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Therapeutin für Körper und Seele

Mit gerade mal 23 Jahren eröffnete die Zittauerin Anne Friede in Görlitz ihre eigene Physiotherapie-Praxis. Nach reichlich acht Jahren steht bald eine Vergrößerung an.

Anne Friede in ihrer Physiotherapie Friedländer auf der Elisabethstraße. Friedländer ist ihr Mädchenname, die Ähnlichkeit der Namen hat schon manchen Patienten verwirrt.
Anne Friede in ihrer Physiotherapie Friedländer auf der Elisabethstraße. Friedländer ist ihr Mädchenname, die Ähnlichkeit der Namen hat schon manchen Patienten verwirrt. © André Schulze

Anne Friede ist kreativ. Die Sprüche an den Wänden ihrer Praxis, das sportliche Männchen - ihr Logo, das hat sie alles selbst gemalt. "Im Malen könnte ich mich verlieren", sagt die 31-Jährige über sich. Doch zum Beruf gemacht hat sie etwas anderes. Sie ist Physiotherapeutin und das mit Leib und Seele. Dass sie später mal etwas tut, was Menschen hilft, war ihr schon sehr früh klar. Tante und Oma sind beide Krankenschwestern, die Tante in den Altbundesländern, die Oma war es in Zittau auf der Geburtenstation. Das hat Anne Friede inspiriert, sagt sie. Einen Job, bei dem man den ganzen Tag im Büro sitzt? Auf keinen Fall. Das wäre gar nichts für sie.

Nach dem Abitur in Zittau lernte sie auf der Schule für Physiotherapie - ebenfalls in Zittau - den Beruf. In dem Haus war neben der Schule auch eine Praxis. Hier machte sie nach der Lehre die ersten Schritte ins Berufsleben, unterrichtete aber schon sehr bald auch die neuen angehenden Physiotherapeuten oben im Haus. Dass sie dort damals den Fuß in die Tür bekam, freut sie heute noch. "Das war eine ganz andere Zeit als heute, man bekam als junge Frau 90 Prozent Absagen, weil die Physiotherapien damals lieber Männer einstellten. Viele junge Frauen wurden schnell schwanger, waren also für den Arbeitgeber eine Unsicherheit."

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Sechs Jahre zwischen Zittau und Görlitz

Nach eineinhalb Jahren in der Praxis wollte Anne Friede auf eigenen Füßen stehen, erfuhr durch einen Dozenten der Schule - den Görlitzer Physiotherapeuten Thomas Mummert, dass der seine Praxis auf der Görlitzer Elisabethstraße abgeben möchte. Anne Friede griff zu und ließ sich damit auf jahrelanges Pendeln zwischen Görlitz und Zittau ein, wo sie weiter wohnen blieb. "Das war schon manchmal heftig, wenn man nach dem letzten Abendkurs gegen 21 Uhr erst losfahren konnte und am anderen Morgen um 8 Uhr die Praxis aufschloss. Mich hat es manchmal genervt, und ich habe es trotzdem gerne gemacht. Und ich hätte es auch noch ein paar Jahre weiter so gemacht."

Doch das Jahr 2018 änderte einiges im Leben von Anne Friede. Sie heiratete ihren Mann, der aus Olbersdorf stammt. Und als er sich beruflich neu orientierte, entschieden sie, nun doch nach Görlitz zu ziehen. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn eine Wohnung wie in Zittau - Panoramafenster und Gebirgsblick - findet man in Görlitz nicht. Dazu die engen familiären Bande und der große Freundeskreis. Auch hat Anne Friede in Zittau jahrelang in der Tanzschule getanzt. Andererseits: 45 Minuten Fahrzeit gegen fünf Minuten Fußweg einzutauschen, ist schon viel wert. Durch eine Patientin kamen Friedes an eine schöne Wohnung in der Bismarckstraße. Und einen Görlitzer Freundeskreis gibt es inzwischen auch. "Wir fühlen uns wohl hier", sagt Anne Friede deshalb.

