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Görlitz

Görlitzer Hoteliers hoffen auf Spätsommer

Zwar sind touristische Übernachtungen nicht erlaubt. Aber der Blick richtet sich auf die Politik und die Zahl der Impfungen.

Gunnar Buchwald Hotelier des Hauses "Zum Hothertor" surft mit seinem Laptop im Internet, hier ein Archivfoto.
Gunnar Buchwald Hotelier des Hauses "Zum Hothertor" surft mit seinem Laptop im Internet, hier ein Archivfoto. © nikolaischmidt.de

Gunnar Buchwald ist seit sieben Monaten allein zuhaus. Nein, das stimmt nicht ganz. Seit sieben Monaten sitzt aber Gunnar Buchwald jedenfalls nachmittags im Hotel "Zum Hothertor" an der Großen Wallstraße in Görlitz und wartet auf Anrufe, checkt die E-Mails. Die Mitarbeiter sind längst in Kurzarbeit.

"Ja, wir haben Buchungen für die kommende Saison", sagt der Hotelier. Aber ob es dann tatsächlich zu den Übernachtungen kommen wird, das stehe auf einem ganz anderen Blatt. "Schauen Sie doch mal in eine Glaskugel", empfiehlt er. Im Moment ist es sehr ruhig im Hotel "Zum Hothertor". "Wir haben immer ein, zwei Gäste", schildert Gunnar Buchwald. Dabei handelt es sich um Geschäftsleute, die ja noch einchecken dürfen.

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Geschäftsjahr 2021 schon abgehakt

Die Hotellerie in Görlitz und wie es mit ihr weitergeht - ein weites Feld. Derzeit läuft wenig bis nichts. Am 24. April trat in Sachsen das geänderte Infektionsschutzgesetz des Bundes in Kraft. Der Bundestagsbeschluss führt damit die Corona-Notbremse ein: Die neuen Regeln gelten in allen Gebieten des Freistaates Sachsen, die eine 7-Tage-Inzidenz von über 100 Infektionen pro 100.000 Einwohnern an drei aufeinanderfolgenden Tagen aufweisen. Im Kreis Görlitz lag sie am Donnerstag bei reichlich 206. Touristische Übernachtungen sind damit ausgeschlossen.

Burkhard Kämmerer, Chef des Hotels Silesia an der Biesnitzer Straße nutzt die Gelegenheit, um im und am Haus zu renovieren. "Wir sind fast fertig", sagt er. Demnächst ist auch der Biergarten wieder neu hergerichtet. "Aber ehrlich gesagt: Dieses Jahr habe ich geschäftsmäßig schon abgehakt", so Burkhard Kämmerer. Er ist dabei, Buchungen, die kamen, wieder aus dem System zu nehmen. Ja, schildert der Hotelier, Geschäftskunden übernachten auch bei ihm. "Zum Beispiel Zugbegleiter, die dann am nächsten Tag wieder weiter müssen", sagt Burkhard Kämmerer.

Gaststättenverband kritisiert Politik

Er sieht erst im kommenden Jahr wieder einen Aufschwung in der Hotellerie, gerade auch in Görlitz. "Es kommt darauf an, dass die Bevölkerung durchgeimpft wird. Dann können wir vielleicht ab Ostern 2022 wieder ein normales Hotelgewerbe betreiben ", so seine Vorschau. Und: "Wir werden glücklich sein, ab April kommenden Jahres wieder mehr Gäste begrüßen zu können." Burkhard Kämmerer setzt auf den Görlitz-Tourismus. "Aber derzeit sind eben die Inzidenzzahlen ausschlaggebend", sagt er.

Die Renovierung in seinem Haus bezahlt Burkhard Kämmerer aus Rücklagen. Im Notfall, so sagte er der SZ, könne er das Gebäude auch zu einem Wohnhaus umbauen. Aber soweit ist es derzeit offensichtlich noch nicht.

Hotels in der Krise, das ruft auch die Dehoga auf den Plan, den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Sachsen. "Die Ergebnisse sind mehr als unzureichend. Es gibt kein signifikantes Infektionsgeschehen im Gastgewerbe", so kommentiert die Dehoga Sachsen die gerade beschlossene Corona-Schutzverordnung für den Freistaat. "Alle Gäste waren und sind zu jeder Zeit sicher in den sächsischen Betrieben der Branche aufgehoben", heißt es weiter. Die Verordnung tritt am 10. Mai in Kraft und gilt zu einschließlich 30. Mai 2021.

"Als Hotel haben wir eigentlich nie volle Auftragsbücher", sagt Oliver Bugglé, Inhaber des Best Western Hotel Via Regia in der Jauernicker Straße. In den vergangenen Jahren habe sich immer mehr der Trend zu spontanen Buchungen durchgesetzt. Natürlich, Corona setze dem Best Western zu. Oliver Bugglé bleibt trotzdem optimistisch. "Im Mai wird es wohl nichts mehr mit vielen Buchungen, aber vielleicht ab Juli, im August, September", hofft er.

Hoffen auf den Spätsommer und den Herbst

Wenn es denn die Politik erlaube, könnte das Hotel von heute auf morgen den Betrieb wieder hochfahren, so der Inhaber. Derzeit sind auch hier nur Geschäftsleute untergebracht - ganz nach den Hygienevorschriften. Das heißt: Die Gäste können aus unterschiedlichen Mahlzeiten auswählen, bekommen die dann an die Zimmertür geliefert. "Ein Frühstücksbuffet, wie es früher gab, geht derzeit nicht", so Oliver Bugglé.

Wochentags zwischen Montag und Freitag liege die Auslastung des Best Western derzeit bei 50 bis 60 Prozent. "Am Wochenende fehlen dann eben die Touristen, die Familien", sagt Oliver Bugglé. Er hoffe sehr, dass mit der Impfkampagne dann auch wieder Erleichterungen für die Hotellerie kommen.

Gunnar Buchwald bleibt trotz seines derzeit mehr oder weniger einsamen Arbeitsplatzes optimistisch. "Wenn ich das nicht wäre, könnte ich das Unternehmen aufgeben", sagt er. Ja, der vergangene Sommer sei mit den Öffnungen ein guter gewesen. "Aber ich habe schon geahnt: Das wird ein Strohfeuer. Im Herbst stiegen ja die Inzidenzzahlen auch wieder an", so Gunnar Buchwald.

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