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Dresdner baut Kunstwerk in Görlitz

Ein Stall in Ludwigsdorf verfiel immer mehr. Jetzt wird alles anders. Künftig gibt es hier Wasser, Musik und Skulpturen. Direkt am Neiße-Radweg.

Besitzer Markwart Faussner (r.) und Ortsvorsteher Karsten Günther-Töpert stehen auf der Baustelle des Demisch-Gutes in Ludwigsdorf.
Besitzer Markwart Faussner (r.) und Ortsvorsteher Karsten Günther-Töpert stehen auf der Baustelle des Demisch-Gutes in Ludwigsdorf. © Martin Schneider

Er, ein Spekulant? Das Wort sollte nicht immer nur negativ betrachtet werden, sagt Markwart Faussner: „Ich spekuliere auf eine bessere Zukunft.“ Das sei doch nicht schlecht. Der 57-Jährige ist ursprünglich Münchner, lebt aber seit 1990 in Dresden – und hat mit der Zeit 178 Grundstücke zusammengekauft, quer verteilt über die neuen Bundesländer: „So hab ich die alle mal kennengelernt.“

Markwart Faussner stammt aus München, lebt in Dresden und kümmert sich jetzt um den früheren Kuhstall in Ludwigsdorf, der ihm seit über 20 Jahren gehört.
Markwart Faussner stammt aus München, lebt in Dresden und kümmert sich jetzt um den früheren Kuhstall in Ludwigsdorf, der ihm seit über 20 Jahren gehört. © Martin Schneider

In Niesky gehören ihm „schöne Sachen“, wie er berichtet. Und im Görlitzer Ortsteil Ludwigsdorf hat er vor über 20 Jahren den alten Kuhstall des Demisch-Gutes erworben, direkt gegenüber vom Lebenshof an der Neißetalstraße. Oder, ganz korrekt: Die Markwart Faussner Haus- und Grundstücks GmbH ist Eigentümerin. Bei einer Auktion in Berlin sei das Anwesen damals sehr preiswert angeboten worden. Faussner fuhr nicht los, um es sich anzusehen. Stattdessen kaufte er es einfach so. „Wenn etwas so viel kostet wie ein gebrauchter VW Golf, dann kann man da wenig falsch machen“, sagt er.

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Allerdings habe er viel zu tun gehabt und keine gute Idee für den Kuhstall samt Grundstück. Also fiel der erst einmal in einen langen Dornröschenschlaf und anschließend in sich zusammen. Einzig der hintere Teil ist in einem besseren Zustand. Den nutzt jemand seit Jahren als Lager – und wird es auch weiterhin tun. Der Rest des Grundstücks aber war dem Ortschaftsrat spätestens seit dem Einsturz 2016 ein Dorn im Auge. Zum einen, weil es ein Schandfleck im Dorf und direkt am Oder-Neiße-Radweg war, zum anderen, weil Kinder in der Ruine spielen und von Gebäudeteilen erschlagen werden könnten. Mario Conrad schlug 2017 vor, die Stadt sollte die Eigentümer per Brief über Fördermöglichkeiten für Abriss und Entsorgung oder den Umbau des Gebäudes informieren.

Ortsvorsteher klemmte sich dahinter

Auch Ortsvorsteher Karsten Günther-Töpert klemmte sich persönlich hinter das Thema. Ihm gelang es irgendwann, rauszukriegen, wer der Eigentümer ist. „Ich habe dann mit ihm gesprochen, aber auch mit der Stadtverwaltung“, sagt Günther-Töpert: „Ich habe bei der Stadt erfragt, was möglich ist.“ Am Ende konnte er den Eigentümer tatsächlich zum Handeln bewegen – vor allem mit der Aussicht auf Fördermittel. Der Abriss kostet 80.000 Euro, die Hälfte davon kommt aus dem Ile-Programm, das zur Entwicklung des ländlichen Raums aufgelegt wurde.

