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Görlitzer Montagsdemo mit Gegenwind

Eine Rechtsrapperin hatte am Montag für eine Gegendemo der Linken und ein massives Polizeiaufgebot gesorgt.

Spaziergang der Gegner der Corona-Maßnahmen auf der Jakobstraße.
Spaziergang der Gegner der Corona-Maßnahmen auf der Jakobstraße. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Vielleicht war es ja der angekündigte Auftritt der Rechtsrapperin Ramona Naggert, auch bekannt als Runa, der etwa 200 Gegner der Corona-Maßnahmen am Montag auf den Postplatz zog. Und, laut Polizei, etwa 70 Gegendemonstranten, Linke, SPD, Grüne Jugend auf der anderen Seite des Areals. Dazwischen und rund um den Platz hatte sich die Polizei positioniert.

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Gegendemonstranten, mit diesem Phänomen hatte der Organisator der Montagsdemo Frank Liske offensichtlich so seine Probleme. Vor allem auch, weil dafür das Polizeiaufgebot im Vergleich zu früheren Demonstrationen massiv aufgestockt worden war. "Daran sind Sie schuld, Herr Orgus", rief Frank Liske ins Mikrofon vor der Post, begleitet vom Beifall seiner Anhänger. "Herr Orgus", dass ist Falk Werner Orgus, Leiter des Ordnungsamtes des Landkreises. Er war selbst vor Ort am Montagabend.

Mirko Schultze, Abgeordneter im Sächsischen Landtag für die Partei Die Linke eröffnet die Kundgebung vor dem Gericht am Postplatz.
Mirko Schultze, Abgeordneter im Sächsischen Landtag für die Partei Die Linke eröffnet die Kundgebung vor dem Gericht am Postplatz. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Am Dienstagvormittag verteidigt er gegenüber der SZ, dass es eine Erlaubnis für die Gegendemo gab. "Man kann nicht einerseits rufen, dass eine Diktatur herrscht und andererseits mit genau solchen Mitteln eine Gegendemonstration verhindern wollen", sagt er. Es habe im Vorfeld eine Gefahrenanalyse mit der Polizei gegeben. "Sie hatte ergeben, dass keine Gewalt zu erwarten ist", sagt Falk Werner Orgus. Zudem seien beide Versammlungen ja entsprechend positioniert gewesen. "Es war eine ganz normale Ausübung des Versammlungsrechts", so Falk Werner Orgus.

Der "Überraschungsgast" des Abends, Rapperin Runa, trat dann tatsächlich vor der Post auf, nachdem der obligatorische Spaziergang über Berliner Straße, Bahnhof- und Jakobstraße bis zum Untermarkt und zurück zur Post absolviert worden war. Nach einer Ansprache - "wir kämpfen weiter für Deutschland, egal was die Systemmedien wie die Sächsische berichten" - sang Runa noch ein Lied, dann war schon wieder Schluss, aber sie warb um Spenden für sich. Runa (27) trat mit ihrem Ehemann Kai "Prototyp" Naggert und André "Primus" Laaf (22) unter dem Label "Neuer Deutscher Standard" auf, unter anderem bei Wahlkampfveranstaltungen der AfD.

Die Musikerin Runa hält eine Ansprache bei der Kundgebung der Gegner der Corona-Maßnahmen auf dem Postplatz. Sie sang ein Lied, neben ihr Frank Liske, Organisator.
Die Musikerin Runa hält eine Ansprache bei der Kundgebung der Gegner der Corona-Maßnahmen auf dem Postplatz. Sie sang ein Lied, neben ihr Frank Liske, Organisator. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Inhaltlich bot die Demo der Gegner der Corona-Maßnahmen wenig Neues. Man sei gegen Links- und Rechtsextremismus, es gab viel Medienschelte, vor allem eben gegen die SZ, gegen Impfungen.

Auf der anderen Seite des Postplatzes hatte die Linke ebenfalls einen Rapper im Aufgebot, David Teschner genannt Flaiz (29) aus Görlitz. Er machte seiner "Kollegin" Runa klar, was er davon hält, dass sie ebenfalls rappt. Schließlich handele es sich um Musik mit afroamerikanischen Wurzeln. "Es tut mir von Herzen leid, wenn dieser Stil so missbraucht wird", sagt er mit Blick auf Runa. Zu einem Rap-Battle kam es allerdings nicht, denn Runa trat erst ganz am Ende der Veranstaltung vor der Post auf. Von der Gegenseite drangen derweil "Nazis raus"-Rufe, Regenbogenfahnen wurden geschwenkt.

Nach Angaben der Polizeidirektion Görlitz blieb es weitgehend friedlich an diesem Abend, mit Ausnahmen. "Gegen 19.20 Uhr versuchten sechs Personen den Aufzug durch eine Sitzblockade auf der Fahrbahn der Steinstraße zu stoppen. Die Einsatzkräfte verhinderten ein Zusammentreffen der Personengruppen und leiteten den Aufzug an der Blockade vorbei", so Anja Leuschner, Sprecherin der Polizeidirektion Görlitz.

Und: Auf der Brüderstraße warf ein Unbekannter offenbar einen Plastikeimer voll Wasser in Richtung des Aufzuges. "Es kam zu keinen Schädigungen und Verletzungen von Personen oder Sachen. Ein Tatverdächtiger konnte nicht festgestellt werden", so Anja Leuschner. Beide Aktionen zielten darauf ab, den Spaziergang der Gegner der Corona-Maßnahmen zu stören.

Polizisten des Görlitzer Reviers, des Einsatzzuges und der Bereitschaftspolizei waren vor Ort. Wie viele genau, lässt die Polizei offen.

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