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Stadt kündigt Jugendclub fristlos

Die Reichenbacher Bürgermeisterin reagiert damit auf Vandalismus in dem Clubgebäude. Das soll aber auch künftig ein Ort der Jugend bleiben.

Vernageltes Fenster: Die Stadt hat fristlos dem Betreiber des Jugendclubs Reichenbach gekündigt.
Vernageltes Fenster: Die Stadt hat fristlos dem Betreiber des Jugendclubs Reichenbach gekündigt. © Constanze Junghanß

Der Sperrmüllhaufen vom Jugendclub ist unübersehbar: In die Jahre gekommene Sessel, zwei, drei Rollen Teppichreste, ein kaputter Fernsehbildschirm. Davor ein in zwei Hälften zersägter Holztisch. Der Flachbau zwischen Oberschule und Turnhalle wird ausgeräumt, der Sperrmüll abgeholt. Die Türen vom Club sind schon seit einer Weile zu, die Feuertonne im kleinen Hinterhof bleibt kalt. In der Ecke liegt ein einsamer Fußball. Das Fenster neben der Tür ist mit Holzlatten zugenagelt. Mit Bleistift hat da jemand drangeschrieben: „Kein Eingang!“.

Der Sperrmüll wurde schon rausgeräumt und abgeholt.
Der Sperrmüll wurde schon rausgeräumt und abgeholt. © Constanze Junghanß

Veranstaltungen konnten durch die Corona-Pandemie schon lange nicht mehr stattfinden. Das allerdings ist nicht der Grund, weshalb der Club nun dicht macht. Bands probten da, Dart wurde gespielt – ein Ort für junge Erwachsene zum Treffen. Nun hat der Verein vonseiten der Stadt die fristlose Kündigung bekommen. Darüber informierte Bürgermeisterin Carina Dittrich den Stadtrat. Das Gebäude gehört der Stadt. In den neunziger Jahren hatten Stadt und der Verein „Trotzalledem e.V.“ den Nutzungsvertrag festgezurrt. Vor allem Konzerte alternativer Bands von Metal bis Punk fanden da statt. Partys wurden gefeiert.

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Verwüstungen im Club

Carina Dittrich erläuterte im Stadtrat, dass Ordnung und auch die bauliche Sicherheit im Club nicht mehr gegeben waren. Die Feuerstätte – ein Ofen, der mit Holz beheizt wurde – musste gesperrt werden. Der SZ hatte die Bürgermeisterin noch vor der letzten Ratssitzung weitere Probleme genannt. So sei das Dach erst vor einer Weile instand gesetzt worden. „Nun regnet es ein.“ Es sei mit dem Ofen so stark gefeuert worden, dass die Dachpappe in Mitleidenschaft gezogen wurde. „Im Club war viel verwüstet, die Toilettenbecken abgerissen“, schildert Carina Dittrich. Der Vorstand des Vereins wolle zurücktreten. Für die entstandenen Schäden soll der Club aufkommen, so die Bürgermeisterin.

Jugendverein mit großen Problemen

„Wir wurden immer weniger Mitglieder, die sich aktiv eingebracht haben“, sagt Lucas Krüger, der erst vor knapp zwei Jahren den Vereinsvorsitz übernommen hatte. Der Vorsitz wechselte in der Vergangenheit mehrfach. „Ich habe den Vorsitz nur deshalb übernommen, weil sich niemand anderes fand“, sagt er. Der junge Mann ist beruflich gebunden, wohnt seit einer Weile nicht mehr in Reichenbach. Wirklich Zeit für die Aufgabe blieb da wenig.

Letztlich sei praktisch kaum noch jemand dagewesen, der sich um alles kümmern konnte, sagt Lucas Krüger, der sich auch darüber ärgert, dass Schlüssel von Nutzern nicht abgegeben wurden und keiner mehr den Überblick hatte, wer im Club aus und ein ging. Schließlich tauschte die Stadt die Schlösser aus.

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Die Stadt will nach Angaben der Bürgermeisterin aus dem Gebäude ein „starkes jugendkulturelles Zentrum“ machen und auch der Begriff „soziokulturelle Stätte“ fällt. „Es wird einen Leader-Mittel-Antrag für die bauliche Hülle geben“, sagt sie. Carina Dittrich kann sich vorstellen, dass künftig mehrere Vereine unter einem Dach das Objekt nutzen. Ideen dafür sollen gebündelt werden.

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