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Wilhelmsplatz soll grüner und kühler werden

Dem großen Platz in der Görlitzer Innenstadt fehlen Wasser und mehr Bäume. Die Stadt will beides gern schaffen. Jetzt geht es los – mit einer Studie.

Friedemann Dreßler vom Amt für Stadtentwicklung zeigt den Plan zur möglichen Umgestaltung des Wilhelmsplatzes in Görlitz.
Friedemann Dreßler vom Amt für Stadtentwicklung zeigt den Plan zur möglichen Umgestaltung des Wilhelmsplatzes in Görlitz. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Die nächsten Tage werden heiß. 31 Grad am Donnerstag, 32 am Freitag, kündigt der Wetterbericht an. Schattige Plätze sind dann besonders gefragt. Doch gerade in der Görlitzer Innenstadt sind diese rar. „Auf dem Wilhelmsplatz zum Beispiel stehen von einst 150 Laubbäumen heute gerade noch 20“, sagt Friedemann Dreßler vom Amt für Stadtentwicklung.

So sieht der Plan zur möglichen Umgestaltung des Wilhelmsplatzes aus. Große gelbe Kreise sind alte Bäume, kleine Kreise hingegen Bäume, die neu gepflanzt werden wollen. Das blaue Viereck links ist das Wasserspiel.
So sieht der Plan zur möglichen Umgestaltung des Wilhelmsplatzes aus. Große gelbe Kreise sind alte Bäume, kleine Kreise hingegen Bäume, die neu gepflanzt werden wollen. Das blaue Viereck links ist das Wasserspiel. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Mit einer Größe von 2,3 Hektar ist der Platz einer der größten in Görlitz. Leider auch einer ohne Wasser, bemängelt Dreßler. Gerade jetzt im Sommer würde Wasser aber ungemein helfen, den Platz zu kühlen und sein Klima somit attraktiver zu machen. Um das zu erreichen, hat der 59-Jährige die Idee für „Wilhelms Wasserkraft“ entwickelt. Noch steht dieses Projekt zwar ganz am Anfang, aber es beinhaltet gleich drei Wege, um mit Wasser für einen attraktiveren Wilhelmsplatz zu sorgen.

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Fontänenfläche mit Vernebelung ist denkbar

Das Erste ist ein Wasserspiel, das vielleicht auf der Seite zur Jakobstraße gebaut werden könnte. Kein tiefer Brunnen, sondern eher eine Fontänenfläche mit Vernebelung und Sprühelementen. „Das würde für eine erfrischende Kühlung sorgen“, sagt der Stadtplaner. Das Wasserspiel könnte so gebaut werden, dass es für Kinder begehbar ist. Das Zweite wäre eine Zisterne, vielleicht auch mehrere – also unterirdische Wassertanks. Eventuell könnte der alte, ungenutzte Bunker nahe der Konsulstraße sogar dafür verwendet werden.

Und das Dritte schließlich ist die Befeuchtung des ganzen Platzes, vor allem der Rasenflächen und Blumenbeete, aber auch der Bäume. „Um einen Baum einmal richtig zu wässern, braucht es 100 bis 200 Liter Wasser“, rechnet Dreßler vor. Das Wasser könnte aus den Zisternen kommen. Für die Wiesen könnte im Boden ein Unterflursystem eingebaut werden, das für eine optimale Kühlung sorgt. Wenn der Platz jede Nacht von 4 bis 5 Uhr besprüht wird, könnte das noch bis zum Mittag für Verdunstungskühlung sorgen.

Für all das will Dreßler kein Trinkwasser nutzen, sondern Regenwasser von den Hausdächern und Straßen der Umgebung. Das wäre tatsächlich ein Novum: Bisher werden Straßenbäume in Görlitz noch komplett mit Trinkwasser (!) gegossen.

Doch wie kommt das Regenwasser zum Wilhelmsplatz? Nutzt man vor allem das Wasser, das aus der oberen Jakob- und Konsul- sowie der Augustastraße kommt und quasi ohnehin in Richtung Wilhelmsplatz fließt? Hier findet es Dreßler als Erstes wichtig, die Stadtwerke zu fragen, wo Regenwasserkanäle mit guter Leistung ankommen. Wichtig wäre auch die Frage, wie viel Wasser am Wilhelmsplatz gespeichert werden kann. Ideal fände er es, wenn es so viel wäre, dass es auch für die Bäume in anderen Straßen oder sogar für die komplette Elisabethstraße reicht.

Machbarkeitsstudie kostet 60.000 Euro

Um all das und viele weitere Fragen zu klären, braucht es eine Machbarkeitsstudie. Doch die ist nicht ganz billig, Dreßler rechnet mit Kosten von 60.000 Euro. Beim Bund hat er eine 90-Prozent-Förderung beantragt, also 54.000 Euro. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat vorigen Mittwoch einen Beschluss über Projekte gefasst, die im Bundesprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ gefördert werden. Darüber informiert der Görlitzer SPD-Bundestagsabgeordnete Thomas Jurk. Die gute Nachricht für Görlitz: Für „Wilhelms Wasserkraft“ steht Geld bereit. Die Schlechte: Es sind nicht 54.000, sondern „nur“ 45.000 Euro.

„Wegen der Vielzahl an Projekten und dem Wunsch, viele Einreicher zu berücksichtigen, wurden hier 75 Prozent Förderung angesetzt“, sagt Jurk. Die Formulierung zur Förderhöhe in der Ausschreibung lautete „bis zu 90 Prozent“, erklärt er.

Stadt muss 15.000 Euro beisteuern

So muss Dreßler jetzt schauen, wie es der Stadt gelingt, die restlichen 15.000 Euro zu finanzieren. Eigentlich waren ja nur 6.000 Euro vorgesehen. Wenn es mit dem Geld klappt, könnte sich der Stadtplaner vorstellen, dass vielleicht in einem Jahr Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vorliegen könnten. Und je nachdem, wie diese ausfallen, und wie die Stadträte die weiteren Prioritäten setzen, könnte die bauliche Umsetzung frühestens 2023 beginnen.

„Schön wäre es, wenn wir dann auch gleichzeitig Bäume pflanzen könnten“, sagt Dreßler. 60 neue Laubbäume hätte er gern, zusätzlich zu 20 Altbäumen, die stehenbleiben könnten – plus den Nadelbäumen an der Seite zur Konsulstraße, die nicht eingerechnet sind, aber auch erhalten werden könnten. Ob es tatsächlich zu Baumpflanzungen kommt, müssten aber ebenfalls die Stadträte beschließen.

Doch würde sich „Wilhelms Wasserkraft“ überhaupt mit der Tiefgarage vertragen, die OB Octavian Ursu bei seinem Neujahrsempfang 2020 als eines seiner geplanten Großprojekte vorgestellt hat? „Ich denke schon“, sagt Dreßler. Im Vergleich zur Tiefgarage bräuchten die Zisternen nur recht wenig unterirdischen Platz. Rathaussprecherin Juliane Zachmann sagt, dass es bei der Tiefgarage seit Januar 2020 noch keinen neuen Stand gibt: „Grund dafür ist der große Projektantrag für die ÖPNV-Modellstadt, den wir gestellt haben. Wir würden dort gern erst auf eine positive Rückmeldung warten und erst danach weitere Projekte für die Beantragung vorbereiten.“

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