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Frontfrau fürs Digitale

An der Rothenburger Polizeihochschule soll die Daten-Revolution endlich in Gang kommen. Doch dazu ist ein echter Kraftakt nötig.

Dr. Manja Hussner ist als Leiterin des Rektoratsbüros künftig auch für die Digitalisierung der Polizeihochschule zuständig.
Dr. Manja Hussner ist als Leiterin des Rektoratsbüros künftig auch für die Digitalisierung der Polizeihochschule zuständig. © André Schulze

Von der "Steinzeit" in die Moderne - so muss sich die Digitalisierung an der Polizeihochschule in Rothenburg und Bautzen entwickeln. Dr. Manja Hussner soll ihr den nötigen Schwung verleihen.

Zu Beginn ihrer neuen Aufgabe muss sich die 46-jährige Juristin wie in einer anderen Welt vorgekommen sein. Denn das, was an anderen Unis, ja selbst Berufsakademien, schon lange selbstverständlich ist, gibt es am Ort der höchsten Polizistenausbildung des Freistaates noch nicht. Digitales Studienmanagement - ein Begriff, mit dem man hier bisher nichts anzufangen wusste. Rektor Carsten Kaempf gibt dem auch schmunzelnd zu: "Wir haben wichtige Dinge mit Brieftauben verschickt." Ganz so schlimm war es tatsächlich zwar nicht. Aber moderne Kommunikations- und Lehrmittel standen kaum zur Verfügung. Manja Hussner, die als Studentin in den Niederlanden und als Doktorandin in Russland war, kannte eine solche Rückständigkeit bisher nicht. Gerade das aber reizt sie: "Ich möchte die digitale Neuausrichtung vorantreiben, Schwächen in Verwaltungsprozessen aufdecken und mit den Kollegen dann gemeinsam beheben."

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Kommissionsbericht ist die Umsetzungsbibel

Bei ihr sollen sämtliche Fäden dafür zusammenlaufen. "Campus 4.0" lautet die Zauberformel. Den Startschuss dafür, zugleich die dringende Aufforderung, hat es ausgerechnet am Tiefpunkt des Prüfungswesens an der Hochschule gegeben. Als nämlich vor rund zwei Jahren öffentlich wurde, dass Prüfungsinhalte an Studenten weitergereicht worden waren. Und Innenminister Roland Wöller daraufhin die sogenannte Staigis-Kommission das ganze Prozedere unter die Lupe nehmen ließ. Diese kam nach intensiven Untersuchungen zu dem Schluss, schnellstmöglich auch in die Digitalisierung zu investieren. Nicht nur aus Gründen moderner Wissensvermittlung, sondern auch zum Selbstschutz der Hochschule, um Fehlerquellen im Verwaltungshandeln künftig mindestens zu minimieren. Der Bericht der Kommission stellt dem digitalen Status Quo der Hochschule ein Armutszeugnis aus: Der Rückstand in diesem Bereich sei "immens", wird in dem fast 200 Seiten starken Papier ausgeführt. Zugleich aber "ist der Bericht für uns wie eine Umsetzungsbibel", stellt Kaempf klar. "Er legt fest: Das und jenes ist zu tun."

Manja Hussner, seit Anfang September 2020 zugleich Leiterin des Rektoratsbüros, soll den Digitalpart der Polizeiausbildung im Freistaat in die Zukunft führen. Nicht nur an den Hochschulstandorten in Rothenburg und Bautzen, sondern auch an den drei Fachschulen in Schneeberg, Chemnitz und Leipzig sowie am Schulungs- und Referenzzentrum Dommitzsch, das für die Fortbildung der sächsischen Polizei zuständig ist. All diese Einrichtungen sollen ab April 2021 in einer neuen Struktur zusammengefasst werden.

Zuerst wird jedoch im eigenen Hause der Staub vergangener Jahre weggekehrt. Elf der von der Staigis-Kommission ausgesprochenen 90 Empfehlungen werden im "Campus 4.0" zusammengefasst und umgesetzt. Ganz wichtig: Ein eigenes Hochschulinformationssystem soll entstehen - anstatt aller "Brieftauben", die noch durch veraltete Kanäle schwirren. "Lehrkräfte und Studierende sollen jederzeit und von jedem Ort aus darauf Zugriff haben", beschreibt Manja Hussner das Anforderungsprofil. "Mit Einsicht in Lehrpläne, Vorlesungs- und Unterrichtsmaterialien oder Termine." Dies seien jedoch nur ein paar Beispiele, die Anwendungsbreite gehe viel weiter.

Moodle soll Kernkompetenz für digitales Lernen werden

Mit der digitalen Lernplattform Moodle haben Studenten und Lehrkräfte der Hochschule in den Monaten der abgesagten Präsenzpflicht schon erste Erfahrungen gemacht. "Hier wollen wir weiter vordringen. Moodle soll bei uns zentrale Plattform für digitales Lernen werden", erläutert Carsten Kaempf. Viele weitere Punkte werden angepackt. So muss die Hardwarestruktur entsprechend der künftig besseren Breitbandanbindung ausgebaut werden. Zudem soll die Hochschule an das das Deutsche Forschungsnetz angeschlossen werden. "Der Informationsaustausch zwischen wissenschaftlich orientierten Einrichtungen und die digitale Leistungsfähigkeit sind von größter Bedeutung", findet der Rektor und weiß sich damit auf einer Linie mit seiner neuen Frontfrau fürs Digitale: "Damit stärken wir unsere Sichtbarkeit als moderner Hochschulstandort", stellt Manja Hussner einen entscheidenden Vorteil heraus. Und sie hofft dadurch auch auf einen Effekt bei potenziellen Bewerbern.

Die Kosten für die Umsetzung der hochschulinternen Datenrevolution stehen laut Carsten Kaempf noch nicht fest. "Die Höhe richtet sich danach, welche Prioritäten es gibt und in welcher Folge sich die verschiedenen Punkte umsetzen lassen." Eins allerdings hat sich der Rektor auf die Fahnen geschrieben: "Bis 2025 soll das Konzept an allen Standorten umgesetzt sein."

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