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Wer sägt in Görlitz Bäume an?

An mehreren Stellen sind Linden beschädigt worden, teils sogar mit Motorsäge. Die Polizei sucht nach Zeugen.

Diese Linde steht direkt am Eingang zum Basta in der Görlitzer Hotherstraße. Unbekannte haben ihren Stamm verletzt.
Diese Linde steht direkt am Eingang zum Basta in der Görlitzer Hotherstraße. Unbekannte haben ihren Stamm verletzt. © Nikolai Schmidt

Wer macht denn sowas? Diese Frage muss man sich wirklich stellen, wenn man die angesägte Linde vor dem Jugendtreff Basta auf der Hotherstraße sieht. Ganz deutlich zu erkennen sind hier Einschnitte - nicht mehr als 20 oder 30 Zentimeter über dem Boden. Doch wer glaubt, hier hätte das Grünflächenamt vielleicht einen Probeschnitt gemacht oder den Baum irgendwie markieren wollen, irrt. Es handelt sich tatsächlich um ein kriminelles Delikt - die Bäume wurden von Unbekannten so eingesägt.

Das bestätigt die Stadtverwaltung auf Nachfragen von sächsische.de. Bauamtsleiter Torsten Tschage sagt: "Hier wurde mit einer Motorsäge ein zwei bis sechs Zentimeter tiefer  Schnitt vollzogen, der etwa Dreiviertel des Stammumfangs umfasst. Als Sofortmaßnahme muss hier, sowohl aus statischen als auch aus baumphysiologischen Gründen, eine allseitige Einkürzung des Baumes erfolgen."

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Die gesamte Krone wird demnach um zwei Meter gekürzt. Um Eintrittsstellen für Schädlinge so klein wie möglich zu halten, werden nur schwache und grobe Äste herausgeschnitten, auch soll das Kronenbild so arttypisch und gleichmäßig wie möglich erhalten bleiben. Im Ergebnis wird der Baum dann um etwa zwei Meter kürzer und vier Meter schmaler sein. Ob und wie sich die Linde danach weiterentwickelt und reagiert, bleibe abzuwarten. Vitalität, Funktion und Lebenserwartung würden aber in jedem Fall deutlich reduziert, so Tschage. Die Stadt hat Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt.

Auch an einigen Linden auf der Südoststraße in Biesnitz haben sich die Unbekannten vergangen.
Auch an einigen Linden auf der Südoststraße in Biesnitz haben sich die Unbekannten vergangen. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Und der Baum an der Hotherstaße ist nicht der einzige, auf den es die dreisten Täter abgesehen hatten. Denn auch auf der Südoststraße und der Promenadenstraße waren unlängst 15 Linden angesägt worden - nicht so tief, aber doch gut erkennbar. Auch hier ermittelt die Polizei und ist für Zeugenaussagen dankbar. 

In der Zwischenzeit wurde auf der Südoststraße eine angesägte junge Linde vom Wind umgebrochen. Sie soll in der diesjährigen Herbstbaumpflanzung durch einen neuen Baum  ersetzt werden. Sie war der einzige junge Baum, den der Täter einsägte, der Rest sind ältere Linden.  An denen sind zunächst keine Folgeschäden erkennbar, sagt Torsten Tschage. Diese können sich aber auch erst in den nächsten Jahren einstellen. 

Der erste Fall von Baumfrevel ist das in Görlitz nicht. Anfang Januar 2018 hatten Unbekannte einen der prägendsten und ältesten Bäume der Stadt offenbar durch Silvesterböller mutmaßlich in Brand gesetzt. Trotz des Kampfes des Feuerwehr, die das Feuer damals erst nach drei Einsätzen wirklich löschen konnte, fiel der Baum einen Tag später in sich zusammen. Für die Stadt ein schwerer Verlust, denn der Silber-Ahorn war ein Garten- und Naturdenkmal. Und er hatte Neujahr 2013 schon einmal unter Böllerbeschuss gestanden. Auch damals brauchte die Feuerwehr mehrere Lösch-Anläufe, doch der Baum erholte sich. Auch nach dem Brand vom Januar 2018 passierte das auf wundersame Weise: Nach einigen Monaten trieben aus dem Reststamm neue grüne Zweige. 

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