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Görlitz lässt jetzt in Klingewalde blitzen

Im Norden der Stadt gibt es zwei Baustellen und einen Schleichweg mit Tempo 30. Nach Beschwerden von Anwohnern wird der nun kontrolliert.

Tempo 30 in Klingewalde: Weil hier gern die offizielle Umleitung umfahren wird, wird nun häufiger geblitzt.
Tempo 30 in Klingewalde: Weil hier gern die offizielle Umleitung umfahren wird, wird nun häufiger geblitzt. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Am Donnerstagmittag ist Klingewalde ein Idyll. Kaum ein Auto rollt durch den Ort, wenn, dann sind es vor allem Lieferdienste. Am Straßenrand wird Gras gemäht, hier gilt Tempo 30. Verkehrstechnisch alles in Ordnung in Klingewalde also? Der Mann mit dem Rasenmäher am Straßenrand winkt ab. "Ja, jetzt gegen Mittag ist alles in Ordnung", sagt er. Ganz anders sehe das vormittags oder nachmittags aus.

Klingewalde werde dann zu einer Art Rennstrecke. Tempo 30, das war einmal, bestätigen andere Anwohner. Grund für die Misere: Im Norden der Stadt gibt es jetzt gleich zwei Baustellen, die die An- beziehungsweise Abfahrt aus Görlitz erschweren. Autofahrer suchen sich Schleichwege, um nervige Umleitungen wiederum zu umgehen.

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Zwei Baustellen machen Pendlern das Leben schwer

Seit Ende Mai wird die Rothenburger Straße saniert. Die Arbeiten dauern voraussichtlich noch bis Mitte Dezember. Die Arbeiten an der Verbindungsstraße zwischen Görlitz und Ludwigsdorf, zwischen der Einmündung Schlesische Straße und Birkenallee, erfolgen unter Vollsperrung, offiziell umgeleitet wird über die Schlesische Straße, die Bundesstraßen 99 und 6, die 115. Am Ziegeleiweg wurde eine mobile Ampel errichtet und die Stadt bat anfangs darum, den gesamten Bereich weiträumig zu umfahren.

Allerdings: Inzwischen hat der Bund, in dem Fall über das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) eine weitere Baustelle aufgemacht: die B6 selbst. Zwischen Holtendorf und dem Autobahnanschluss wird die Fahrbahn erneuert. Diese Woche startete das Vorhaben mit einer halbseitigen Sperrung aus Richtung Norden zwischen Marktkauf-Einmündung und Einmündung Girbigsdorfer Straße. Kraftfahrzeuge in Richtung Löbau, Bautzen werden nun am Neißepark vorbei bis zur Kreuzung Klinikum und dann von der Girbigsdorfer Straße wieder auf die B 6 geleitet.

Zusammen mit der Sperrung der Rothenburger Straße als Aus- und Einfallstraße nach Görlitz ergibt sich so eine ungute Mischung, unter der unter anderem die Klingewalder offensichtlich zu leiden haben. Im Rathaus sind deswegen schon etliche Beschwerden eingegangen, die Stadt sieht sich gezwungen zu reagieren.

Anwohner beschweren sich im Rathaus

Bisher belief sich das allerdings auf das Aufstellen von Messtafeln, die Autofahrern die gerade erreichte Geschwindigkeit anzeigten. Sie wurden an unterschiedlichen Stellen aufgestellt, wechselten die Standorte. "In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass Autofahrer sehr gut auf diese Tafeln reagieren und ihr Geschwindigkeitsverhalten anpassen", so Stadtsprecherin Sylvia Otto.

Allerdings: Die Tafeln, die auch in anderen Ortschaften im Landkreis zu finden sind, zeigen einfach nur die Geschwindigkeit, geblitzt wird damit nicht. Nachdem sich nun aber Anfragen der Anwohner im Rathaus offensichtlich häufen, reagiert die Behörde und greift zu drastischeren Mitteln. "Die Kontrollen werden in diesem Bereich in Absprache mit der Polizei jetzt drastisch verstärkt", teilt das Rathaus mit. Das heißt: In Klingewalde wird nun häufiger geblitzt.

Für die Anwohner in Klingewalde sicher eine gute Nachricht, wird doch der Ort anstelle der offiziellen Umleitung gern als "Schleichweg" genutzt. Die Stadt pocht derweil auf die offizielle Umleitungsvariante. Die Erfahrung bei jeder größeren Umleitung zeige, dass die ersten Tage "sowohl für die Nutzer als auch für die betroffenen Anwohner sehr herausfordernd sind", teilt Sylvia Otto mit.

Stadt: Autofahrer sollen offizielle Umleitung nutzen

Das Rathaus strebe an, dass die Autofahrer "mehrheitlich" die offizielle Umleitung nutzen und nicht die Variante durch eine Tempo-30-Zone, also durch Klingewalde. Gründe für die Stadt: sehr schmale Straßenbreite, fehlende Bürgersteige, ständiger Gegenverkehr.

Lutz Jankus, AfD-Fraktionschef im Görlitzer Stadtrat, ruft die Klingewalder über Facebook derweil zu einer Demonstration auf der "Rennpiste" auf. Dazu solle der Oberbürgermeister und der Chef des Ordnungsamtes eingeladen werden. "Wo Tempo 30 ist, ist auch 30 zu fahren", so Lutz Jankus. Und: "Die Stadt muss reagieren, wenn Bürger Verstöße melden."

Die Stadt geht davon aus, dass sich im Laufe der ersten Wochen alle Verkehrsteilnehmer auf die neue Situation einstellen. Außerdem sollen die Messtafeln, die zwar Geschwindigkeiten messen aber nicht blitzen, weiter aufgestellt werden.

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