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Heizung der Annenschule steht kurz vor dem Aus

Am Mittwoch mussten die Stadträte über das Görlitzer Gymnasium entscheiden. Doch auch andere Schulen in der Stadt sind derzeit Baustellen.

Frank Gröll ist Schulleiter am Augustum-Annen-Gymnasium. Er kann sich nun auf eine neue Heizung freuen.
Frank Gröll ist Schulleiter am Augustum-Annen-Gymnasium. Er kann sich nun auf eine neue Heizung freuen. © nikolaischmidt.de

Eigens für die Annenschule hat die Stadtverwaltung am Mittwoch die Stadträte – mitten in der Sommerpause – zu einer Sitzung des Technischen Ausschusses zusammengerufen. Und das, was die Verwaltung in der Vorlage schreibt, klingt tatsächlich eilig. Um nicht zu sagen, dramatisch.

Das Annengymnasium hat eine Heizungsanlage von 1998, heißt es dort. Und weiter: „Am Gaskessel wurde eine irreparable Undichtigkeit festgestellt.“ Zur Aufrechterhaltung der Betriebssicherheit und des Schulbetriebes seien „eine Erneuerung des Wärmeerzeugers und der zugehörigen Anlagenkomponenten dringend erforderlich.“ Dafür stehe aktuell im Haushalt kein Geld zur Verfügung. Dennoch sollten die Stadträte am Mittwoch den Zuschlag für eine neue Heizung erteilen. Das taten sie schließlich auch, und zwar einstimmig.

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Ist bis zum Heizungs-Umbau tatsächlich der weitere Schulbetrieb in diesem Gebäude des Augustum-Annen-Gymnasiums in akuter Gefahr? Auf SZ-Nachfrage erklärt Baubürgermeister Michael Wieler, dass es nicht ganz so schlimm sei. Noch sei die Heizung gar nicht kaputt. „Es droht eine Havarie, es kann aber auch sein, dass sie noch ein oder zwei Jahre läuft“, sagt er. Und mit „irreparabel“ sei lediglich gemeint, dass es wirtschaftlich keinen Sinn mehr habe, die Heizung zu reparieren. Die Stadt habe in den vergangenen Jahren schon bei mehreren Schulen die Heizungen getauscht – und weitere werden in den nächsten Jahren folgen, sagt Wieler.

Schule soll mit ans Nahwärmenetz

Aber warum dann so ein Zeitdruck, die Stadträte mitten in den Ferien antreten zu lassen? „Ob die Anlage noch einen Winter durchhält oder nicht, ist tatsächlich ungewiss“, sagt Wieler. Niemand könne das sicher sagen. Die Stadt hatte die Sache ausgeschrieben, die Görlitzer Stadtwerke waren die Einzigen, die ein Angebot abgegeben haben. Sie wollen die Schule an ihr Nahwärmenetz anschließen – also an das Energie-Effizienz-Quartier, das derzeit in der Steinstraße gebaut wird. Ziel ist, dass das in den Oktoberferien erledigt wird. „Wir hoffen, dass das gelingt, aber was ist heutzutage schon sicher“, sagt Wieler.

Für 468.000 Euro brutto wollen die Stadtwerke die Schule zehn Jahre lang beheizen. Die Erneuerung der Anlage macht dabei rund 116.000 Euro aus. Die Restsumme ist für die Wärmelieferung sowie die Betriebsführung, Wartung und Instandhaltung für eine Laufzeit von zehn Jahren veranschlagt. Die Stadt muss zehn Jahre lang jeweils 46.800 Euro zahlen. Das heißt, sie kommt dieses Jahr um einen großen Einzelbetrag herum. Das Geld verteilt sich auf zehn Jahre, so dass keine riesigen Umschichtungen im Haushalt nötig sind.

