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"Der Name Daume hat einen schlechten Ruf - zu Unrecht"

Kritik an der Landeskrone, am Braunen Hirsch - Johannes Daume weiß darum. Nun spricht der Unternehmer über seine Pläne - und über das, was ihn in Görlitz stört.

Johannes Daume steht vor dem "Braunen Hirsch" am Görlitzer Untermarkt.
Das 2.500 Quadratmeter große Gebäude gehört ihm und er hat Pläne damit.
Johannes Daume steht vor dem "Braunen Hirsch" am Görlitzer Untermarkt. Das 2.500 Quadratmeter große Gebäude gehört ihm und er hat Pläne damit. © Nikolai Schmidt

Daume - der Name ist in Görlitz untrennbar mit dem Rosenhof in Biesnitz verknüpft. Zuerst war es Christian Daume, der nach der Wende nach Görlitz kam, hier Häuser und Objekte kaufte, darunter so bekannte wie den Braunen Hirsch am Untermarkt, dann das Burghotel auf der Landeskrone, das Rosenhof-Gelände, den Mittelhof in Deutsch Ossig und einige Mietshäuser. Der Vater hat sich inzwischen zurückgezogen, lebt wieder bei Göttingen. Sohn Johannes führt in Görlitz fort, was der Vater angefangen hat. Er ist hier sesshaft, hat Familie, will bleiben. Was er mit seinen Objekten so plant, zum Beispiel mit dem Braunen Hirsch, und was er zur Kritik an der Betreibung der Landeskrone meint, sagt der 36-Jährige im SZ-Interview. 

Herr Daume, zu Ihren Objekten gehört das Burghotel auf der Landeskrone. Hier gab es in jüngster Zeit immer wieder Kritik am baulichen Zustand wie auch am gastronomischen Angebot. Inwiefern haben Sie als Eigentümer hier Einfluss?

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Offen gestanden habe ich darauf keinen direkten Einfluss, bin aber dennoch sehr daran interessiert, dass es auf der Landeskrone wieder vorangeht und sie ein attraktives Ausflugsziel in Görlitz wird. Die bisherige Betreiberin Frau Voigt ist vor Kurzem in den Ruhestand gegangen. Die neue Betreiberin, Frau Formantowicz, legt jetzt zusammen mit ihren beiden Söhnen los. Mich haben einige Leute in letzter Zeit angerufen und gefragt, was mit der Landeskrone wird. Pläne hierzu sind in Arbeit und erste Maßnahmen werden bereits umgesetzt. Demnächst ist sogar Livemusik geplant. Auch gastronomisch soll es Verbesserungen geben, ich werde bald mal oben essen gehen und mich selbst überzeugen.

Burghotel und Restaurant auf der Landeskrone sind ebenfalls im Daume-Besitz: Hier gibt es jetzt neue Betreiber.
Burghotel und Restaurant auf der Landeskrone sind ebenfalls im Daume-Besitz: Hier gibt es jetzt neue Betreiber. ©  Archiv/Pawel Sosnowski

Wer hoch will, muss das nach wie vor zu Fuß tun - wäre nicht eine Fahrmöglichkeit, zum Beispiel mit einem umweltfreundlichen E-Bus eine gute Sache?

Absolut. Auch mir ist der Naturschutz sehr wichtig, aber dieser widerspricht doch nicht dem Transport von Fahrgästen. Man darf fast auf jeden Berggasthof in Deutschland fahren, nur in Görlitz nicht. Jeder Gast sollte selbst entscheiden können, ob er auf die Landeskrone fährt oder nicht. Hinzu kommt, dass selbst die Anschaffung eines E-Busses mit erheblichen Kosten verbunden wäre. Vergessen darf man dabei die Betriebskosten nicht, die für Unterhaltung eines solchen Pendelverkehrs entstünden. Generell geht es doch hier um jeden Görlitzer und das touristische Potenzial, was man sausen lässt. Die Stadt war Frau Voigt, was die Landeskrone betrifft, keine große Unterstützung. Ich muss ihr Handeln in Schutz nehmen, sie hat oft gegen Windmühlen gekämpft, und am Ende wohl keine Kraft mehr gehabt. Wenn man keine Gäste in größeren Zahlen auf den Berg bekommt, kann es auch nicht optimal laufen.

