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Hier entstehen neue Jobs

Die Brandschutztechnik Görlitz geht in das neue Gewerbegebiet in Schlauroth, zwei weitere auch. Aber die Stadt muss vorher Millionen investieren.

Bernd Mühle, Sachbearbeiter Brücken- und Ingenieurbau bei der Stadt Görlitz, steht vor dem neuen Regenwasserrückhaltebecken.
Bernd Mühle, Sachbearbeiter Brücken- und Ingenieurbau bei der Stadt Görlitz, steht vor dem neuen Regenwasserrückhaltebecken. © Martin Schneider

Schnee, so weit das Auge reicht. Aber darunter ist nichts mehr so, wie es jahrzehntelang war. Das verfallene ehemalige Schlaurother Bahngelände ist zum Großteil beräumt, denn es wird zum neuen Görlitzer Gewerbegebiet. Es ist eine schmale, langgezogene Fläche zwischen der Stadtgrabensiedlung in Rauschwalde und dem Ortsteil Schlauroth. Sie misst knapp 20 Hektar. Das entspricht 28 Fußballfeldern.

Die Borde stehen. So sind die Straßen durch das neue Gewerbegebiet nun schon gut erkennbar.
Die Borde stehen. So sind die Straßen durch das neue Gewerbegebiet nun schon gut erkennbar. © Martin Schneider

„Bei der Erschließung gehen wir in drei Bauabschnitten vor“, erklärt Bernd Mühle, Sachbearbeiter Brücken- und Ingenieurbau bei der Stadt Görlitz. Der erste Abschnitt, der hauptsächlich das Schlaurother Ende des Gebiets umfasst, hat mit ein paar Baumfällarbeiten im Dezember 2019 begonnen, mit allem anderen aber erst im Frühling 2020. Seither ist viel passiert, ein 140 Meter langes Regenwasserrückhaltebecken ist entstanden, die Hauptzufahrt für das Gewerbegebiet angelegt, die Straßen innerhalb des Gebietes begonnen. Wo die Borde stehen, sind die Straßen erkennbar.

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Derzeit ruht der Bau. „Aber falls das Wetter mitspielt, soll es schon Anfang Februar weitergehen“, sagt Mühle. Bis zum Ende des ersten Bauabschnittes im April soll der Straßenbau in diesem Abschnitt erledigt sein – inklusive Beleuchtung und Medienverlegung. Also im Grunde so weit, dass sich dann Firmen ansiedeln können. „Nur die Medienerschließung für die Grundstücke fehlt dann noch“, sagt Mühle. Die Stadt legt Rohre und Kabel in Straßen und Gehwege, den Rest machen die späteren Käufer so, wie sie es jeweils brauchen.

Stadt hofft auf 90 Prozent Förderung

Ähnlich wird das auch im zweiten Bauabschnitt laufen, der voraussichtlich Mitte des Jahres beginnen und bis Weihnachten abgeschlossen werden soll. Der dritte und letzte Bauabschnitt folgt dann bis Ende 2022. Diese Termine sind noch nicht ganz sicher, aber Mühle hofft, dass es so kommt. Alle drei Abschnitte zusammen kosten rund neun Millionen Euro. Die Stadt hofft auf jeweils 90 Prozent Förderung vom Freistaat Sachsen über das Programm GRW Infra. „Die restlichen zehn Prozent sind städtische Eigenmittel, die sind für alle Bauabschnitte gesichert“, sagt Mühle.

Die ersten Firmen für das neue Gewerbegebiet stehen auch schon fest. Die Brandschutztechnik Görlitz GmbH kauft etwa 2,6 Hektar. Weitere 4,4 Hektar sind durch den Tüv Süd belegt, der schon seit vielen Jahren hier tätig ist. Daneben gibt es nach Auskunft von Mühle einen Interessenten für etwa zwei Hektar und einen Interessenten für rund 6,5 Hektar. Beide sind schon in Görlitz ansässige, lokale Firmen, die wachsen wollen, sagt Andrea Behr von der Europastadt GmbH. Laut Mühle liegen von beiden Firmen Interessenbekundungen vor, die jeweiligen Grundstücke zu erwerben. Unterschrieben sei aber noch nichts, deshalb hält die Stadt beide Namen noch geheim. „Damit wären fast 80 Prozent der knapp 20 Hektar belegt“, sagt Mühle.