Die Sache mit dem Namen

Dass sie nicht mehr wie ihre Physiotherapie heißt - nämlich Friedländer - ist natürlich ihrer Heirat geschuldet. Noch zweieinhalb Jahre später sorgt das bei vielen Patienten für Verwirrung. "Wenn Sie Frau Friede sind, wer ist dann Frau Friedländer?" "Beides ich" oder "Ich habe mich ein bisschen verkürzt" kommt dann meistens die Antwort.

Außer ihr arbeitet derzeit nur eine weitere Kollegin in der Praxis mit - Sabine Clauß. "Und das schon seit fünf Jahren, worauf ich sehr stolz und glücklich bin, denn in den ersten Jahren war hier viel personeller Wechsel." Eigentlich würde sie aus dem Duo gern wieder ein Trio machen, sucht seit einem reichlichen halben Jahr einen neuen Mitarbeiter. Doch sie findet keinen. "Das geht anderen Praxen leider genauso. Man sagt inzwischen intern, ein Jahr müsse man schon suchen." Denn die Situation hat sich völlig geändert. Es gibt zu viele Praxen in der Stadt, findet sie. Und gute Therapeuten seien rar. "Wer gut ist und mit seiner Stelle zufrieden, der wird nicht wechseln", sagt die 31-Jährige. Mindestanforderung ist, dass der neue Kollege oder die neue Kollegin Weiterbildungen in Lymphdrainage und Manueller Therapie hat, denn das mache 80 Prozent des Behandlungsspektrums aus. Weitere Spezialrichtungen könne man sich auch später noch aneignen.

Bald gibt's richtig viel Platz

Mit Weiterbildungen kennt sich die junge Selbstständige aus. Viele Wochenenden hat sie sich selbst weiter qualifiziert, sie kann jetzt unter anderem auch Schmerzpatienten behandeln, osteopathisch arbeiten, Kurse in Pilates und Autogenem Training geben. Und die Kurse, die sie und die Kollegin anbieten, platzen aus allen Nähten. Vor Corona jedenfalls, denn als nach dem ersten Lockdown wieder welche möglich waren, musste auf den Abstand geachtet werden, noch weniger Teilnehmer durften mitmachen. Auch das ist ein Grund für den nächsten großen Schritt, den die junge Selbstständige wagt: sie zieht im April ins Nachbarhaus in größere Räume. Die werden aktuell nach ihren Wünschen geplant - inklusive größerem Kursraum und Fahrstuhl, denn die Praxis wird im ersten Stock sein.

Seit Monaten plant Anne Friede schon, wie sie alles einrichten will, wie sie die Räume gestalten möchte. Ihre Mal-Leidenschaft wird sicher wieder zum Zuge kommen. "Wir haben dann auch Behandlungsräume mit Türen, aktuell sind es nur Vorhänge und man ist nie wirklich für sich." Dabei erzählen viele Patienten mitunter schon sehr persönliche Dinge. "Wir sind gefühlt zu 50 Prozent auch Psychotherapeuten, die Leute haben viel auf dem Herzen. Manche brauchen auch bloß ein Handauflegen und ein bisschen reden."

Die Zeit nimmt sie sich, schließlich hilft auch das und Menschen helfen ist ihr großer Wunsch gewesen. Und sie selbst? Wie schafft eine junge Selbstständige es, Zeit für sich zu haben, für den Mann und die kleinen Haustiere daheim - ihre drei Meerschweinchen? "Ich habe es über die Jahre gelernt, mir Freiräume zu schaffen", sagt Anne Friede. Früher hat sie jedes Wochenende gesessen - für den ganzen Schriftkram, der eben so anfällt. Heute legt sie sich Bürostunden mit in den Tagesablauf der Praxis, um ein normales Leben führen zu können. Und dann bleibt auch Zeit zum malen.

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