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So bunt ist jetzt die Görlitzer Kneipenwelt

Kneipensterben in Corona-Zeiten? Im Moment erlebt Görlitz das Gegenteil: Viele neue Gaststätten öffnen. Und bald kommt noch ein Imbiss-Truck.

Mohamad Badr Eddin Haboush in seiner neuen „Pizzeria Maria“ in der Görlitzer Südstadt: Er würde gern noch weitere Geschäfte eröffnen.
Mohamad Badr Eddin Haboush in seiner neuen „Pizzeria Maria“ in der Görlitzer Südstadt: Er würde gern noch weitere Geschäfte eröffnen. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Am Donnerstagvormittag ist es noch ruhig in der Pizza Maria. Der Chef dekoriert. Grünzeug über den Salat, ein paar Champignons an die Seiten der Schüsseln. Sieht lecker aus. Der Lieferdienst ist gerade durch, die Ware verstaut. Der Dönerspieß ist nicht einfach ein Fleischklops, sondern ebenfalls liebevoll mit Obst und Gemüse bestückt. "Bitte, noch fünf Minuten." Mohamad Badr Eddin Haboush will alles richtig machen, bevor er mit der Zeitung redet.

Seit Mitte März hat der Mann aus Syrien sein Geschäft im früheren Goethe-Cafe auf der Alex-Horstmann-Straße. Er bietet hier die Klassiker an, von Döner über Pizza bis Schnitzel. Derzeit natürlich nur alles zum Mitnehmen.

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Mohamad Badr Eddin Haboush lebt seit sieben Jahren in Deutschland. Er kommt aus Aleppo. Dort war er Verkäufer in einem Klamottenladen. Aber eigentlich, sagt er, zog es ihn schon immer in die Küche.

Aleppo, das ging irgendwann nicht mehr, fand Mohamad Badr Eddin Haboush. Gemeinsam mit seiner Tochter ging er in die Türkei. "Dann über das Wasser, nach Griechenland", erzählt er. Viel mehr will er über die Flucht gar nicht sagen, nur so viel: "Es war schwierig." In Deutschland war zunächst ein Heim in Chemnitz erstes Ziel. Schon dort arbeitete er in der Küche mit. Dann wurde ihm Görlitz als Aufenthaltsort zugewiesen. Mohamad Badr Eddin Haboush ist froh darüber. "Görlitz ist zwar eine kleine Stadt, aber sehr schön", sagt der 44-Jährige. Inzwischen lebt seine Familie hier. "Ich bin froh, hier zu sein und nicht in einer großen Stadt", sagt Mohamad Badr Eddin Haboush.

Und er hat viele Freunde, die ihn beim Einrichten des Restaurants geholfen haben. "Ja, es ist natürlich nicht einfach, in Corona-Zeiten ein Restaurant aufzumachen", sagt er. Fehler, ja, die habe er auch gemacht. Aber der Syrer hat Erfahrung im Gastro-Gewerbe, arbeitete unter anderem vier Jahre in einem Laden auf der Berliner Straße.

Private Brauerei öffnet mit Imbiss

Braumeister Matthias Grall und Koch Lars Miethe in der Brauwerkstatt Sudost: Neuerdings wird hier auch ein Mittagsimbiss auf der Jakobstraße 4 angeboten.
Braumeister Matthias Grall und Koch Lars Miethe in der Brauwerkstatt Sudost: Neuerdings wird hier auch ein Mittagsimbiss auf der Jakobstraße 4 angeboten. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Matthias Grall war jahrzehntelang Braumeister bei Landskron. Jetzt braut er selbst. Sudost heißt sein Unternehmen auf der Jakobstraße. Hier gibt es neuerdings nicht nur Bier, sondern auch Essen. Seit etwa zwei Wochen steht das Angebot. "Wir haben ein wechselndes Programm", sagt Matthias Grall. Am Donnerstag war zum Beispiel Kartoffel-Möhren-Auflauf im Angebot. Dazu kommen Suppen und, und, und.

"Die Idee für einen Imbiss entstand schon während der Bauphase für Sudost", sagt Matthias Grall. Die Verkostung der Biere, die eine Seite. "Aber man braucht ja auch etwas zum Essen dazu." Über das Geschäft kann Matthias Grall nicht klagen, auch wenn es eben "nur" ein Imbiss zum Mitnehmen ist. "Besser ein kleines Geschäft, als gar keins", findet er. Etwa 30 bis 40 Portionen verkauft Sudost auf der Jakobstraße derzeit.

