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Görlitz: Kosten für neues Landratsamt explodieren

Grund sind die Baupreise. Landrat Bernd Lange setzt nun auf mehr Fördermittel und Einsparungen.

Die Baustelle im Innenhof des Landratsamtes in Görlitz. Aktuell werden die Altbauten saniert, hier ein Blick zur Berliner Straße.
Die Baustelle im Innenhof des Landratsamtes in Görlitz. Aktuell werden die Altbauten saniert, hier ein Blick zur Berliner Straße. © Martin Schneider

Überraschend kam die Überraschung eigentlich dann doch nicht. "Wenn Altbauten saniert werden, muss man immer mit etwas Außergewöhnlichem rechnen", sagt Christine Edmaier. Erst vergangene Woche wurde die Berliner Architektin mit einem besonderen Fund in Görlitz konfrontiert. Unter einer Deckenverschalung auf der Berliner Straße 42 kam eine weitere Decke zum Vorschein. Und die ist bemalt.

Eigentlich ein schöner Fund. "Aber genau an dieser Stelle soll auch ein öffentlicher Durchgang entstehen, zur Salomonstraße 10", schildert Christine Edmaier. Was nun aus der bemalten Decke wird, was der Denkmalschutz sagt - sie weiß es noch nicht. So oder so: Der Neubau des Landratsamtes in Görlitz, schätzt sie ein, wird wohl noch andere Überraschungen bereithalten.

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Christine Edmaier gehört zum Büro S.E.K Architektinnen aus der Bundeshauptstadt, das federführend für den Aus- und Neubau des Verwaltungscampus zwischen Berliner Straße, Salomonstraße und Bahnhofstraße in Görlitz ist. Bis Ende 2023, hofft sie, wird der erste Bauabschnitt fertig. Das bedeutet: Sanierung der bestehenden Altbauten. Insgesamt betrifft das neun Häuser auf der Berliner und der Salomonstraße.

Christine Edmaier, gehört zum S.E.K. Architekturbüro aus Berlin, hier spricht sie bei einer Pressekonferenz zum Landratsamt-Neubau in Görlitz.
Christine Edmaier, gehört zum S.E.K. Architekturbüro aus Berlin, hier spricht sie bei einer Pressekonferenz zum Landratsamt-Neubau in Görlitz. © Martin Schneider

Die Herausforderungen auf baulicher Seite sind groß. Schließlich sollen aus mehreren Einzelhäusern zusammenhängende Bürogebäude werden. "Aber es sollen auch keine langweiligen Verwaltungsgebäude werden. Der Altbaucharakter bleibt erhalten", sagt Christine Edmaier. Unterschiedliche Geschosshöhen müssen überwunden werden, etwa mit Rampen, Fahrstühlen - ein Problem.

"Am besten erhalten ist das Haus Berliner Straße 40", sagt Christine Edmaier. Es werde noch dieses Jahr ein neues Dach bekommen. Generell gelte aber: "Die Gebäudesubstanz wird nicht besser, wenn sie ungeschützt dasteht." Deshalb drückt die Architektin auf Tempo bei der Sanierung.

Bauleiter Kai Rimbach von der Firma AIP (links) und Polier Frank Baumgarten von der Firma HFS Ebersbach-Neugersdorf auf der Baustelle des neuen Landratsamtes in Görlitz: Derzeit läuft hier die Stabilisierung der alten Bausubstanz.
Bauleiter Kai Rimbach von der Firma AIP (links) und Polier Frank Baumgarten von der Firma HFS Ebersbach-Neugersdorf auf der Baustelle des neuen Landratsamtes in Görlitz: Derzeit läuft hier die Stabilisierung der alten Bausubstanz. © André Schulze

Dabei sind die baulichen Herausforderungen nur eine Seite der Medaille. Die finanziellen und wahrscheinlich schwerwiegenderen die andere. Denn wie sich bei den jüngsten Ausschreibungen des Landratsamtes für Hochbauarbeiten zeigte, klaffen zwischen den Kostenberechnungen der Behörde und den Angeboten der Baufirmen Welten. "Unter anderem Zimmererarbeiten werden wesentlich teurer", sagt Torsten Steinert, Leiter des Amtes für Hoch- und Tiefbau im Landratsamt. Es sei schwierig, sowohl an Firmen als auch an das benötigte Material zu kommen. Ein Phänomen nur auf die Region bezogen ist das freilich nicht, sondern ein generelles.