An der Melanchthonschule in Görlitz steht derzeit ein Gerüst. Hier wird der hofseitige Schmuckgiebel im mittleren Fassadenteil saniert.
An der Melanchthonschule in Görlitz steht derzeit ein Gerüst. Hier wird der hofseitige Schmuckgiebel im mittleren Fassadenteil saniert. © Martin Schneider

Die Annenschule ist nicht die einzige städtische Bildungseinrichtung, in der Baumaßnahmen geplant sind oder sogar schon laufen. Traditionell nutzt die Stadt immer die Ferien, um Baustellen stressfrei über die Bühnen zu bringen. „In diesem Jahr sind es sechs Sommerbaustellen“, sagt Rathaus-Sprecherin Sylvia Otto. Nummer eins sind die Melanchthonschulen. Dort steht die Sanierung des hofseitigen Schmuckgiebels im mittleren Fassadenteil auf dem Plan. Das kostet knapp 50.000 Euro und soll bis Oktober abgeschlossen sein.

Schneller geht es an der August-Moritz- Böttcher-Grundschule, wo bis zum Ende der Sommerferien am 3. September Schallschutzdeckenelemente installiert und Elektroarbeiten erledigt werden sollen. Kostenpunkt: 65.000 Euro, davon 45.000 Euro Fördermittel. Nummer drei ist die Oberschule Rauschwalde. Dort geht es um qualitative Verbesserungen an den Containern. Mit anderen Worten: Für die Container-Klassenräume sollen Klimaanlagen angeschafft werden, außerdem wird eine Schallschutzwand gebaut. Kostenpunkt hier: 35.000 Euro. Auch das soll bis zum Ende der Sommerferien erledigt sein.

An der Oberschule Rauschwalde lernen die Schüler teilweise in Container-Klassenräumen, die auf dem Schulhof stehen. Jetzt werden die Container qualitativ verbessert.
An der Oberschule Rauschwalde lernen die Schüler teilweise in Container-Klassenräumen, die auf dem Schulhof stehen. Jetzt werden die Container qualitativ verbessert. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Nummer vier ebenso: In der Annenschule gibt es für 14.600 Euro eine Nutzungsänderung mit Umzug des Speiseraumes und Einrichtung eines zusätzlichen Klassenzimmers. Nummer fünf ist die preiswerteste Baustelle. In der Oberschule Innenstadt werden bis 27. August für 5.800 Euro zusätzliche Büroarbeitsplätze für Schulassistenten geschaffen.

Nummer sechs hingegen ist die teuerste Baustelle: Im Förderzentrum Windmühlenweg läuft bis 3. September die brandschutztechnische Ertüchtigung mit Roh-, Trocken- und Stahlbauarbeiten, Brandschutztüren, Elektroarbeiten, Heizung und Sanitär. Das kostet 160.000 Euro, darunter 111.000 Euro Fördermittel. Diese Arbeiten können immer nur in den Ferien erledigt werden. Sie sind am 3. September also nicht abgeschlossen, sondern werden in späteren Ferien weitergeführt.

Nicht in dieser Liste enthalten ist die Grundschule Königshufen. Dort läuft keine Ferienbaustelle, sondern eine Komplettsanierung. Aktuell stehen dabei Brandschutzarbeiten im Mittelpunkt. Dieser Bauabschnitt soll im September erledigt sein. Im Januar kann der nächste Bauabschnitt starten, im Juli 2023 sollen die Mädchen und Jungen ihre Schule wieder in Besitz nehmen können. Sie lernen derzeit in einem Ausweichquartier in Weinhübel.

Doch zurück zu den Heizungen: Die Anlage in der Annenschule wird nicht die letzte sein, die auszutauschen ist. „Viele Kessel an den Schulen stammen aus den 1990er Jahren“, sagt Wieler. Die seien alle irgendwann fällig: „Das ist der Zyklus, den wir jetzt durchzustehen haben.“ Über die SAB hat die Stadt in dieser Woche von einer neuen 80-Prozent-Förder-Option des Freistaates gehört. Für die Annenschule kommt sie zu spät, sagt Wieler: „Dort wollen wir keinen weiteren Winter riskieren.“ Aber für die nächste Schule will die Stadt einen Förderantrag stellen. Wahrscheinlich wird es die Nikolaigrundschule sein.

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