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Gemischte Reaktionen zu Abriss der Stöcker-Villen

Der Görlitzer Oberbürgermeister begrüßt die Entscheidung der Landesdirektion Sachsen, andere sehen diese skeptisch.

Der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU, l.) hier auf einem Archivfoto im Disput mit Winfried Stöcker.
Der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU, l.) hier auf einem Archivfoto im Disput mit Winfried Stöcker. © Nikolai Schmidt

Euroimmun-Gründer, Impfstoff-Erfinder und Kaufhaus-Investor Winfried Stöcker darf loslegen: Die Landesdirektion Sachsen hat den Abriss der beiden Villen in Görlitz am Postplatz 5 und 6 genehmigt, wenn auch unter bestimmten Auflagen. Die Reaktionen auf die Entscheidung in der Stadt sind, wie vorauszusehen war, unterschiedlich.

Rathaus will Projekt konstruktiv begleiten

Der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) begrüßt erwartungsgemäß die Entscheidung aus Dresden. "Die Entscheidung der Landesdirektion ist ausgewogen und berücksichtigt sowohl die Interessen des Denkmalschutzes als auch die Chancen für eine zukünftige gute Stadtentwicklung", sagt er. Denn die Landesdirektion hat an die Abrissgenehmigung Bedingungen geknüpft.

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Unter anderem ist der Abriss der Villen nur gestattet, wenn dadurch das Kaufhaus tatsächlich wiederbelebt wird. Winfried Stöcker hatte ein erweitertes Parkhaus als eine Bedingung für sein weiteres Engagement in Görlitz gemacht. Ihm gehört nicht nur das Kaufhaus, sondern auch das City-Center. Beides will er verbinden. Noch vor dem Abriss der Villen muss nun laut Landesdirektion der Bebauungsplan der Stadt "Umbau Kaufhaus Görlitz" in Kraft getreten sein und sämtliche Baugenehmigungen und denkmalschutzrechtliche Genehmigungen vorliegen.

Um diese Villen am Postplatz in Görlitz geht es. Sie sollen einer Erweiterung des benachbarten City-Center-Parkhauses weichen.
Um diese Villen am Postplatz in Görlitz geht es. Sie sollen einer Erweiterung des benachbarten City-Center-Parkhauses weichen. © privat

Oberbürgermeister Octavian Ursu sieht darin offensichtlich kein Problem. "Von unserer Seite werden wir das Projekt konstruktiv begleiten, um die denkmalgerechte Sanierung und die Wiedereröffnung des Kaufhauses mitten in unserer Stadt zu ermöglichen“, teilt er mit.

Katrin Treffkorn gehört zu denjenigen, die sich mit einer Petition gegen den Abriss der Villen ausgesprochen hatten und forderten, Winfried Stöckers Kaufhaus- und Parkhauspläne unabhängig von den Abrissplänen zu betrachten. Jetzt meldet sich die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins auf der Facebookseite der SZ Görlitz zu Wort.

Sie ärgert offenbar vor allem, dass die Landesdirektion davon ausgeht, dass ein größeres Parkhaus unter anderem den Obermarkt von parkenden Autos befreien könnte und damit, so die Behörde in Dresden, "die städtebauliche und Aufenthaltsqualität des Görlitzer Zentrums" entscheidend verbessert werde.

Noch mehr Autoverkehr ins Zentrum?

"In dem man noch mehr aktiven Zielverkehr ins Herz der Innenstadt fahren lassen will?
Was ist mit den Anrainerstraßen die ohnehin schon jetzt zu eng, zu schmutzig, zu laut, zu gefährlich sind als das dort Menschen gerne wohnen wollen", fragt Katrin Treffkorn und: "Wozu langjährige Zuzugskampagnen der Stadt für Wohnen in der Innenstadt? Wozu touren Oberbürgermeister und Bürgermeister durch die Beteiligungsräume zur Frage, wie soll sich Görlitz verkehrspolitisch weiterentwickeln?"

Zudem stelle sich die Frage, wie soll ein "Parkhaus dieser geplanten Größe ins Konzept einer klimaneutralen Stadt Görlitz bis 2030" passen? "Wer beantwortet endlich mal diese Fragen mit belastbaren Zahlen und Fakten und stellt Konzepte vor, die eine fachliche Einschätzung und kompetente Bewertung und auch Alternativvorschläge überhaupt erst ermöglichen würden, bevor Entscheidungen getroffenen werden?", so Katrin Treffkorn. Sie möchte nicht nur eine Entscheidung dafür oder dagegen, "sondern zwischen möglichen und zukunftsfähigen Varianten A, B und C".

Abriss nur unter Auflagen

Die Fraktion Motor Görlitz/Bündnisgrüne im Görlitzer Stadtrat bemängelt vor allem die Beteiligung der Öffentlichkeit, heißt es in einer Pressemitteilung. Es sei zudem ein schlechtes Signal, dass man einem Eigentümer zugestehe, Denkmale zu erwerben, nur um sie abzureißen. "Wir hoffen, das macht nicht Schule", heißt es von der Fraktion.

Als positiv sehen Motor Görlitz/Bündnisgrüne , dass die Landesdirektion die Genehmigung zum Abriss an Auflagen gebunden hat: "Winfried Stöcker hat nun keine Ausreden mehr, um das seit 2013 ruhende Projekt Kaufhaussanierung endlich aktiv umzusetzen."

Die Görlitzer Verwaltungsspitze sei nun ebenfalls in der Pflicht: "Für das deutlich vergrößerte Parkhaus und die Lieferzone werden sich die Verkehrsströme ändern. Dafür gibt es bislang noch keinerlei Planung." Die Fraktion erhoffe sich auf diese und andere Fragen in den kommenden Wochen Antworten und stellt klar: "Wir sind nicht gegen das Kaufhaus, verstehen uns aber als Vertreter der Görlitzerinnen und Görlitzer die öffentliche Beteiligung einzufordern."

Dass überhaupt die Landesdirektion in dem Fall entscheiden musste, geht auf einen Streit zwischen Rathaus und dem Landesamt für Denkmalschutz zurück. Ersteres wollte den Abriss, zweiteres nicht. Was Winfried Stöcker von der aktuellen Entscheidung der Landesdirektion hält, war gestern nicht zu erfahren. Eine Anfrage der SZ beim Investor blieb unbeantwortet.

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