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Görlitz bekommt Brücke zum Schnäppchenpreis

Beim Ersatzbau für die Blockhausbrücke in Görlitz springt auch eine neue Kidrontalbrücke mit heraus. Das freut aber nicht alle.

Die Kidrontalbrücke wirkt noch intakt, doch das Tragwerk leidet unter Pilzbefall. Deshalb soll sie in wenigen Jahren ersetzt werden.
Die Kidrontalbrücke wirkt noch intakt, doch das Tragwerk leidet unter Pilzbefall. Deshalb soll sie in wenigen Jahren ersetzt werden. © Nikolai Schmidt

Helga Kestner* wohnt noch nicht allzu lange in der Heilige-Grab-Straße. Aber über die Kidrontalbrücke gleich hinter der Häuserzeile geht sie oft. „Die Brücke wird viel genutzt“, sagt sie. Königshufener laufen gern darüber, um von da weiter über die Kummerau in die Innenstadt zu gehen. „Das läuft sich gut“, sagt Helga Kestner. Doch: „Wenn die Brücke feucht ist, wird sie schnell glitschig.“ Einen anderen Bodenbelag würde sie deshalb begrüßen.

Brücke schon zweimal saniert

Die Stadtverwaltung hat indes etwas ganz anderes vor. Wenn die Stadträte an diesem Donnerstag zustimmen, will sie die 1992 gebaute und 2008 sowie 2015 bereits zweimal sanierte Holzbrücke über den Teich im Kidronpark durch eine Brücke aus Aluminium ersetzen. Den Wunsch von Helga Kestner will sie dabei gleich mit erfüllen: Der Boden soll zuerst mit Epoxydharz und anschließend mit Quarzsand beschichtet werden. Dadurch wird er rauer als momentan – und bei Feuchtigkeit wesentlich weniger rutschig.

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Doch warum muss die Brücke ersetzt werden? Sie wurde doch erst vor fünf Jahren für rund 25.000 Euro saniert. Und für den Laien wirkt sie, als sei sie in einem guten Zustand. Äußerlich ist sie das auch, doch im Tragwerk gibt es schon wieder Pilzbefall. Über kurz oder lang bekommt sie also wieder Tragwerksprobleme. Das Problem: Um die Brücke herum ist es oft feucht – nicht nur durch den Teich, über den sie führt, sondern auch durch die Bäume, die Schatten spenden, sodass die Brücke nach Regenfällen schlecht trocknet. Alles in allem hat der Pilz also beste Bedingungen, um sich auszubreiten.

Holz passt viel besser ins Bild

Dass es künftig statt einer Holz- eine Aluminiumbrücke sein soll, freut allerdings nicht alle. Regina Busch und Hannelore Berchner, die beide in der Innenstadt leben, gehen fast täglich über die Brücke – beim Spaziergang oder beim Weg Richtung Friedhof. „Holz sieht viel schöner aus, das wirkt nicht so kalt“, sagt Regina Busch. Ihre Bekannte stimmt zu: „Es passt hier auch viel besser ins Bild, ringsherum ist ja viel Natur.“ Wenn das Holz von der Feuchtigkeit angegriffen wird, müsse es eben öfter mit Wetterschutzfarbe behandelt werden, sagt Hannelore Berchner: „Das mache ich doch mit meiner Gartenlaube auch.“ Beide Frauen bestätigen, dass die Brücke viel genutzt wird – oft von Älteren, aber auch von Muttis, die mit ihren Kindern hier Enten füttern gehen. Und die meisten würden eine Holzbrücke sicher schöner finden.

Der Stadtrat befasst sich am Donnerstag mit dem Thema – wenngleich eher am Rande. Hauptsächlich sollen die Räte den Neubau der Blockhausbrücke beschließen. Die Planung dafür ist längst bekannt, die Kosten liegen bei vier Millionen Euro und die Gesamtfinanzierung ist nach Auskunft der Stadt gesichert. Sie muss nur 325.000 Euro Eigenmittel beisteuern, der Rest sind Gelder der Deutschen Bahn (knapp 1,9 Millionen), Fördermittel (1,7 Millionen) und ein Anteil der Stadtwerke (60.000 Euro). Ende 2020 sollen vorbereitende Arbeiten beginnen, der eigentliche Bau Anfang 2021.

Keine Umwege für Fußgänger

Der Clou fürs Kidrontal: Während die Blockhausbrücke gebaut wird, soll direkt daneben eine Behelfsbrücke für Fußgänger errichtet werden. Das heißt, Autofahrer müssen während der Bauzeit einen Umweg fahren, Fußgängern bleibt der Umweg erspart. Die Behelfsbrücke hat exakt die gleiche Spannweite wie die Kidrontalbrücke. Die Idee also: Wenn die neue Blockhausbrücke fertig ist, wird die Behelfsbrücke abgebaut – und im Kidrontal weiterverwendet. Ein genauer Zeitpunkt dafür steht aber noch nicht fest. Der Bau der Blockhausbrücke wird mindestens zwei Jahre dauern, also bis Ende 2022. Es kann jedoch immer zu Verzögerungen kommen. Im Fördermittelbescheid ist ein Bewilligungszeitraum bis Ende 2023 angegeben, sodass die Stadt noch ein Jahr Luft hat.

Der Vorteil der Brücken-Umsetzung ist in erster Linie ein Finanzieller. Die Brücke kostet 140.000 Euro. Davon sind 65.000 Euro schon über die Baumaßnahme Blockhausbrücke finanziert, sodass am Ende nur noch ein Kaufpreis von 75.000 Euro bleibt. „Ein echtes Schnäppchen“, sagt Baubürgermeister Michael Wieler. Allerdings kommen dann noch einmal 75.000 Euro für die Ertüchtigung des Untergrundes im Kidrontal und die Montage der Brücke hinzu, außerdem 35.000 Euro Planungskosten, sodass der Gesamtpreis bei 185.000 Euro liegt. Und genau diese Zahl sollen die Stadträte am Donnerstag bestätigen.

Nicht alles modern verunstalten

Regina Busch und Hannelore Berchner würden sich wünschen, dass die Räte nicht zustimmen. „Eine Holzbrücke passt dort viel besser rein“, sagt Hannelore Berchner. Es könne doch nicht alles so modern verunstaltet werden wie beispielsweise der Leipziger Platz.

 * ... Name auf Wunsch geändert

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