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Warum ist die Kriminalität im Kreis Görlitz so hoch?

Kriminalitätsraten wie in der Großstadt: Trotz aller Fahndungserfolge gibt es viel Arbeit für die Polizei an der Neiße. Hier sind die Gründe dafür.

Kontrolle der Polizei im Grenzgebiet zu Polen, hier ein Fahndungseinsatz zur Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität.
Kontrolle der Polizei im Grenzgebiet zu Polen, hier ein Fahndungseinsatz zur Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität. © Polizei

Wie sicher lebt es sich im Landkreis Görlitz? Sicher, heißt es von der Polizeidirektion Görlitz in der jüngsten Auswertung der Zahlen des vergangenen Jahres. Die Zahl der registrierten Straftaten blieb im Vergleich zu 2019 in etwa unverändert. Gut, 46 Fälle gab es mehr, aber nach dem Anstieg 2014 auf über 41.000 sind die reichlich 33.000 ja doch ganz annehmbar. Aber was bedeuten diese Zahlen denn im sachsenweiten Vergleich?

Kreis Görlitz bewegt sich nahezu auf Großstadtniveau

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Nach den Städten Leipzig, Dresden und Chemnitz ist der Landkreis Görlitz in Sachsen die von Kriminalität am stärksten belastete Region. Das zeigt die Auswertung der Kriminalitätslage durch die Polizei. So kamen im vergangenen Jahr rein statistisch pro 100.000 Einwohner in Leipzig 11.578 Straftaten. In Dresden waren es 8.788, in Chemnitz 8.666. Der Kreis Görlitz verzeichnete 7.464 Fälle, der sachsenweite Durchschnitt liegt bei 6.694. In der Oberlausitz gibt es dabei ein großes Gefälle zwischen dem Kreis Bautzen und dem Kreis Görlitz. Denn im Kreis Bautzen wurden im vergangenen Jahr "nur" insgesamt 4.827 Straftaten pro 100.000 Einwohner rein rechnerisch registriert.

Doppelte Grenzlage ist Grund für hohe Kriminalitätszahlen

Der Kreis Görlitz "leidet" unter der doppelten Grenzlage. Die Städte und Gemeinden im grenznahen Bereich sind von Kriminalität besonders stark betroffen. Spitzenreiter im vergangenen Jahr war Kodersdorf mit 18.910 Fällen. Allerdings, so heißt es von der Polizeidirektion Görlitz, wird der Parkplatz an der Tankstelle durch Bundespolizei und Zoll für regelmäßige Kontrollen genutzt. Und wer dort bei einer Straftat ertappt wird, landet automatisch in der Datei Kodersdorf. Das Ergebnis führe zu einer Verzerrung des tatsächlichen Kriminalitätsaufkommens in Kodersdorf, so die Polizeidirektion.

Stadt Görlitz ist einer der negativen Spitzenreiter

Auch andere Kommunen außer dem Ausnahmefall Kodersdorf im grenznahen Raum gehören zu den negativen Spitzenreitern. Görlitz etwa belegt im Jahr 2020 Platz zwei mit 14.444 Straftaten, in Zittau wurden 9.774 registriert, in Weißwasser 9.606, in Bad Muskau 8.871. Etwas "entspannter" sieht es an der Grenze zu Tschechien aus, Seifhennersdorf beispielsweise kommt auf 7.158 Straftaten. Allesamt Zahlen, die über dem sachsenweiten Durchschnitt liegen.

Autoklau lässt im Kreis Görlitz die Zahlen steigen

Im vergangenen Jahr stehen 112 derartige Straftaten pro 100.000 Einwohner zu Buche. Das ist allerdings schon ein Rückgang. 2017 beispielsweise lag die Zahl noch bei 225, 2019 dann bei 126. Dennoch, in den Großstädten im Freistaat spielt dieses Delikt offensichtlich keine so große Rolle, wie im hiesigen Grenzgebiet. "Diebstahl von Kraftwagen einschließlich unbefugten Gebrauchs", wie es im Polizeideutsch heißt, die Zahl liegt 2020 in Dresden bei 32 Fällen pro 100.000 Einwohnern, in Leipzig bei 63. Die Aufklärungsquote dieser Fälle lag im Landkreis Görlitz bei 44 Prozent, in Dresden bei reichlich 52 und in Leipzig bei knapp 43 Prozent.

Diebstahl ist im Grenzgebiet das Problem Nummer eins

Besonders häufig wurden entlang der Außengrenze zu Tschechien und Polen Diebstähle begangen, bestätigt die sächsische Polizei. Insgesamt gibt es aber einen leichten Rückgang, von insgesamt 16.632 Straftaten im Jahr 2020 im Vergleich zu 16.996 Fällen im Jahr zuvor. Diebstahl im Grenzgebiet steht mit 36 Prozent ganz oben auf der Liste der Beamten. Es folgen Sachbeschädigungen mit 13 Prozent und Betrug sowie Körperverletzung mit jeweils neun Prozent. An der tschechischen Grenze Sachsens ging die Kriminalität im vergangenen Jahr demnach um zwei Prozent zurück. In den sieben Gemeinden an der polnischen Grenze sank sie sogar um drei Prozent. Sachsens Polizei sieht darin einen Erfolg der Sonderkommission Argus in Görlitz, dem Einsatz der Videoüberwachung und der guten Zusammenarbeit der Behörden mit den Nachbarländern.

Rauschgiftdelikte sind auf dem Vormarsch

Einen Anstieg verzeichnen die Beamten beim Thema Rauschgift. Das ist offenbar ein sachsenweiter Trend. Im Freistaat steigt die Zahl um knapp neun Prozent zum Vorjahr 2019. Im Fall Crystal waren die Zahlen seit 2014 zwar rückgängig, aber gingen dann doch um 15 Prozent wieder hoch. Bei Cannabisprodukten wie Marihuana oder Haschisch gab es einen leichten Anstieg um fünf Prozent. Dass gerade jetzt eine Zunahme der Fälle registriert wird, resultiere aus verstärkten Kontrollen der Polizei im Zusammenhang mit den Corona-Schutzmaßnahmen und Aufgriffen des Zolls am Leipziger Flughafen.

Im Kreis Görlitz wird mehr gekifft

Rauschgiftdelikte nehmen auch in der Oberlausitz zu. 2016 wurden noch 604 Fälle im Kreis Görlitz erfasst, 2019 bereits 816 und im vergangenen Jahr waren es 856. Immerhin, die Aufklärungsquote hat sich leicht gesteigert auf fast 97 Prozent. Die Zahl derjenigen, die mit Crystal im Landkreis erwischt wurden, blieb in den vergangenen Jahren relativ stabil. Sie lag 2016 bei 223 und 2020 bis 232. Dagegen stieg die Zahl der Cannabis-Fälle: von 287 im Jahr 2016 auf 502 im vergangenen Jahr.

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