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In Görlitz steht Sachsens modernste Kinderklinik

Anne-Katrin Winkelmann hat im Städtischen Klinikum mehrere Umzüge erlebt. Sie erzählt, wie sie sich jetzt im 35 Millionen-Neubau fühlt.

Ministerpräsident im Kreißsaal: Zur Eröffnung des Frauen-Mutter-Kind-Zentrums ließ sich Michael Kretschmer (Mitte) von Ärzten, Schwestern und Hebammen die neuen Räume zeigen - auch den roten Kreißsaal.
Ministerpräsident im Kreißsaal: Zur Eröffnung des Frauen-Mutter-Kind-Zentrums ließ sich Michael Kretschmer (Mitte) von Ärzten, Schwestern und Hebammen die neuen Räume zeigen - auch den roten Kreißsaal. © Nikolai Schmidt

Platz. Endlich wieder viel Platz. "Und es ist hell und luftig." Das ist das, was Anne-Katrin Winkelmann mit als erstes nennt, wenn es um ihren neuen Arbeitsplatz geht. Die 42-Jährige ist stellvertretende Stationsleiterin der Kinderklinik im Städtischen Klinikum und kennt alle Gebäude, in denen sich die Kinderklinik in den vergangenen Jahren befand. "Gelernt habe ich 1996 bis 1999 noch im Haus H, der alten Kinderklinik. Anfangs hatten wir hier noch das gesamte Gebäude zur Verfügung und viel Platz."

Dann ging Frau Winkelmann mit ihrer Familie für zehn Jahre nach Füssen im Allgäu, arbeitete dort in einer Privatklinik, bekam zwei Töchter. "Uns ging es super, aber dieses kleine Gefühl im Herzen, dass man eigentlich woanders hin gehört, ging nie weg." 2009 kam sie zurück, nach einer kleinen beruflichen Zwischenstation war es schließlich das Städtische Klinikum, wo sie 2009  wieder anfing. Da hatte die Kinderstation im H-Haus schon nur noch eine Etage, aber trotzdem sei es ein angenehmes Arbeiten gewesen.

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Schwester Anne-Katrin Winkelmann in einem der neuen Patientenzimmer.
Schwester Anne-Katrin Winkelmann in einem der neuen Patientenzimmer. © Nikolai Schmidt

Dann die Pläne, Haus H zu sanieren und Freude auf ein modernes Haus. Die zerplatzten jäh, als klar war, die statischen Mängel am Gebäude sind derart schwer, dass es abgerissen werden muss. Was folgte, waren einige schwere Jahre im Container. Von außen zwar nicht unbedingt als solcher erkennbar, auch von innen sah es aus wie in einem normalen Krankenhaus. Doch die Enge, fehlende zusätzliche Räume, zum Beispiel ein Spielzimmer oder Rückzugsmöglichkeiten für Mütter - all das erschwerte das Arbeiten. 

Der grüne Kreißsaal im neuen Frauen-Mutter-Kind-Zentrum. Seit dem Umzug ins neue Haus sind bereits 218 Kinder zur Welt gekommen. Vor sechs Wochen erst eines in der 25. Schwangerschaftswoche mit einem Geburtsgewicht von 680 Gramm. Dank moderner Medizin geh
Der grüne Kreißsaal im neuen Frauen-Mutter-Kind-Zentrum. Seit dem Umzug ins neue Haus sind bereits 218 Kinder zur Welt gekommen. Vor sechs Wochen erst eines in der 25. Schwangerschaftswoche mit einem Geburtsgewicht von 680 Gramm. Dank moderner Medizin geh © Städtisches Klinikum Görlitz

Doch immer war klar: Es ist nur eine Übergangslösung. Denn seit dem statischen Aus von Haus H wurde ein modernes Frauen-Mutter-Kind-Zentrum geplant. Fast auf den Tag genau nach drei Jahren wurde es am Freitag feierlich eröffnet. Bezogen ist es bereits seit Mai. Und gut genutzt auch. "Im Moment sind wir sehr voll", sagt Frau Winkelmann. Das gilt auch für die Isolierzimmer, immer wieder kommen Kinder, die krank sind, einen Corona-Abstrich hatten und bis zum Ergebnis isoliert liegen müssen. Räumlich gibt es dafür nun alle Möglichkeiten. Eine große Kindernotaufnahme, schöne Personalräume, Muttiküche, Spielzimmer. 

"Wir haben viermal so viel Platz wie vorher", sagt die stellvertretende Stationsleiterin. "Auch wenn man immer noch das Gefühl hat, man läuft den ganzen Tag im Kreis." Einmal hatte sie spaßeshalber einen Schrittzähler dabei, die berühmten 10.000 Schritte hatte sie schon mittags erreicht. Trotzdem sei alles besser, weil weitere Bereiche nah und gut erreichbar seien. "Jetzt müssen die Kinder nicht mehr zu Untersuchungen gefahren werden."

