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Was wird aus dem Lutherplatz?

Geschäfte schließen, die Sozialarbeit im Problemviertel ist geschrumpft. Es bleibt die Hoffnung auf den Nach-Lockdown.

Der Lutherplatz gestern, schneebedeckt und menschenleer.
Der Lutherplatz gestern, schneebedeckt und menschenleer. © Martin Schneider

Offiziell ist schon zu. Nur noch zeitweise öffnet Gisela Steckel die Mohrenapotheke. Einen Nachfolger hat die Inhaberin nicht gefunden - eine Institution weniger am Lutherplatz. Dr. Norbert Sickor hatte die Gegend bereits Anfang vergangenen Jahres verlassen, nach 14 Jahren. Seine Praxis befindet sich jetzt auf dem Gelände des St.-Carolus-Krankenhauses. Leerstand am Lutherplatz.

Leerstand am Lutherplatz, ein schleichender Prozess, sagt Heinz-R. Conti-Windemuth vom Bürgerrat Innenstadt West. "Wenn sich Leerstände so hineinfressen ist das nicht gut", sagt er. Das Eckhaus, in dem die Mohrenapotheke derzeit noch ihr Domizil hat, stehe schon zu lange leer. "Aber der Eigentümer, die Kommwohnen, kann schließlich auch nicht in kurzer Zeit eine schnelle Lösung finden", sagt Herr Conti-Windemuth.

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Bürgerrat: Nahversorger fehlen

Generell, sagt er, fehle es um den Lutherplatz, in der Innenstadt West an Infrastruktur, sprich an mehr Nahversorgern.

Still und verwaist ruht die Fläche im winterlichen Lockdown-Grau. Auf den Straßen sind kaum Passanten zu sehen und wenn, dann eilen sie schnell ihrem Ziel entgegen. Kein Wunder bei diesem Wetter. Vielleicht wäre in bisschen mehr los, wenn es den kleinen Kiosk gleich neben dem Altenpflegeheim der Awo noch gäbe. Der ist aber bereits seit Anfang 2018 dicht. Die Awo, auf deren Gelände sich das Häuschen befindet, plant Erweiterungen.

Rabryka kam mit dem Bollerwagen

Eine Anlaufstelle, um soziale Kontakte zu halten und zu knüpfen gab es trotzdem. Robert Gröschel vom Verein Rabryka kam mit anderen Vereinsmitgliedern mit einem umgebauten Bollerwagen auf den Lutherplatz. Die Rabryka-Leute schenkten Tee aus, kamen mit den Anwohnern ins Gespräch. Der Schirm am Bollerwagen schütze je nach Jahreszeit vor Sonne, Wind und Regen. Eine Feuerschale lud an kalten Tagen zum Wärmen ein. Bei schlechtem Wetter kamen um die zehn Besucher, bei gutem waren es auch mal 30. Das Angebot gibt es nicht mehr. "Seit Frühjahr 2019", sagt Robert Gröschel.

Ja, er bedauere es. Hintergrund sind unter anderem fehlende Fördergelder. Dabei sah es 2016 doch so gut aus. 1,3 Millionen Euro bekam die Stadt aus dem Europäischen Sozialfonds zur Aufwertung der Innenstadt West. 13 Einzelprojekte wurden aufgelegt, eins davon leitete Robert Gröschel.

Experte: Bedarf an Sozialarbeit gibt es noch

"Der Fördermittelgeber hatte aber wohl ein anderes Ziel, war nicht mehr zufrieden", sagt Robert Gröschel heute. Deshalb kam auch das Aus für den Bollerwagen auf dem Lutherplatz. "Wir haben aber damals schon gespürt, dass es hier einen großen Bedarf an Sozialarbeit gibt und wir spüren es heute noch", sagt Robert Gröschel.

So verschrien der kleine Kiosk als Trinkertreff bei manchem Anwohner war, bot er doch einen Anlaufpunkt. Hannes, der nicht wirklich Hannes heißt und nur für die Zeitung so genannt werden will, ist einer von denen, die fast täglich herkamen. "Ich habe mich nicht volllaufen lassen", sagt er. Ein, zwei Bier, dann sei Schluss gewesen. Meistens, schmunzelt er. "Ich wollte vor allem mit meinen Kumpels quatschen. Wo sollten wir denn sonst auch hin", fragt sich Hannes.

Der Bollerwagen, ja gut, er sei ein Ersatz gewesen, aber kein besonders guter, findet Hannes. "Tee ist eh nicht so mein Ding, und der Wagen kam ja nur einmal die Woche", sagt er. Aber zum Kumpels treffen, ja, dafür hat es schon gereicht.

Esta kommt nach dem Lockdown auf den Lutherplatz

Der Lutherplatz steht auch auf der Liste der Evangelische Stadtjugendarbeit Görlitz, dem Esta e. V. "In den vergangenen zwei Jahren waren wir immer wieder mal dort", schildert Christian Bräunling von der offenen und mobilen Arbeit. Allerdings ist der Lutherplatz für den Verein kein expliziter Schwerpunkt. Er ist an vielen Orten in der Stadt zu finden - wenn es denn Corona bedingt erlaubt ist. "Jetzt im Lockdown findet das natürlich nicht statt", sagt Christian Bräunling.

Im vergangenen Winter allerdings kam auch schon mal die Feuerschale der Evangelischen Stadtjugendarbeit auf dem Lutherplatz zum Einsatz und im vergangenen Sommer auch das Spielmobil.

"Wenn es die Umstände erlauben, werden wir in diesem Jahr mit Sicherheit auch wieder auf dem Lutherplatz sein", sagt Christian Bräunling.

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