„Es ist das erste Mal überhaupt, dass ich eine öffentliche Förderung in Anspruch nehme“, sagt Faussner: „Aber hier war es der entscheidende Anlass.“ Ohne Günther-Töpert wäre nichts passiert, sagt er: „Ich habe mich von ihm willig stoßen lassen.“

Das ist vom alten Kuhstall übrig. Durch die früheren Futter-Rinnen soll künftig Wasser fließen.
Das ist vom alten Kuhstall übrig. Durch die früheren Futter-Rinnen soll künftig Wasser fließen. © Martin Schneider

Er plant ein Kunstprojekt, das ein bisschen an Künstler wie Gaudí und Hundertwasser erinnern soll. Die Bodenplatte des etwa 90 mal zehn Meter großen Kuhstalls bleibt erhalten, auch die langen Futter-Rinnen. „Durch die soll Wasser fließen“, sagt Faussner: „Es wird aus drei Bassins auf dem Dach des Restgebäudes kommen, herunterplätschern und dann wieder hochgepumpt werden.“ Dem Wasser will er Pigmente in unterschiedlichen Farben zuführen: „So bilden sich überall bunte Ablagerungen.“ Die Säulen sollen mit LED-Licht stimmungsvoll angestrahlt werden, Musik für ein dauerhaftes Grundrauschen sorgen – aber so leise, dass die Anwohner auf ihren Grundstücken nichts davon hören.

Die Mauerwerksreste bleiben erhalten, sie werden mit einer Betonschlämme überzogen. Kräuterinseln soll es geben, Moose, gemauerte Bänke, Skulpturen und vieles mehr. Das Ganze soll nicht irgendwann fertig sein und feierlich eröffnet werden, sondern immer weiter wachsen. Im Dezember liefen Abriss und Sicherung, manches wurde auch schon mit Beton überzogen. „Nach einer Winterpause fangen wir im Frühling an, kreativ zu werkeln“, sagt Faussner.

Für Ludwigsdorfer und Fahrradtouristen

Schon im Sommer soll es nutzbar sein – von Ludwigsdorfern genauso wie von rastenden Fahrradtouristen. Kinder können hier spielen, Jugendliche Skateboard fahren. Vor Vandalismus hat der Besitzer keine Angst: „Deshalb kann man den Kopf nicht in den Sand stecken, das werden wir in den Griff kriegen.“ Was besprüht wird, lasse sich auch wieder reinigen. Das Wasser soll aus einem Brunnen kommen, Pumpe und Licht möglichst solarbetrieben sein, sodass das Ganze autark funktioniert. Und dann soll es peu á peu wachsen. Jeder kann Ideen einbringen, Künstler eventuell auch Skulpturen. „Wer mitmachen will, kann sich bei mir melden“, sagt Faussner, der Handwerker und Künstler auch bezahlen will.

Und was kostet ihn das Ganze? „Ich kalkuliere nie durch, sonst würde ich es nicht machen“, sagt er: „Ich baue auch Schulen in Afrika und bin Mitbegründer der Babyklappe in Dresden.“ Erfolg solle man nicht immer nur am Materiellen bemessen. Klar, er hätte auch Doppelhaushälften bauen können, das wäre lukrativer gewesen. „So eine verrückte Kiste würde niemand machen, so etwas macht man einfach nicht“, sagt Faussner. Er sei Mutmacher und bereit, auch mal komische Dinge zu denken.

Besitzer ist Jurist und Kunsthistoriker

Ursprünglich ist er Jurist, aber das wollte er nicht sein ganzes Leben lang sein. Also studierte er als Zweites in Innsbruck Kunstgeschichte. „Das war dort sehr mit dem Denkmalschutz verwoben“, sagt er. Er war oft auf Baustellen, auch schon bei Renovierungen. Nach Dresden kam er 1990 , weil sein Spezialgebiet spätgotische Figuren sind. Aber Kunsthistoriker sei ein brotloser Job. Stattdessen verdient er sein Geld als Vermieter: „Ich verwalte einen Immobilienbestand in Dresden.“ Nebenbei ist er Kunstsammler, sehr intensiv sogar: „Das soll mal in einer Stiftung enden.“

Den Umgang mit Künstlern mag er: „Das sind alles sehr individuelle Menschen.“ Das erklärt auch sein Projekt in Ludwigsdorf. Er wünscht sich, dass es vor Ort angenommen wird. Aber er ist da guter Dinge: „Die Leute ringsum sind offen und neugierig, dass sich da jetzt etwas tut und dann noch so etwas Komisches.“ Es brauche immer ein bisschen Zeit, bis so etwas Teil eines Ortes wird: „Es wächst dann zu den Menschen.“ Immerhin habe der Lebenshof schon seine Bereitschaft für die spätere Hege und Pflege erklärt. Und Karsten Günther-Töpert hat es im Ortschaftsrat vorgestellt und Zustimmung geerntet.

Kontakt: [email protected]

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