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Görlitzer Weinhändler hilft Ahrtal-Winzern

Das Hochwasser hat viele Weingüter an der Ahr in Existenznot gebracht. Axel Krüger wollte helfen und sammelte rund 10.000 Euro bei einer Verkaufsaktion der besonderen Art ein.

Von Frank-Uwe Michel
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Eine Flasche Spätburgunder aus dem Ahrtal gefällig? Weinhändler Axel Krüger aus Görlitz hilft mit dem Verkauf dem von der Flut betroffenen Weingut "„Die Jungwinzer - The Next Generation"“.
Eine Flasche Spätburgunder aus dem Ahrtal gefällig? Weinhändler Axel Krüger aus Görlitz hilft mit dem Verkauf dem von der Flut betroffenen Weingut "„Die Jungwinzer - The Next Generation"“. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Spätburgunder aus dem Ahrtal war in Görlitz bisher fast unbekannt. Das hat sich inzwischen grundlegend geändert. Dafür hat Weinhändler Axel Krüger gesorgt, der mit zwei ungewöhnlichen Aktionen die durch das Hochwasser 2021 in Existenznot geratenen Winzer in der Ahrregion unterstützt.

Krüger hat die Naturkatastrophe mit Entsetzen verfolgt. Und auch wenn es an der Ahr ein eher nur kleines Weinanbaugebiet gibt - die Situation in den Betrieben dort konnte er gut nachvollziehen. Er erfuhr von einem Weingut in Rheinhessen, das die Hilfsaktion "SolidAHRwein" gestartet hatte. Dabei wurden andere Winzer aufgefordert, Wein aus ihrer Reserve zu spenden, um diesen dann für den guten Zweck verkaufen zu können. "Die Pfälzer hatten sich auf ein paar tausend Flaschen eingestellt. Doch die Resonanz war so groß, dass schließlich rund 200.000 Flaschen zusammenkamen", erzählt Krüger. Edle Tropfen aus ganz Deutschland, aus Österreich, Südtirol, der Schweiz und sogar Südafrika gingen ein.

Auch der Görlitzer Weinhändler wollte helfen und ließ sich auf eigene Rechnung erst eine, und nach kurzer Zeit eine zweite, vollgepackte Palette schicken. Schon seinem ersten Aufruf via Facebook waren etwa 50 Bestellungen gefolgt. Seitdem vergeht kaum ein Tag, an dem sich Kunden aus der Neißestadt, dem Umland, aber auch darüber hinaus ein "Überraschungspaket" - wie es Krüger nennt - aus internationalen Spitzenweinen schicken lassen wollen und damit den leidgeprüften Winzern im Ahrtal helfen. Nur ein kleiner Rest an Flaschen ist noch da.

Görlitzer genießen jetzt Rotwein aus dem Ahrtal

Parallel dazu versuchte der Görlitzer, direkten Kontakt zu einem Weingut im Katastrophengebiet aufzunehmen. "Das war nicht leicht, denn die Leute hatten verständlicherweise andere Sorgen, als sich mit mir am Telefon zu unterhalten." Drei junge Winzer, die in Ahrweiler ihr Gut "The Next Generation" betreiben, hatten dann doch ein offenes Ohr. "Schickt mir alles, was ihr noch in euren Lagern habt", sagte Krüger und bot ihnen an, im Gegenzug dafür sofort das Geld zu schicken.

"Die Drei hatten wirklich großes Pech, denn außer einer Charge Rotwein ist ihnen nichts geblieben", erfuhr der Weinspezialist aus Görlitz. Das Wenige aber schmecke delikat. Und so können Weinfreunde aus der Neißestadt jetzt Spätburgunder von den Ufern der Ahr genießen. Wer das auch tun will, muss sich beeilen, denn von den ursprünglich 378 Flaschen ist ebenfalls nur noch ein Restposten übrig.

Insgesamt sind knapp 10.000 Euro zusammengekommen, die Axel Krüger den Winzern im Katastrophengebiet zur Verfügung stellen kann. "Das ist keine Summe, mit der sich angesichts der riesigen Schäden etwas wiederaufbauen lässt. Aber es soll zeigen: Ihr seid nicht vergessen!"