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Wenn alle Bus fahren würden

Der Klimawandel ist in Görlitz angekommen, das sieht man nicht nur an den Bäumen. Doch die Stadt will etwas tun, zum Beispiel den C02-Ausstoß senken.

Viele Menschen sollen dem Klima zuliebe vom Auto aufs Fahrrad oder Bus und Bahn umsteigen. Das kann für Görlitz laut Experten eine große CO2-Einsparung bringen.
Viele Menschen sollen dem Klima zuliebe vom Auto aufs Fahrrad oder Bus und Bahn umsteigen. Das kann für Görlitz laut Experten eine große CO2-Einsparung bringen. © André Schulze

Görlitz hat schon richtig was geschafft. 40.000 Tonnen, um genau zu sein. So hoch ist der CO2-Ausstoß, den die Stadt seit 2015 bereits reduzieren konnte. Das betonte Klaus-Joachim Pfeuffer von der Tilia GmbH im jüngsten Stadtrat. Das Leipziger Unternehmen berät die Stadt in Sachen Klimaneutralität. Denn bis 2030, so das erklärte Ziel von Görlitz, wolle man klimaneutral sein. Das heißt, dass der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid, wie er beispielsweise aus Fahrzeugen, Industriebetrieben oder Wärmekraftwerken kommt, so gesenkt wird, dass die Aufnahme von Kohlenstoff aus der Atmosphäre nicht mehr steigt - sich beides gewissermaßen ausgleicht.

Mehr Bus und Bahn statt Auto: Verbindungen gibt es in Görlitz viele. Um aber noch mehr Menschen vom Auto weg in den Bus zu locken, müssten die Angebote noch flexibler sein, heißt es in einem Leitfaden für Klimaneutralität.
Mehr Bus und Bahn statt Auto: Verbindungen gibt es in Görlitz viele. Um aber noch mehr Menschen vom Auto weg in den Bus zu locken, müssten die Angebote noch flexibler sein, heißt es in einem Leitfaden für Klimaneutralität. © André Schulze

Görlitz hat sich schon vor längerer Zeit dazu bekannt, nun wurde im Stadtrat ein Leitfaden vorgestellt, wie die Stadt das in den kommenden zehn Jahren erreichen kann - etwa durch Einsparungen des Strombedarfes der öffentlichen Haushalte und der Industrie, den Ausbau der Fernwärme sowie Einsparungen des Energieverbrauchs im Verkehr. Oberbürgermeister Octavian Ursu: „Um dieses ambitionierte Ziel erreichen zu können, müssen wir sinnvolle, wirtschaftliche und machbare Schritte festlegen. Eine erste Skizze und Analyse der Möglichkeiten wurde in einem Leitfaden für unsere Stadt zusammengefasst."

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In diesem erklärte Experte Pfeuffer, dass der Ist-Co2-Ausstoß für Görlitz vor fünf Jahren etwa 200.000 Tonnen betrug. Vor allem durch die Stadtwerke Görlitz, die Strom und Gas zum großen Teil zu grünem Strom machten, wurde seitdem schon eine beachtliche Reduktion erreicht. "Aber es ist noch mehr möglich", so Klaus-Joachim Pfeuffer. Allein durch effizienteres Handeln in Privathaushalten, vor allem natürlich bei elektrischen Geräten. Zudem sieht Pfeuffer für Görlitz riesiges, theoretisches Potenzial für Photovoltaikanlagen. Letztlich lassen sich beim Thema Strom auch bei den Straßenlampen viele Megawattstunden einsparen. Görlitz habe noch etwa 5.000 Lichtpunkte, die bislang nicht auf LED umgestellt sind. Damit könnten bei ihnen etwa 70 Prozent Strom und Kosten eingespart werden.