Auch die Stadt könnte also die Landeskrone noch besser vermarkten?

Natürlich. Aber nicht nur den Görlitzer Hausberg. Wenn ich an unser Rosenhof-Turnier denke: Es ist immer noch nicht erkannt worden, wie hochrangig das ist und welche Außenwirkung es haben kann. Wir haben hier Olympiareiter am Start. Nehmen wir beispielsweise nur mal den Turniersprecher. Der macht normalerweise gar keine nationalen Turniere, sondern nur internationale, wie in Mexiko, Miami und Shanghai. Aber zu uns kommt er und hat für das nächste Jahr bereits wieder zugesagt. Was die Stadt betrifft: Schauen Sie sich beispielsweise mal an, wie sowas in einem kleinen Ort wie Aschersleben abläuft. Da erhält der Verein für ein deutlich kleineres Turnier rund 25.000 Euro Unterstützung jährlich von der Stadt, und dass für nur eine einzige Prüfung. Da kann einem in Görlitz manchmal schon der Spaß vergehen. Glücklicherweise haben wir auch dieses Jahr wieder viele kleine und mittelständische Unternehmen gefunden, die uns das Turnier ermöglicht haben, und das trotz Corona! Ein großes Dankeschön an dieser Stelle dafür.

Christian Daume (links) und Sohn Johannes vor mehr als neun Jahren vor dem Rosenhofgebäude. Vater Daume hat sich mittlerweile aus Görlitz zurückgezogen.
Christian Daume (links) und Sohn Johannes vor mehr als neun Jahren vor dem Rosenhofgebäude. Vater Daume hat sich mittlerweile aus Görlitz zurückgezogen. ©  Archiv/Pawel Sosnowski

Klingt, als hätten Sie mit der Stadt generell nicht die beste Zusammenarbeit?

Nein, so ist das nicht. Aber ich sehe Verbesserungspotenzial. Es geht ein bisschen ums Prinzip, darum, wie Investoren hier behandelt oder willkommen geheißen werden. Als mein Vater damals hierherkam und den Rosenhof erbaute, war die Auflage, dass er die Geschwister-Scholl-Straße zum Gelände gleich mit bauen muss. Oder ein anderes Beispiel: Den Mittelhof in Deutsch Ossig wollen wir seit 20 Jahren sanieren. Vor 16 Jahren haben wir dort schon den Glockenturm neu errichtet und Dächer instandgesetzt, doch dann hieß es, dort gebe es kein Baurecht, und auf dieses warten wir, trotz wiederholter Nachfragen, vergeblich.

Was ist mit Ihren anderen Häusern? 

Manche sind vermietet, manche aktuell ohne Nutzung, wie der Braune Hirsch. Wir wissen, dass früher mit dem Namen Daume ein schlechtes Image verbunden war, weil es den Anschein hatte, mein Vater kauft nur, aber macht nichts. Das stimmt absolut nicht, denn er hat in Görlitz viel bewegt. Seit knapp 30 Jahren, hat er beispielsweise neben Wohnraum auch eine Menge an Arbeitsplätzen in der Region geschaffen. Auch Häuser, die gerade keine Nutzung haben, werden so gut es geht in Schuss gehalten, wie eben der Braune Hirsch oder saniert, wie die Breite Straße 14.

Der Braune Hirsch - der ewige Drehort. Viele Görlitzer interessiert, ob er das bleibt oder ob Sie ein Konzept für dieses einmalige Haus am Untermarkt haben?

Ja, das gibt es. Es bleibt Drehort und wird trotzdem entwickelt. Ich möchte den Hirsch zum Filmmuseum machen. Eigentlich ist er das schon, mehr Film in einem Haus geht kaum. Es gibt unzählige Sets in dem Gebäude, die noch erhalten sind. Das soll auch alles so bleiben und für Filmteams nutzbar sein. Dazu wird es Führungen geben und ich stelle mir einen kleinen Souvenirshop vor und ein Café, es könnte Goethe-Café heißen. Auch "Goethe" wurde schließlich hier gedreht. Das wäre doch eine schöne Ergänzung zu allem, was es zu Görliwood schon gibt: den Walk of Görliwood, Führungen und Filmrundfahrt.

