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Geimpfte Rentner setzen auf den Bus

Die Zahl der vollständig Geimpften im Kreis Görlitz steigt, die Freiheit rückt näher. Das merken auch die ersten Reisebüros.

Inhaber Mario Kosubek (rechts) und Firmengründer Michael Richter im Reisebüro Richter an der Görlitzer Jakobstraße. Ab Sonnabend gilt hier wahrscheinlich Click and Meet.
Inhaber Mario Kosubek (rechts) und Firmengründer Michael Richter im Reisebüro Richter an der Görlitzer Jakobstraße. Ab Sonnabend gilt hier wahrscheinlich Click and Meet. © André Schulze

Impfen und abheben? Über 67.000 Menschen im Landkreis Görlitz haben laut Angaben des Freistaates ihre erste Impfung erhalten, knapp 40.000 schon ihre zweite, Stand Dienstag. Das sind allerdings nur die Zahlen aus den Impfzentren. Hausärzte kommen noch hinzu. So oder so: Sind Geimpfte jetzt potenzielle Reisekandidaten und merken die Reisebüros das? Zusammengefasst kann man sagen: Kommt drauf an.

Mario Kosubek vom Reisebüro Richter an der Görlitzer Jakobstraße hat nur ein Wort für das derzeitige Geschäftsleben: "Verhalten." Was derzeit an Flugreisen ein wenig anlaufe seien Ziele, die man relativ unkompliziert erreichen kann, Griechenland etwa oder die Kanaren. "Aber für letztere gibt es bei uns hier wenig Flugkapazitäten", so Mario Kosubek.

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Flugreisen laufen noch nicht so gut

Dass sich jetzt vor allem Geimpfte in den Reisetrubel stürzen, hat er noch nicht festgestellt. "Ich weiß aber, in Büros in anderen Bundesländern läuft das viel besser", so Mario Kosubek. Zudem, gibt er zu bedenken, auch wenn jemand zweimal geimpft ist, bedeutet das nicht automatisch alle Freiheiten. "Nehmen Sie zum Beispiel Spanien: Geimpft oder nicht, bei der Einreise muss ein negativer PCR-Test vorgelegt werden", schildert Mario Kosubek.

Erst am 12. Mai hat die Bundesregierung eine einheitliche Einreiseverordnung beschlossen. Geimpfte, Genesene und negativ auf Corona Getestete müssen nach der Einreise nicht mehr in Quarantäne, wenn sie nicht aus einem Hochinzidenz- oder Virus-Variantengebiet kommen. Ein positives Signal, findet Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes. "Das eröffnet Urlaubern und auch den Unternehmen der Reisewirtschaft wieder eine positive Perspektive", sagt er. Dem Sommerurlaub am Mittelmeer, nach dem sich so viele Menschen sehnen, stehe nichts mehr im Weg.

Astrid Müller von der gleichnamigen Reiseagentur in Reichenbach hat davon noch nichts bemerkt. Sie greift zur Finanzierung ihres Unternehmens inzwischen auf die eigenen Reserven zurück. "Ja, wir hatten gehofft, wenn die Leute geimpft sind, dass sie dann auch wieder Reisen buchen. Aber so ist es nicht", schildert sie. Ein Grund, sagt Astrid Müller: "Wer jetzt die Erstimpfung bekommen hat, muss ja auf die zweite wochenlang warten." Und wenn überhaupt, können nur komplett Geimpfte auf mehr Freiheiten hoffen.

Reisebüros hoffen auf den Juni

Derzeit jedenfalls erlebe sie ein "schwaches Geschäft", so die Reichenbacher Unternehmerin. Nach Busreisen gebe es keine Nachfrage. "Ein paar vereinzelte Anfragen kommen nach Flugreisen. Aber sonst passiert nichts", so Astrid Müller.

Sie sieht zudem noch einen zweiten Grund für die immer noch gebremste Reiselust, gerade eben bei den älteren Mitbürgern. "Ich glaube, die Leute brauchen erst einmal ihr ganz normales Leben zurück, bevor sie über Reisen nachdenken", sagt sie. Wenn das passiert, so Astrid Müller, merken die Menschen, dass auch Reisen wieder zum Normalzustand gehört. Bis dahin werde es für die Branche schwierig bleiben. Sie hoffe aber, dass sich die Situation im Juni dann etwas verbessert.

Ganz anders sieht das Patrick Schultze, Inhaber von Schwarz Reisen in Hähnichen. Er bietet Busreisen an. "Wir merken schon sehr, dass gerade die älteren Herrschaften, also die in der Regel geimpften, gern wieder verreisen möchten", sagt er. Derzeit bekomme das Reisebüro viele Anrufe mit immer derselben Frage: "Wann geht es denn nun wieder los?" "Viele kommen auch einfach vorbei und fragen", sagt Patrick Schultze.

Derzeit plant er mit dem Start in die Saison im Juni. Die erste Fahrt geht dann nach Danzig. In Polen sind die Hotels geöffnet, wenn auch mit geringerer, erlaubter Auslastung. Ab 29. Mai öffnet dann im Nachbarland auch die Innengastronomie, auch erst einmal auf Sparflamme.

Touren nach Polen sind gefragt

Auch bei Sandro Rötschke soll ab Juni alles besser werden. "Wir sehen wieder Licht am Ende des Tunnels", sagt der Mann von Urania Reisen in Görlitz. Der Reiseveranstalter bietet Touren nach Polen an. Ja, generell merke er schon, dass die Impfungen sich auf das Geschäft auswirken. "Die Buchungen laufen jedenfalls", sagt Sandro Rötschke. Aber es sei auch noch viel Abwarten im Spiel. "Viele unserer Kunden sind momentan noch skeptisch. In drei Wochen können sich die derzeit geltenden Regeln ja schon wieder geändert haben", hört er zuweilen. Dennoch, Sandro Rötschke sieht die kommende Saison optimistisch.

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"Es ist so eine gefühlte Aufbruchstimmung, auch wenn der Aufbruch noch nicht so richtig angekommen ist", findet derweil Mario Kosubek vom Reisebüro Richter. Einen ganz kleinen Fortschritt sieht er schon beim Buchen selbst. Derzeit darf man sein Büro nicht betreten, es gilt Click and Collect. Voraussichtlich ab Sonnabend soll das dann in Click and Meet umgewandelt werden. "Dann heißt es: Termin buchen und reinkommen", sagt Mario Kosubek.

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