Georgier verwirklicht seinen Traum in Görlitz

Romani Mustoevi vor seinem neuen Restaurant „Kaukasus“ auf der Jauernicker Straße 33: Er kam mit seiner Familie aus Georgien.
Romani Mustoevi vor seinem neuen Restaurant „Kaukasus“ auf der Jauernicker Straße 33: Er kam mit seiner Familie aus Georgien. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Auf der Jauernicker Straße 33 steht derweil Romani Mustoevi vor dem Restaurant "Kaukasus" und kommt sofort mit einem Flyer aus dem Haus. "Was möchten Sie?", fragt der junge Mann freundlich. Romani Mustoevi ist seit acht Jahren in Deutschland. Ihn zog es aus seinem Heimatland Georgien fort, weil er für seine Familie ein besseres Leben wollte. "Gerade in den ländlichen Regionen ist es sehr schwer, ein gutes Leben zu führen", sagt er. Und vor allem auch, Arbeit zu finden. Romani Mustoevi hat in seiner Heimat als Koch gearbeitet, in einer Gaststätte.

Nun sitzt er hier in seinem neuen Restaurant in Görlitz und darf keine Gäste bedienen. "Das ist schade", sagt Romani Mustoevi. Ja, er bietet natürlich Speisen zum Mitnehmen an. Aber auf seinem Handy zeigt er, was die Georgische Küche alles so zu bieten hat. Käseplatten zum Beispiel, die gehen nicht als Haustürgeschäft. "Die muss man einfach auf dem Tisch zubereiten", sagt Romani Mustoevi.

Wobei, sagt er, so viele traditionelle Speisen gibt es in Georgien gar nicht. Die, die er kennt, hat er auch auf seiner Speisekarte, Die wird ergänzt von den Gerichten, die eben Deutsche gerne mitnehmen, Pizza zum Beispiel.

Romani Mustoevi kam relativ unkonventionell nach Deutschland. "Ich habe mich mit meiner Familie in den Zug gesetzt", schildert der 29-Jährige. Über Weißrussland kamen sie nach Polen, von dort nach Deutschland und am Ende nach Görlitz. "Görlitz ist eine schöne Stadt", sagt Romani Mustoevi. Klein, aber man finde sehr schnell Kontakt, lerne Leute kennen, die helfen. "Auf das Restaurant bin ich durch Freunde aufmerksam geworden. Sie sagten, da steht eine Gaststätte leer. Und es war schon immer mein Traum, ein eigenes Lokal zu haben", sagt er.

Speisetruck kommt nach Görlitz

Oliver Kleinschmidt vor seinem Food-Truck. Noch steht er in Breslau, ab Anfang Mai dann in Görlitz.
Oliver Kleinschmidt vor seinem Food-Truck. Noch steht er in Breslau, ab Anfang Mai dann in Görlitz. © privat

Den eigenen Traum verwirklichen, das will auch Oliver Kleinschmidt. Er kommt ab Anfang Mai mit einem Food-Truck nach Görlitz. "Käsespätzle, Salat, Spinatkäsknödel und viele weitere gute Gerichte", verspricht er. Sein Mobil wird, so alles gut geht, ab dem 4. Mai in Görlitz stehen, auf dem Markt Elisabethstraße und vor Kaufland in Weinhübel und in Königshufen.

Derzeit parkt der "Kaiser Olli", wie das Fahrzeug heißt, aber noch in Breslau. Dort wohnt Oliver Kleinschmidt. Der Liebe wegen zog es ihn ins Nachbarland. Ursprünglich kommt der 35-Jährige aus Chemnitz, hat viel in Berlin gekocht, war beim Görlitzer Straßentheaterfest Viathea dabei. Der Food-Truck, also das Fahrzeug selbst, hat er in Polen gekauft. " Es ist alles neu eingerichtet", sagt Oliver Kleinschmidt. 17 Jahre hat er Berufserfahrung, war als "Event-Koch" tätig.

Während Oliver Kleinschmidt mit seinem Truck unterwegs ist, hat Mohamad Badr Eddin Haboush schon größere Pläne. "Mein Ziel ist es", so der Syrer, "nicht nur ein Geschäft in Görlitz zu haben, sondern mehrere." Ob es gelingt, bleibt abzuwarten. Bisher ist er jedenfalls mit der Resonanz auf seine neue Pizza Maria zufrieden. Und irgendwann, sagt Mohamad Badr Eddin Haboush, kommt ja auch wieder eine Zeit nach Corona.

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