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Behutsamer Eingriff statt Kahlschlag

SZ-Redakteur Ingo Kramer kommentiert, warum die Fällungen an der Landeskrone unvermeidlich sind und wie es dort weitergeht.

SZ-Redakteur Ingo Kramer kommentiert das Baumfällen an der Landeskrone.
SZ-Redakteur Ingo Kramer kommentiert das Baumfällen an der Landeskrone. © André Schulze

Wer noch immer nicht an den Klimawandel glauben will, kann ihn sich an der Landeskrone ansehen. Mächtige alte Buchen, denen mehr als ein Jahrhundert lang nichts geschadet hat, sind einfach verdurstet. 2018 und 2019 waren unglaubliche Dürrejahre. So etwas haben die Buchen in ihrem gesamten Dasein noch nicht erlebt. Und nicht nur sie. Nach den Fichten erwischt es nun mehr und mehr Laubbäume, darunter auch Birken, Eschen und Ahornbäume.

Keine Chance zum Erhalt

Die Stadt hatte keine Chance, die Bäume zu erhalten. Zwei Jahre lang den Wald künstlich zu beregnen, ist keine wirkliche Option. Jetzt bleibt ihr nichts anderes übrig, als die toten Bäume nach und nach zu fällen, damit sie niemanden erschlagen. Dabei setzt die Kommune auf behutsame Eingriffe statt auf Kahlschlag. So manch ein Passant wird sich sicher wundern, warum die toten Stämme stehenbleiben, aber für Vögel, Fledermäuse und Insekten ist das ein wertvoller Lebensraum – und das noch für einige Jahre, bis die Stämme dann so morsch sind, dass sie von allein umzufallen drohen.

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Doch letztlich ist der behutsame Eingriff auch für Jogger und Spaziergänger erträglicher als ein Kahlschlag. Der Wald sieht dann immer noch so halbwegs wie ein Wald aus, es entstehen keine freien Flächen. Kleine Bäumchen, die längst im Wald vorhanden sind, bekommen nun genug Licht und somit die Chance, groß zu werden, den Platz der alten einzunehmen. Doch es wird viele Jahrzehnte dauern, bis sie deren Größe erreicht haben und der Wald wieder aussieht wie zuvor. Wenn das überhaupt möglich ist. 2018 und 2019 werden sicher nicht die letzten Dürrejahre gewesen sein. Gut möglich also, dass der Klimawandel die Rotbuchen gänzlich von der Landeskrone verdrängt.

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