auch nicht gut ausgesehen", sagt Danilo Jander. Er entscheidet: Aktion Badehose.

Nein, ein Eisbader ist Danilo Jander nicht. Aber er hat offensichtlich auch keine Scheu vor dem kalten Nass. "Wir haben von mir zu Hause eine Badehose und ein Kletterseil geholt", schildert der Polizist. Und ein paar alte Turnschuhe, um auf dem Grund des Berzdorfer Sees Halt zu finden.

Kletterseil und alte Turnschuhe zur Sicherheit

Das Seil vor allem, um nicht noch selbst ins Wasser zu stürzen und die Kollegen ihn retten müssten. "Ein Passant gab mir noch seinen Spazierstock. Der machte sich gut in dem kalten Wasser", erzählt Danilo Jander.

Der 44-jährige Görlitzer ist seit etwa 15 Jahren bei der Polizei. Nach dem Abi las er etwas über einen Studiengang Kriminalistik, fand das spannend und bewarb sich. Nach bestandenen Prüfungen war er zunächst im Streifendienst tätig, bewarb sich dann für Auslandseinsätze. Ein Jahr lang arbeitete Danilo Jander in Afghanistan, bildete dort Kollegen aus. Zudem war er bei Frontex in Griechenland und Bulgarien tätig, bei der Europäischen Agentur für die Grenz- und Küstenwache. "Wir haben dort mit der Bundespolizei zusammengearbeitet", schildert er.

In Görlitz steht der Streifendienst auf dem täglichen Programm. Womöglich aber nicht in der Zukunft. Danilo Jander denkt an einen Wechsel zur Bürgerpolizei nach. Der Kontakt mit den Leuten, das liegt ihm.

So wie am Berzdorfer See bei seiner Gans-Rettung. Da hat er inzwischen auch schon Publikum. Das kalte Wasser steigt ihm bis zu den Oberschenkeln. Schließlich kann er die Gans packen. "Meine Kollegin ist sehr tierlieb. Sie hat sich gut um sie gekümmert", sagt Danilo Jander. Das Kletterseil, das als Hilfe vorgesehen war, kam glücklicherweise nicht zum Einsatz. Eigentlich benutzt es Danilo Jander für sein Hobby, eben klettern. "Ab und zu jedenfalls", lacht der sechsfache Familienvater.

Kaltes Eiswasser bis an die Oberschenkel

Dass sich die Görlitzer Polizei um tierische Fälle kümmern muss, kein Einzelfall. Erst kurz vor Danilo Janders Einsatz rettete einer seiner Kollegen einen festgefrorenen Schwan. Der kam auf dem Berzdorfer See nicht weiter. Der Polizist krempelte kurzerhand die Hosen hoch und befreite das Tier. Der Schwan konnte dann von allein das Weite suchen. Ein Reh fand sich zuvor auf dem Gelände des Alten Schlachthofes wieder. Vielleicht lag es ja an den kalten Tagen, dass so viele Tiere den Weg nach und in Richtung Görlitz gefunden haben.

"Erstaunlich, wie viel Wild in diesen Tagen ins Stadtgebiet kommt", sagte schon vor Tagen ein Sprecher der Görlitzer Feuerwehr der SZ. Das liege wohl auch daran, dass derzeit aufgrund des Lockdowns und des Winterwetters nicht so viele Leute und Fahrzeuge draußen unterwegs seien.

So wurde ein Schwan aus dem Berzdorfer See gerettet.
So wurde ein Schwan aus dem Berzdorfer See gerettet. © Polizei

Für die von Danilo Jander gerettete Gans nahm das Abenteuer jedenfalls einen guten Ausgang. "Eine Nacht auf dem Polizeirevier, danach schnatterte sie schon ganz munter", sagt der Polizist. Für ihn war die Tierrettung jedenfalls eine Premiere. "Klar haben wir als Görlitzer Polizei schon öfter mit Tieren zu tun. Aber dann meistens wegen Wildunfällen. Und da geht es den Tieren meistens nicht mehr so gut", sagt er.

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