Gemeinsame Fernwärme mit Polen

Die Hälfte des Görlitzer CO2-Ausstoßes macht immer noch die Wärmeerzeugung aus. Sein Spar-Tipp hier: verschiedene Fernwärmequartiere könnten miteinander verbunden werden. Erste kleine Energieeffizienzquartiere gibt es bereits in Görlitz. Ein großer Schritt in die richtige Richtung sei die Umstellung auf moderne Heizarten in Polen, sagt Pfeuffer. Und die Anbindung an Görlitz. Dafür hatten die Stadtoberhäupter von Görlitz und Zgorzelec, Octavian Ursu und Rafal Gronicz, im Juli die Weichen gestellt. Damals unterzeichneten sie zusammen mit dem sächsischen Umweltminister Wolfram Günther die Absichtserklärung, Görlitz und Zgorzelec auf eine gemeinsame und klimaneutrale Fernwärme-Versorgung umzustellen.

Schon seit 2003 gibt es eine Studie, wonach die Vereinigung der beiden Wärmenetze von Zgorzelec und Görlitz Vorteile für beide Seiten hat. Doch weil das Heizwerk in Zgorzelec/Grozowa aus Kohle Wärme macht, legte die deutsche Seite die Pläne zur Seite. Mit dem Kohleausstieg sieht die Sache nun ganz anders aus. Für das Vorhaben hoffen die beiden Städte auf EU-Fördermittel in Höhe von rund 60 Millionen Euro.

Bei der Fernwärme geht Görlitz gemeinsam mit Zgorzelec mit gutem Beispiel voran: Matthias Block, (links), Vorstandsvorsitzender Stadtwerke Görlitz und Thomas Schmidt, Staatsminister für Regionalentwicklung, gehörten im Juli zu den Unterzeichnern einer Abs
Bei der Fernwärme geht Görlitz gemeinsam mit Zgorzelec mit gutem Beispiel voran: Matthias Block, (links), Vorstandsvorsitzender Stadtwerke Görlitz und Thomas Schmidt, Staatsminister für Regionalentwicklung, gehörten im Juli zu den Unterzeichnern einer Abs © Nikolai Schmidt

Doch auch zu Siemens geht der Blick von Klaus-Joachim Pfeuffer. "Hier wird in Zukunft viel Abwärme anfallen, aus der man beispielsweise die angrenzenden Quartiere speisen könnte", sagt er. Wenn es um weniger Kohlendioxid-Ausstoß geht, komme man an der Industrie nicht vorbei. "Hier gibt es ganz viel Einsparpotenzial, denkt man nur an die ganze Beleuchtung, Druckluft, Antriebe", so Pfeuffer. Durch Effizienzmaßnahmen könne der Stromverbrauch so immerhin um 35 Prozent gesenkt werden. Gemeint sind damit zum Beispiel energieeffiziente Antriebe für Maschinen, Photovoltaikanlagen auf Hallendächern oder auch die Umrüstung der Beleuchtung auf LED.

Es braucht bessere Angebote bei Bus und Bahn

Die Görlitzer Bevölkerung kann neben Strom zuhause auch noch viel Energie sparen, um die klimaneutrale Stadt mit voranzutreiben: Bus und Bahn zum Beispiel fahren oder eben Fahrrad. "Wenn man den wesentlichen Privatverkehr auf die öffentlichen Verkehrsmittel umlenken könnte, wäre sehr viel CO2-Ausstoß zu verhindern. Das ist ein ganz großer Brocken", sagt Pfeuffer. Nämlich ganze 66 Prozent - und zwar durch flexiblere Beförderungsangebote, neuere Fahrzeuge, energieeffizientere Antriebe.

Alles zusammen genommen könnte Görlitz bis 2030 ganze 39 Prozent seines Energiebedarfs senken - wenn all diese Maßnahmen umgesetzt werden würden.

Das will die Stadtverwaltung zusammen mit dem Stadtrat besprechen. Herr Pfeuffer schlägt vor, zunächst ein Kernprojektteam zu schaffen, in dem Akteure der Stadtwerke, der Verkehrsbetriebe, Siemens und der Stadtverwaltung zusammen arbeiten. Den städtischen Haushalt sollen die Maßnahmen übrigens nicht sehr belasten. Die jeweiligen Akteure, also die Unternehmen, müssten für die Kosten selbst aufkommen.

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