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Görlitz streitet über Namen für Neiße-Brücke

Seit 2017 wird über den Namen des Bauwerks in Hagenwerder debattiert. Nun soll der Stadtrat eine Entscheidung treffen.

Von Matthias Klaus
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Gerd Münzberg, hier bei der Auftaktveranstaltung des Oberlausitztages im August: Er will die "Oberlausitz"-Brücke in Hagenwerder.
Gerd Münzberg, hier bei der Auftaktveranstaltung des Oberlausitztages im August: Er will die "Oberlausitz"-Brücke in Hagenwerder. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Noch trägt sie nur eine Bauwerksnummer, aber in Zukunft vielleicht einen "echten" Namen, die Brücke über die Neiße zwischen Hagenwerder und Radomierzyce. Welchen, das ist derzeit noch offen. Seit Jahren gibt es darüber Diskussionen in der Stadt.

Für Gerd Münzberg ist die Lage klar. Die Brücke soll "Oberlausitz" heißen, den deutschen und den polnischen Teil der Oberlausitz verbinden. Das müsse sich auch im Namen widerspiegeln. Gerd Münzberg gehört zum Bürgerforum Oberlausitz.

Aber daraus wird wohl nun doch nichts. Denn auf der Tagesordnung des Stadtrates Görlitz steht nun ein anderer Vorschlag. Demnach soll die Brücke künftig "Oberlausitz-Niederschlesien" heißen. Für Gerd Münzberg ein Unding. "Mir fehlen die Worte", so Gerd Münzberg gegenüber der SZ. Das Bürgerforum mache sich weiterhin für den Namen "Oberlausitz" für die Brücke stark.

Jahrelanges Hin und Her

Seit vier Jahren gibt es inzwischen ein Hin und Her zum Brückennamen. Das Bauwerk über die Neiße zwischen Hagenwerder und Radomierzyce (Radmeritz) war Gegenstand der Beratungen des Ortschaftsrates Hagenwerder/Tauchritz, des Technischen Ausschusses der Stadt und des Görlitzer Stadtrates Anfang des Jahres 2017.

Die Stadt Görlitz schlug im März 2017 dem Freistaat Sachsen den Namen „Radmeritzer Brücke“ vor. Der damalige Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege schrieb damals an den Freistaat, dass die Bezeichnung "Oberlausitz" für die Brücke in Görlitz "wenig Anklang" fand. Andererseits schien die "Radmeritzer Brücke" auch nicht viele Freunde zu finden.

Noch namenlos: Die Brücke zwischen Hagenwerder und Radmeritz.
Noch namenlos: Die Brücke zwischen Hagenwerder und Radmeritz. © Nikolai Schmidt

Zwar sprach sich der Ortschaftsrat zunächst dafür aus. Aber nach einer Vorstellung des Bürgerforums Oberlausitz, unter anderem mit Gerd Münzberg, wollte der Ortschaftsrat nach den bekannt gewordenen geschichtlichen Hintergründen nochmals über die Namensgebung sprechen. Am Ende blieb die Brücke bis heute ohne Namen.

Die Stadt Görlitz hat sich inzwischen deshalb Rat beim Ratsarchivar Siegfried Hoche geholt und um eine Bewertung der Namensvergabe für die Brücke gebeten. Der kommt unter anderem zu dem Schluss: Nach dem Zweiten Weltkrieg war Görlitz die Stadt mit dem größten Anteil Vertriebener, besonders Schlesiern. Deren schlesische Identität sei bis heute neben der Oberlausitzer Identität sehr stark in Görlitz präsent und spürbar. Insofern sei Görlitz schon daher durchaus eine durch verschiedene Regionen und Traditionen geprägte Stadt mit nun zudem zahlreichen polnischen Neubürgern.

Rechtlich stellt sich die Lage zur Namensgebung für die Brücke so dar: Nach dem deutsch-polnischen Grenzbrückenabkommen aus dem Jahr 2000 ist sie der deutschen Seite zugeordnet. Die über die Brücke führende Straße ist auf deutscher Seite als Staatsstraße S 128 gelistet. Für das Bauwerk ist demzufolge der Freistaat Sachsen zuständiger Baulastträger und somit auch zuständig für die Entscheidung für eine Namensgebung. Aber: Die unmittelbar betroffene Region werde in die Namensgebung jeweils einbezogen, sodass ein Votum der Stadt Görlitz erfolgen muss.

1.600 Menschen für "Oberlausitz"-Brücke

Und dieses Votum heißt nun, jedenfalls als Vorschlag, "Oberlausitz-Niederschlesien". Laut Gerd Münzberg vom deutsch-polnischen Bürgerforum Oberlausitz haben sich aber inzwischen 1.600 Bürger von Vereinen und Organisationen für die Namensgebung "Oberlausitz" ausgesprochen. Die Namensgebung soll ein symbolischer Akt des Zusammengehens des deutschen und polnischen Teils der Oberlausitz in einer gemeinsamen Kulturregion sein, so Gerd Münzberg.

Mitte des Jahres habe er noch einmal mit dem jetzigen Oberbürgermeister Octavian Ursu über das Thema gesprochen. Getan habe sich seither nichts. Um so überraschter ist der Mann vom Bürgerforum nun, dass es eine Beschlussvorlage im Stadtrat gibt.