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Görlitzer Unternehmer wegen Erpressung angeklagt

Weil er rund 200 Euro Gebühren nicht zahlte, wurde sein Konto gesperrt. Ein Anruf bei seinem Anwalt brachte ihn dann auch noch vors Amtsgericht.

So schnell kann es gehen: Aus einer Mahnung wird eine Sperrung des Kontos.
So schnell kann es gehen: Aus einer Mahnung wird eine Sperrung des Kontos. © Lars Halbauer

Wie schnell kann ein Geschäftskonto gepfändet werden? Sehr schnell. Diese Erfahrung musste ein Görlitzer Unternehmer machen. Und wie reagiert der Betroffene darauf? Besonnen wäre eine gute Antwort. In dem Fall tat er offensichtlich es nicht und musste sich deshalb am Donnerstag vor dem Görlitzer Amtsgericht verantworten.

Die Geschichte hat einen Hintergrund, und der heißt Range Rover. Einen solchen hatte der angeklagte Unternehmer gekauft. Später stellte sich heraus: Das Fahrzeug wurde offensichtlich gestohlen. Und: Es hatte zwei Identitätsnummern, eine italienische und eine australische. Der Wagen wurde von der Polizei beschlagnahmt. Der Unternehmer wollte das Fahrzeug zurückhaben, übergab den Fall einem Görlitzer Rechtsanwaltsbüro.

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Das tat sein Bestes. Ein Verfahren wegen mutmaßlicher Hehlerei wurde eingestellt, aber das Auto wurde von einer italienischen Versicherung beansprucht. Was blieb, waren die Kosten für den Versuch, es wieder nach Görlitz zu holen. Die stellte die Kanzlei ihrem Mandanten in Rechnung. "Wir haben schließlich Zeit und Arbeit in den Fall investiert", so der Görlitzer Anwalt, der als Zeuge aussagte.

Allerdings kam die Rechnung wohl nicht beim Mandanten an. Oder es war eine alte Adresse in der Stadt angegeben. Jedenfalls schickte die Anwaltskanzlei mehrere Mahnungen heraus. Eine wurde dann auch vom Mandanten beglichen, es ging um rund 1.400 Euro. Jedoch hatte der Unternehmer nur den Begriff "Hauptforderung" gelesen. Dass inzwischen Mahngebühren aufgelaufen waren, hatte er wohl nicht so schnell auf dem Schirm.

In der Görlitzer Anwaltskanzlei lief hingegen alles nach altbewährtem Schema, sprich eine Pfändung wurde eingeleitet und damit letztendlich das Geschäftskonto des Görlitzer Unternehmers gesperrt. Es ging um Gebühren von reichlich 200 Euro.

Dass daraus dann überhaupt ein Fall für das Amtsgericht wurde, geht auf einen Anruf des angeklagten Unternehmers bei seinem Anwalt zurück. Ersterer war sichtlich erbost darüber, dass sein Konto dicht gemacht worden war.

"Schlage Ihnen die Fresse ein"

"Der Anruf kam nach 17 Uhr", erinnert sich der Zeuge. Als er habe wissen wollen, worum es überhaupt gehe, sei ein langer Monolog des Angeklagten gefolgt. Dem ging es um die Aufhebung der Sperrung seines Kontos. Laut Zeugen seien sinngemäß Sätze gefallen wie" Sie stoppen das jetzt, sonst schlage ich Ihnen die Fresse ein" und "Ihnen wird die Fresse eingeschlagen".

"Es war eine Kommunikation auf tiefstem menschlichen Niveau", so der Zeuge am Freitag vor Gericht. Er habe ja mit dem Angeklagten reden und mögliche Alternativen aufzeigen wollen. Aber der Unternehmer habe nach seiner Rede einfach aufgelegt.

Zurück blieb ein sichtlich betroffener Anwalt, der sich zunächst mit seinen Kollegen beriet, wie weiter in einem solchen Fall zu verfahren sei. Und er am Ende seinen Mandanten bei der Polizei anzeigte. Deshalb kam es zum Verfahren wegen des "Versuchs der räuberischen Erpressung".

"Da ist wohl Einiges schiefgelaufen", sagte Verteidiger Koch. Ein ehemals gutes Verhältnis mit dem Mandanten sei schlecht auseinandergegangen. Der Angeklagte selbst erinnerte sich an ein tatsächlich emotionales Telefonat. Von "Fresse einschlagen" will er aber nichts gesagt haben. "Höchstens, dass er seinen Vollstreckungsbescheid an den Kopp kriegen kann", sagte er im Gericht. Am Ende steht es also Aussage gegen Aussage.

Selbst Staatsanwalt Edgar Faulhaber, eigentlich Vertreter der Anklage, sah die Sache inzwischen kritisch, gerade wegen der Summe, wegen der ein Konto dicht gemacht wurde. "Also ich gucke ja immer, was ich da unterschreibe", sagte er mit Adresse an den Zeugen. Der Verteidiger wiederum gibt zu bedenken, dass die Summe ja auch über die vorliegende Rechtsschutzversicherung des Angeklagten eingetrieben werden konnte.

Geld für Kinderschutzbund Görlitz

Richter Ulrich von Küster sah jedenfalls den Versuch einer räuberischen Erpressung unter diesen Umständen nicht mehr als gegeben an. Er sah eher eine versuchte Nötigung und war bereit, das Verfahren einzustellen, unter Auflagen. Verteidigung und Staatsanwaltschaft stimmten zu. Allerdings musste sich Ulrich von Küster noch mit seinen ehrenamtlichen Richtern abstimmen, denn die Verhandlung war als Schöffengericht angesetzt.

Das Ergebnis: Der angeklagte Görlitzer Unternehmer muss 600 Euro an den hiesigen Kinderschutzbund zahlen. Den Range Rover, der Auslöser für das Ganze war, wird er wohl nicht wiedersehen.

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