Wie also umgehen mit der Preissteigerung bereits im ersten Bauabschnitt des Landratsamtbaus? Finanzielle Abstriche bei der Sanierung der Altbauten sind kaum möglich. Landrat Bernd Lange sieht nun zwei Möglichkeiten. "Zum einen werden wir versuchen, mehr Fördermittel zu bekommen", sagt er. Derzeit sei der Kreis deshalb bereits gemeinsam mit der Stadt Görlitz unterwegs. "Wir sind in dieser Hinsicht guter Hoffnung", so Bernd Lange. Görlitz beteiligt sich über Gelder der Städtebausanierung sowieso schon am Ausbau der Altbauten - aus eigenem Interesse. Denn die Stadt erhofft sich dadurch vor allem eine Belebung der oberen Berliner Straße.

Keine Einsparungen bei Altbau-Sanierung

Hier unterschreiben Landrat Bernd Lange und der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu den Vertrag zur Zusammenarbeit bei der Erweiterung des Landratsamtes.
Hier unterschreiben Landrat Bernd Lange und der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu den Vertrag zur Zusammenarbeit bei der Erweiterung des Landratsamtes. © André Schulze

Eine weitere Variante sieht Landrat Bernd Lange an Einsparungen. Da die bei der Altbausanierung nicht möglich sind, bleiben wohl nur Abstriche bei den geplanten neuen Gebäuden. In die sollen in Görlitz unter anderem die Kfz-Zulassung mitsamt dem Bürgerservice und das Rechenzentrum des Landratsamtes ziehen. Für Anfang 2022 wird der Zuwendungsbescheid über entsprechende Mittel erwartet. "Aber bis dahin sind noch viele Gespräche nötig", sagt Beigeordneter Thomas Gampe.

Da der Beschluss über den Neubau des Verwaltungscampus bei den Kreisräten umstritten war, hatte die Kreisverwaltung einen Kostendeckel zur Abstimmung gebracht. Mehr als zehn Millionen Euro wird der Kreis nicht ausgeben. Mit diesem Kompromiss wurde der Beschluss gefasst. Landrat Bernd Lange hält an dem Deckel fest. "Es wird keine neue Vorlage geben, in der wir die Kreisräte um mehr Geld bitten", verspricht er.

Wie das angesichts der steigenden Baukosten und unklaren Einsparmöglichkeiten hinzubiegen sein wird, bleibt derzeit noch offen. Mit einer Preissteigerung von acht, neun Prozent bei der Sanierung der Altbauten habe man rechnen können, sagt Bernd Lange. Wenn es über die zehn Prozent geht, werde es schwierig.

Kostensteigerung über zehn Prozent nicht machbar

Amtsleiter Torsten Steinert sieht derweil sogar die zehn Prozent noch als "positiv gedacht" an.

Landrat Bernd Lange verteidigt trotz allem das gesamte Vorhaben. Die Zentralisierung von Fachämtern in Görlitz sei die Voraussetzung für eine zukunftsfähige Verwaltung, sagt er. Mit dem Kernstandort digital vernetzte Bürgerbüros in Löbau, Weißwasser, Zittau und Görlitz sollen den Einwohnern zusätzliche Wege erspart werden. Das Bürgerbüro in Löbau arbeitet bereits, Weißwasser soll kommendes Jahr folgen, dann Zittau und Niesky.

Im besten Fall wird der neue Verwaltungscampus in Görlitz 2025 eröffnet. 750 Mitarbeiter aus bisherigen Außenstellen des Landratsamtes sollen hier Platz finden. Daneben, so Thomas Gampe, werde der Bereich Homeoffice ausgebaut. Schon heute nutzen 180 Mitarbeiter diese Möglichkeit. Um die 50 Millionen Euro soll das neue Landratsamt nach derzeitigen Schätzungen kosten, mit einer geplanten Tiefgarage für Mitarbeiter und Besucher, also eigentlich nicht öffentlich, sind es 60 Millionen.

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