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Finanzamt liegt bei Homeoffice vorn

Über die Hälfte der Beschäftigten des Amtes können von Zuhause aus arbeiten, im Landratsamt sieht es ähnlich aus. Im Görlitzer Rathaus sind es sechs Prozent.

Eine junge Frau im Homeoffice nimmt in ihrem Wohnzimmer an einer Telefonkonferenz teil, hier ein Symbolbild.
Eine junge Frau im Homeoffice nimmt in ihrem Wohnzimmer an einer Telefonkonferenz teil, hier ein Symbolbild. © dpa/Sebastian Gollnow

Arbeiten von Zuhause aus, wo immer das möglich ist: Das ist die neue Waffe der Regierung im Kampf gegen Corona. Homeoffice für alle, deren Tätigkeit es zulässt - am Mittwoch tritt eine entsprechende neue Verordnung des Bundesarbeitsministeriums in Kraft.

Sachsens Industrie- und Handelskammern (IHK) sehen eine Verpflichtung zum Homeoffice eher skeptisch. Man sehe darin "weder einen zielführenden noch einen verhältnismäßigen und umsetzbaren Weg zur Zielerreichung", heißt es bei der IHK Dresden.

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86 Finanzamtler arbeiten von Zuhause aus

Behörden und Verwaltungen im Landkreis Görlitz haben derweil auf die bevorstehende Homeoffice-Pflicht reagiert - mit unterschiedlichen Ergebnissen.

Das Finanzamt Görlitz hat 52 Prozent der Beschäftigten mit der entsprechenden Technik ausgestattet. "Die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, nutzen die Kolleginnen und Kollegen ganz individuell entsprechend ihrer persönlichen und dienstlicher Belange", so Amtsleiter Martin Vogt. 86 Bedienstete des Finanzamtes arbeiten derzeit von Zuhause aus.

"Die Erfahrungen mit dem Homeoffice sind durchweg positiv", schildert Martin Vogt. Es sei damit gelungen, die Kontakte sowohl auf dem Arbeitsweg als auch im Finanzamt deutlich zu reduzieren. Der prozentuale Anteil am Homeoffice der einzelnen Arbeitsbereiche sei nicht sehr unterschiedlich groß. "Ganz vorne liegen aber die Arbeitsbereiche Veranlagung und Prüfdienste", so Martin Vogt. "Papierlastige" Arbeitsbereiche wie die Geschäftsstelle des Görlitzer Finanzamtes arbeiten im Durchschnitt weniger im Homeoffice. Nur in der Poststelle und in der Telefonvermittlung sei das Arbeiten von Zuhause aus nicht möglich.

Der unterschiedliche Nutzungsgrad habe verschiedene Gründe. "Insbesondere hängt es davon ab, ob die Wohnung des Beschäftigten das Arbeiten im Homeoffice ermöglicht", sagt der Amtsleiter. Wegen der besonderen Sensibilität der Daten müsse auch beim Arbeiten von Zuhause aus gewährleistet sein, dass kein Dritter, das heißt auch kein Familienangehöriger, in die Steuerdaten einsehen kann, so Martin Vogt.

Sensible Daten müssen geschützt werden

Bereits vor der Corona-Krise habe die Finanzverwaltung Heimarbeitsplätze für die Beschäftigten eingerichtet, sagt er. "Diese Möglichkeit wurde nahezu von allen Arbeitsbereichen genutzt", so Martin Vogt. Und: "Aus diesem Grunde waren wir auf die neuen Anforderungen gut vorbereitet und konnten schnell unsere Arbeitsabläufe den neuen Umständen anpassen."

In der Landkreisverwaltung sind gegenwärtig 671 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit mobiler Technik ausgestattet, können damit grundsätzlich im Homeoffice arbeiten. "Dies entspricht 42 Prozent der Gesamtbelegschaft", sagt Kreissprecherin Julia Bjar. Die tatsächliche Anzahl der Mitarbeiter im Homeoffice sei jedoch noch deutlich höher. Der Grund: Auch Mitarbeiter ohne eigene Technik arbeiten im Homeoffice, bei denen es die Arbeitsaufgabe zulässt.

Telearbeit im Landratsamt schon seit 2014

"Die genaue Anzahl wird gegenwärtig ermittelt", so Julia Bjar. Im März vergangenen Jahres betrug der Anteil der Mitarbeiter mit mobiler Technik 335, davon waren 120 Telearbeiter, also Kolleginnen und Kollegen, die ganz oder teilweise außerhalb der Gebäude des Kreisverwaltung arbeiten.

Vor allem der Landrat-Beigeordnete Thomas Gampe hatte in der Vergangenheit die Digitalisierung in der Kreisverwaltung vorangetrieben. Telearbeit wurde bereits 2014 eingeführt. Schon 2017 arbeiteten Landratsamtsangestellte von Dresden aus für den Kreis, mussten nur zur Dienstberatung nach Görlitz kommen.

In der Stadtverwaltung Görlitz sind momentan 180 Zugänge für Homeoffice eingerichtet. Die Inanspruchnahme erfolgt in einem Wechsel zwischen Dienststelle und häuslichem Arbeitsplatz, so Rathaus-Sprecherin Juliane Zachmann. Die Absprache erfolge zwischen Fachamt und Mitarbeiter nach vorheriger Abstimmung mit der Hauptverwaltung zu technischen und organisatorischen Voraussetzungen. Bezogen auf die Gesamtzahl arbeiten sechs Prozent der Rathausmitarbeiter im Homeoffice, dass sind 45 Kolleginnen und Kollegen, die Zahl schwankt.

Stadt Görlitz will Homeoffice ausbauen

"Derzeit sind in nahezu allen Fachämtern Mitarbeiter im Homeoffice – Rechnungsprüfung, Hauptverwaltung, Amt für Stadtfinanzen, Amt für öffentliche Ordnung, Amt für Schule, Sport, Soziales, Amt für Stadtentwicklung, Bau- und Liegenschaftsamt sowie der Kulturverwaltung", so Juliane Zachmann. Beim Einwohnermeldewesen, Ordnungsamt, Feuerwehr funktioniere dies naturgemäß eher nicht.

Vor Corona gab es Homeoffice im Görlitzer Rathaus nur zeitlich befristet für einzelne Mitarbeiter, etwa in der Elternzeit. Homeoffice, diesem Thema hat sich der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu angenommen. Die Stadtverwaltung Görlitz möchte – unabhängig von den Regelungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie – ihren Mitarbeitern perspektivisch bessere Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen. Eine entsprechende dienstliche Vereinbarung werde demnächst in Kraft treten.

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