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Gibt es bald wieder Top-Basketball an der Neiße?

Das größte polnische Energie-Unternehmen steigt wieder bei Turow Zgorzelec ein. Einst spielten sie im Europa-Cup - und zogen viele Görlitzer Fans an.

Da war alles noch in Ordnung: das erste Basketballspiel in der neuen Halle in Zgorzelec im Jahr 2014.
Da war alles noch in Ordnung: das erste Basketballspiel in der neuen Halle in Zgorzelec im Jahr 2014. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Das Energieunternehmen PGE hat zur Förderung des Basketballsports in Zgorzelec jetzt einen Scheck in Höhe von 600 000 Zloty, etwa 150 000 Euro, übergeben. Wie das Internetportal der Gazeta Regionalna meldete, sollen damit vor allem die etwa 100 Kinder und Jugendlichen in den Nachwuchsbereichen gefördert werden.

Ziel müsse es sein, an die Traditionen des professionellen Basketballsports des heimischen Klubs Turow Zgorzelec wieder anzuknüpfen, der hier eine feste Heimstatt habe, sagte der PGE-Vorstandsvorsitzende Wojciech Dabrowski bei der Unterzeichnung des Sponsorenvertrags.

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So schick strahlt die Basketball-Halle in Zgorzelec.
So schick strahlt die Basketball-Halle in Zgorzelec. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Neue Halle für zehn Millionen Euro

Basketball hat in Zgorzelec eine große Tradition. 2014 wurde der Verein PGE Turow Zgorzelec polnischer Meister, eine neue Halle wurde gebaut. Knapp anderthalb Jahre dauerte das Vorhaben an der Lubanska-Straße. Rund zehn Millionen Euro kostete der Bau. 4,7 Millionen Euro gab das polnische Sportministerium aus einem Sonderprogramm, drei Millionen der PGE Turow. Den "Rest" übernahm die Stadt Zgorzelec. 3.500 Zuschauer finden in der Halle Platz, bei Veranstaltungen wie Konzerten sind es sogar 4.500 Zuschauer. In die alte Halle an der Maratonska-Straße passten gerade einmal 1.500 Gäste.

In der Halle wurde Top-Profisport geboten. Zahlreiche Fans aus Görlitz zog es über die Neiße.
In der Halle wurde Top-Profisport geboten. Zahlreiche Fans aus Görlitz zog es über die Neiße. © - keine Angabe im huGO-Archivsys

Bis zu 30 Prozent Fans aus Deutschland

Gleich das erste Spiel im November 2014 wurde ein großer Erfolg. PGE Turow gewann gegen Lublin. Ein Jahr später spielte die Mannschaft im Europa-Cup. Auf der anderen Seite der Neiße sprach sich schnell herum, dass in Zgorzelec Spitzensport geboten wird. Zwischenzeitlich kamen bis zu 30 Prozent deutscher Zuschauer zu den Spielen, darunter natürlich viele Görlitzer. Manche wurden Stammgäste. Der Hallensprecher begrüßte die Zuschauer aus dem Nachbarland auf Deutsch.

In der Folge werden in der der Arena nicht nur Begegnungen der ersten polnischen Basketballliga ausgetragen, sondern es haben auch andere Großereignisse stattgefunden, wie etwa ein Konzert der in Polen bekannten Rockband Budka Suflera oder eine Kickbox-Gala.

Ein Blick in die Halle am Tag des Eröffnungsspiel: Turow siegte.
Ein Blick in die Halle am Tag des Eröffnungsspiel: Turow siegte. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Bereits 2015 deuteten sich jedoch finanzielle Schwierigkeiten des Vereins an. Die Stadt baut die Halle, der Basketballklub PGE Turow Zgorzelec, für den sie als Spielstätte dienen sollte, würde die Arena für 20 Jahre pachten und betreiben. Doch der Pachtvertrag war fünf Monate nach der Eröffnungszeremonie noch immer nicht unterschrieben. Für die Kosten für den Hallenbetrieb kam die Stadt Zgorzelec auf: 14.700 Euro monatlich.

Überraschendes Aus vor zwei Jahren

2018 kam dann das mehr oder weniger überraschende Aus. Der Verein war pleite. Mitte August 2018 wurde beim Handelsgericht in Hirschberg Insolvenz beantragt. 88 Gläubiger machten ihre Forderungen geltend, darunter die Stadt Zgorzelec für den Eigenanteil der 2014 gebauten Halle, zudem zahlreiche ehemalige Spieler, Trainer, Wohnungsvermieter, Vereinsangestellte, Transportdienstleister und Versicherungen. Der Schuldenberg des Vereins war bis auf umgerechnet 1,8 Millionen Euro angewachsen.

Der Präsident äußerte zudem Kritik an ehemaligen Spielern und Trainern und warf ihnen unloyales Verhalten gegenüber dem Verein vor. Weiterhin bezichtigte er frühere Vereinsvorstände, Verträge unterzeichnet zu haben, die nicht tragbar waren. Beispiel ist der Vertrag zum Neubau der Halle. Hier musste der Verein, neben dem hohen Eigenanteil an der Halle, auch noch jährlich Miete an die Stadt zahlen. Die zuständige Staatsanwaltschaft reichte Klage wegen vorsätzlicher Insolvenzverschleppung ein.

Nach Expertenmeinung werde es mindestens vier bis fünf Jahre dauern, bis der momentan von fünf Trainern betreute Spielernachwuchs in dieser Mannschaftssportart wieder professionell auf sich aufmerksam machen könnte. ( mit kpl)

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