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Wie Reisebüros hoffen und bangen

Noch gelten für die Herbstferien einige Mittelmeerländer nicht als Risikogebiet. Doch wer weiß schon, was in zwei oder drei Tagen gilt.

Mario Kosubek (rechts) und Firmengründer Michael Richter (links) in den neuen Räumen des Reisebüros Richter in der Jakobstraße: Die Lage der Branche ist dramatisch.
Mario Kosubek (rechts) und Firmengründer Michael Richter (links) in den neuen Räumen des Reisebüros Richter in der Jakobstraße: Die Lage der Branche ist dramatisch. © André Schulze

Trostlos. So fasst Mario Kosubek die gegenwärtige Lage  zusammen. Das Görlitzer Reisebüro Richter, dessen Inhaber er ist, zählt momentan nur wenige Kunden. "Die Situation ist für uns äußerst schwierig", sagt Mario Kosubek. Fliegen in Zeiten von Corona? Ja, möglich, aber wohin? Wer möchte schon als Tourist in ein Land, das als Risikogebiet gilt - mit all den Auflagen, die nach der Rückkehr warten.

Ja, sagt Mario Kosubek, ein paar Flugziele gibt es noch, gerade für die Herbstferien. Griechenland zum Beispiel, dort haben manche Hotels die Saison verlängert. Wenn jemand nachfrage, sei die Entscheidung aber sehr kurzfristig. Man wisse ja schließlich nicht, wie sich die Corona-Lage in den einzelnen Ländern entwickle. Und Veränderungen kann es ja von Tag zu Tag geben. "Vereinzelt gibt es schon Nachfragen für das kommende Jahr", sagt der Görlitzer Reisebüro-Inhaber.

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Griechenland könnte Herbstziel werden

Österreich, die Müritz - das stehe dann auf dem Plan der Reisegäste. Aber ob die Reisen dann auch tatsächlich angetreten werden können - eine Garantie gibt es eben nicht. "Momentan ist in unserer Branche kein Geld zu verdienen ", sagt Mario Kosubek. In Görlitz wie auch deutschlandweit werden Veranstalterreisen in der Mehrzahl noch immer im Reisebüro gebucht. Und zwar durchschnittlich 113 Tage vor Reisebeginn, wie eine Erhebung der Stiftung für Zukunftsfragen ergab. Wer das nicht getan hat und jetzt bei Ferienbeginn auf der Suche nach einem Reiseangebot Last Minute, also in letzter Minute, ist, kann durchaus fündig werden.

Vielleicht. Denn eine Saison, die gerade für Herbsturlauber so gut wie gelaufen ist, nahezu täglich wechselnde Bestimmungen für den Urlaub innerhalb oder außerhalb Deutschlands - für Reiseanbieter sind die Zeiten schwer. Kurzarbeit, verkürzte Öffnungszeiten - so ist die Realität. "Dabei wollen die Leute doch wieder weg", hat Mario Kosubek in Gesprächen mit Kunden festgestellt. Aber wann und wohin - das bleibt eben der große Unsicherheitsfaktor. "Eine Auszeit braucht aber doch jeder einmal. Und nach diesem Jahr besteht bei Urlaubern ein großer Nachholebedarf", so der Chef des Görlitzer Reisebüros.

Wie es vielleicht auch mit der Reisebranche weitergeht, darüber sprechen zur Stunde die Politiker in Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) trifft sich erstmals mit den Ministerpräsidenten der Länder, von Angesicht zu Angesicht. Vermutlich geht es dabei auch um den Tourismus, egal ob innerhalb oder außerhalb  der Grenzen Deutschlands. 

Mario Kosubek hält sein Unternehmen zum großen Teil mit Staatshilfen über Wasser.  Er kennt das schon seit April.  Sein Vorteil: Viele Angestellte hat er nicht. Das Jahr fing für das Unternehmen positiv an. Vom alten Standort an der Dr.-Friedrichs-Straße zog es an die Jakobstraße. "Am alten Platz waren wir immerhin 20 Jahre, das prägt natürlich", sagt Mario Kosubek. Gerade hat er mit Rückkehrern aus einem Österreichurlaub geredet. "Sie waren alle sehr zufrieden", schildert er. Anfang November ist eine Saisonabschlussfahrt geplant, nach Oberhof. Mario Kosubek ist sehr optimistisch, dass sie auch stattfindet.

Optimismus und hoffen auf ein besseres 2021

Optimismus, damit versucht auch Katrin Hille, Chefin der Reiseagentur in Niesky durch die Krise zu kommen. "Die Verunsicherung unserer Kunden ist groß. Was die Politik da jetzt in jüngster Zeit abzieht - das geht gar nicht", sagt sie. Dennoch möchte das Unternehmen attraktive Angebote beibehalten. In Deutschland beispielsweise den Bodenseekreis. Im November steht der bei Katrin Hille auf dem Plan. Noch gilt die Gegend nicht als Risikogebiet.  Es sei ruhiger geworden im Geschäft, sagt sie. Katrin Hille hat mit dem Unternehmen 30 Jahre lang Erfahrungen, das soll eigentlich gefeiert werden.

"Wir schauen jetzt auf das kommende Jahr", sagt sie. Neue Reiseziele stehen auf dem Plan, zumindest erst einmal theoretisch. Kanada gehört dazu, außerdem Alaska. "Wer nichts wagt, der nicht gewinnt", sieht es Katrin Hille eher pragmatisch. Ob ihre Pläne aufgehen , sie weiß es nicht. 

Derzeit sieht sie auf die Herbstferien. Griechenland ist ein favorisiertes Ziel ihrer Kundschaft. Der Mittelmeeranrainer gilt nicht als Risikogebiet, jedenfalls noch nicht, einer der wenigen in der Region. "Große, etablierte Hotels haben dort schon die Saison verlängert. Eigentlich ist ja Ende Oktober bei den meisten Schluss", schildert auch Katrin Hille. Vier Mitarbeiter hat sie. Zwei sind in Kurzarbeit. "Wir sehen trotz allem positiv in die Zukunft", sagt die Reisebürochefin. "Was bleibt uns sonst auch übrig? 

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