Drehort "Brauner Hirsch": In diesem Saal entstanden sowohl Szenen für "Goethe" (2009) als auch für "Die Vermessung der Welt" (2011). Führungen an die Drehorte in diesem Gebäude sind seit einigen Jahren möglich.
Drehort "Brauner Hirsch": In diesem Saal entstanden sowohl Szenen für "Goethe" (2009) als auch für "Die Vermessung der Welt" (2011). Führungen an die Drehorte in diesem Gebäude sind seit einigen Jahren möglich. © André Schulze

Ist ein Filmmuseum nicht kompliziert - vor allem wegen der Rechte? Die Stadt spielte ja auch schon mit dem Gedanken.

Das mit den Rechten sehe ich als kein großes Problem. Außerdem habe ich zu vielen Leuten noch Kontakt. Ich bin selber immer mit Interesse und Leidenschaft dabei gewesen, wenn ein Film kam. Im "Grand Budapest Hotel" war ich Komparse, bin an der Seite von Owen Wilson und Edward Norton als Soldat die Kaufhaustreppe heruntergegangen. Mit dem Braunen Hirsch gibt es hier ein Haus, wo faktisch fast jeder Film gedreht wurde. Görlitz hat als Filmstadt Wahnsinnspotenzial. Das muss man aber auch erkennen. 

Wer erkennt es denn nicht?

Wir werden sehen. Ich habe mir vorgenommen, das Filmmuseum nur zu machen, wenn die Stadt uns unterstützt. Das Ganze soll nicht mal eine Million Euro kosten. Wenn sich die Stadt hier mit 40 bis 50 Prozent einbringt - das wäre völlig in Ordnung. Aber es geht mir hier nicht nur um Geld, sondern ganz besonders um die Zusammenarbeit mit dem Bauamt, der Denkmalpflege und der Stadtverwaltung. Hier kann die Stadt Görlitz einen großen Beitrag leisten. Und glauben Sie mir, so ein Filmmuseum wäre ein wichtiges und einmaliges touristisches Highlight, von dem auch die Stadt absolut profitieren würde.

Der "Braune Hirsch" ist auch eine Station vom Walk of Görliwood - den EGZ-Geschäftsführerin Andrea Behr und OB Octavian Ursu Ende Februar einweihten. Man findet das Fenster auf der Neißstraße.
Der "Braune Hirsch" ist auch eine Station vom Walk of Görliwood - den EGZ-Geschäftsführerin Andrea Behr und OB Octavian Ursu Ende Februar einweihten. Man findet das Fenster auf der Neißstraße. © Nikolai Schmidt

Wann soll die Eröffnung sein?

So weit ist es noch nicht. Aktuell arbeite ich an weiteren Projekten. Wenn diese auf eigenen Füßen stehen, kommt das Filmmuseum dran. Aber wie gesagt: Wenn die Stadt es möchte. Ich habe viele Ideen, aber es geht nicht alles alleine. Und ich will nicht gegen Windmühlen kämpfen und unnötige Auflagen erfüllen, sondern konstruktive Lösungen finden. Aber vielleicht wird es jetzt besser, ich setze große Hoffnung in Oberbürgermeister Ocatvian Ursu. Zu ihm habe ich ein gutes Verhältnis.

Neben all diesen Vorhaben ist immer noch der Rosenhof mit seinen vielen kleinen Bereichen Ihr Hauptgeschäft. Sie wohnen ja auch dort. Wie können Sie das alles miteinander vereinbaren, zumal Sie Kinder haben. 

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Ich habe schon sehr viele verschiedene Sachen um die Ohren, das ist richtig. Corona hat es zusätzlich schwer gemacht und hat viel Kraft gekostet. Wir mussten ganz schön kämpfen, um im Rosenhof alles am Laufen zu halten. Und privat habe ich natürlich dieselben Herausforderungen, wie jeder andere Görlitzer in diesen schweren Zeiten. Ohne meine Familie, die engagierten Mitarbeiter und treuen Gäste, wäre dies alles nicht möglich.   

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