Freuen sich, über die warmen Farben und schönen Bilder an den Wänden: Anne-Katrin Winkelmann, die stellvertretende Stationsleiterin (links) und Stationsleiterin Yvonne Weber. Sie durften sich viel wünschen und die Gestaltung der Kinderstation mitbestimmen
Freuen sich, über die warmen Farben und schönen Bilder an den Wänden: Anne-Katrin Winkelmann, die stellvertretende Stationsleiterin (links) und Stationsleiterin Yvonne Weber. Sie durften sich viel wünschen und die Gestaltung der Kinderstation mitbestimmen © Städtisches Klinikum Görlitz

Mit einer Festveranstaltung wurde das neue Zentrum am Freitag nun auch offiziell eingeweiht, wegen Corona war das früher nicht möglich. Für den Bau wurde ein alter Gebäudetrakt, noch als Haus C bekannt,  in U-Form umgebaut und denkmalgerecht saniert. Ein Neubau verbindet die beiden Altbauflügel miteinander. Kreißsaal, Wochenstation, Kaiserschnitt-OP, Neonatologie, Kinderintensivüberwachung, Kinderkrankenpflege sowie allgemeine Gynäkologie, plastische, rekonstruktive und Brustchirurgie sowie das Mammazentrum befinden sich hier nun in unmittelbarer Nähe zueinander. 

Baukosten deutlich höher als geplant

Das neue Zentrum war eine der größten Baumaßnahmen, die das Klinikum in den vergangenen 50 Jahren gestemmt hat. Bei aller Freude, betonte Klinikum-Geschäftsführerin Ulrike Holtzsch am Freitag aber auch, dass Termine und Kosten nicht eingehalten werden konnten. Firmen seien an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen, Baupreise explodiert. Die geplante Bausumme von 25 Millionen Euro wurde um zehn Millionen Euro überschritten. 

"Als in Dresden der erste Anruf zu diesem Zentrum kam, ging es noch um eine Unterstützung in Höhe von fünf Millionen Euro", sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer augenzwinkernd. Am Ende hat der Freistaat 20 Millionen Euro beigesteuert. Kretschmer versprach, dass der Freistaat auch bei künftigen Investitionen ein verlässlicher Partner sein werde. Für das Klinikum bedeuteten die Probleme letztlich, dass aus dem geplanten Eigenanteil in Höhe von fünf Millionen Euro  dann 15 Millionen Euro wurden. 

Noch familienfreundlicher soll Görlitz werden, dafür sei mit dem Frauen-Mutter-Kind-Zentrum etwas getan worden, sagte Oberbürgermeister Octavian Ursu, der als Geschenk Babybodies mitbrachte und an Geschäftsführerin Ulrike Holtzsch überreichte. "Ich bin ei
Noch familienfreundlicher soll Görlitz werden, dafür sei mit dem Frauen-Mutter-Kind-Zentrum etwas getan worden, sagte Oberbürgermeister Octavian Ursu, der als Geschenk Babybodies mitbrachte und an Geschäftsführerin Ulrike Holtzsch überreichte. "Ich bin ei © Nikolai Schmidt

Entsprechend dankbar zeigten sich die Ärzte, die mit ihren Teams in das neue Haus einziehen durften. "Frau Holtzsch hatte mir zu meinem 60. Geburtstag ein schönes Geschenk versprochen", sagte etwa Dr. Torsten Nadler, Chefarzt der Frauenklinik. "Sie hat Wort gehalten und mir das schönste Geschenk gemacht." Insgesamt hat Nadler mit seiner Klinik bereits drei Umzüge mitgemacht. Das konnte Dr. Steffen Handstein von der Klinik für rekonstruktive und Brustchirurgie locker überbieten: Achtmal sei er innerhalb des Klinikums bereits umgezogen und im neuen Zentrum nun hoffentlich angekommen.  

Lange Zeit im Container hat Spuren hinterlassen

Vom früheren Chefarzt der Kinderklinik, Dr. Hans-Christian Gottschalk, der trotz Ruhestands immer noch aushilft, kam ein tiefer Seufzer, dass er die neue Klinik noch erleben darf. "Sechs  Jahre Kindermedizin im Container waren lang, vielleicht zu lang. Es hat Spuren hinterlassen, zum Beispiel durch den Verlust von Mitarbeitern, die wir gern behalten hätten. Jetzt ist ein neuer Anfang unter optimalen Bedingungen möglich."

Ein Neuanfang ist es auch für Frau Winkelmann. "Mit dem neuen Haus gibt es auch personelle Umbrüche. Sechs Kolleginnen sind in Rente gegangen, aber wir haben ein gutes neues Team." 

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer verglich das Klinikum mit einem Schiff, das selbst bei rauer See noch ruhig fährt und sich den Herausforderungen wie dem Bau des neuen Zentrums oder aber der Corona-Zeit mit Bedacht stellt. Zudem überreichte e
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer verglich das Klinikum mit einem Schiff, das selbst bei rauer See noch ruhig fährt und sich den Herausforderungen wie dem Bau des neuen Zentrums oder aber der Corona-Zeit mit Bedacht stellt. Zudem überreichte e © Nikolai Schmidt

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