Die Brandschutztechnik Görlitz GmbH bezieht sowohl die Halle (links) als auch die Häuser rechts.
Die Brandschutztechnik Görlitz GmbH bezieht sowohl die Halle (links) als auch die Häuser rechts. © Martin Schneider

Abgesehen vom Tüv ist die Brandschutztechnik schon am weitesten. „Ich hoffe auf einen Notarvertrag Ende Februar“, sagt Geschäftsführer Andreas Neu. Seine Firma kauft eine alte, 1.700 Quadratmeter große Halle und mehrere denkmalgeschützte Altbauten, die sich als Bürogebäude oder dergleichen nutzen lassen. Die Halle sei in einem guten Zustand, sagt Neu. Türen und Fenster müssen zwar getauscht werden, aber das Dach sei dicht. Er will nach dem Grundstückskauf so schnell wie möglich mit der Herrichtung der Gebäude beginnen – und noch in diesem Jahr die Produktion in der Halle aufnehmen.

Er plant jetzt aber keinen Komplettumzug vom bisherigen Standort an der Dr.-Kahlbaum-Allee nach Schlauroth. „Das steht irgendwann zur Debatte, vielleicht in acht bis zehn Jahren“, sagt Neu. Aktuell aber sei das Hauptproblem, dass der innerstädtische Standort, an dem 70 Mitarbeiter arbeiten, so beengt ist, dass er aus allen Nähten platzt. Um mehr Platz zu haben, soll erst einmal ein Teil der Produktion umziehen – und der Rest vielleicht später, aber nach und nach in mehreren Abschnitten.

Grundstücke für zwölf Euro je Quadratmeter

Wie schnell die anderen Firmen loslegen, ist noch nicht klar. Zunächst müssten sie die Flächen kaufen. Die Stadt bietet sie auf ihrer Internetseite für rund zwölf Euro je Quadratmeter an. Das entspricht dem durch einen Gutachter ermittelten Verkehrswert. Sollte der Verkauf schnell über die Bühne gehen, schließt Mühle nicht aus, dass diese Firmen auch noch dieses Jahr mit dem Bau ihrer Gebäude beginnen könnten: „Das wäre durchaus realistisch.“

Die Stadt kümmert sich derweil um die weitere Erschließung. Um den Anwohnern der Stadtgrabensiedlung entgegenzukommen, hat sie von Juni bis November einen Damm errichtet, der die Siedlung vor Lärm schützen soll. Die Straße entlang der Häuser wird im zweiten Bauabschnitt auch noch mit ausgebaut – allerdings nicht als reguläre Zufahrt zum Gewerbegebiet.

Dieser Lärmschutzwall soll die Anwohner der Stadtgrabensiedlung schützen.
Dieser Lärmschutzwall soll die Anwohner der Stadtgrabensiedlung schützen. © Martin Schneider

„Die Zufahrt erfolgt aus der anderen Richtung“, stellt Mühle klar. Von der Stadtgrabensiedlung aus ist nur eine Notzufahrt geplant, die im Normalfall mit Pollern versperrt sein wird. Der Damm wird später mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt. Am anderen Ende des Gewerbegebietes wird noch eine zweite, große Fläche bepflanzt. „Beides sind Ausgleichsmaßnahmen für den Naturschutz“, erläutert Mühle. Zudem soll noch ein Radweg parallel zum Gewerbegebiet gebaut werden – ungefähr da, wo jahrzehntelang ein Feldweg war. Zumindest dieser Weg kehrt also quasi zurück.

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