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So entsteht die SZ im Lockdown

Mitarbeiter einsam in Büros, schwierige Planungen und die Hoffnung auf den Normalzustand - so sehen die Reporter in Görlitz und Niesky die Zeit mit Corona.

Mitarbeiterin Juliane Eichler führt einen Corona-Schnelltest bei SZ-Fotografen Paul Glaser im AWO-Pflegeheim an der Krölstraße durch. Nur mit ihm ging es zu der ältesten Görlitzerin.
Mitarbeiterin Juliane Eichler führt einen Corona-Schnelltest bei SZ-Fotografen Paul Glaser im AWO-Pflegeheim an der Krölstraße durch. Nur mit ihm ging es zu der ältesten Görlitzerin. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Das Gesundheitsamt des Kreises ruft an. "Herr Klaus, sie wissen es ja schon vielleicht", sagt die Dame am anderen Ende. Ja, ich weiß. Hab gerade mit meiner Mutter telefoniert. Die Hausärztin hat einen Test gemacht. Positiv, Corona hat in der Familie Einzug gehalten. Ich bin die einzige Kontaktperson und damit auch Kontaktperson eins, wie es behördlich heißt. Das bedeutet für mich Quarantäne. Ich bin jetzt eine "abgesonderte Person", zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen. Schwiegermutter hatte es zuvor erwischt. Glückwunsch Herr Klaus, Sie haben den Hauptgewinn, Treffer, versenkt.

Gut, beim ersten Mal hab ich noch einen Test gemacht. Negativ. "Der Test ist nur notwendig, wenn Sie Symptome haben", sagt nun die Dame vom Kreis-Gesundheitsamt. Und mal so nebenbei: Die sind dort wirklich sehr nett. Gut, also mache ich mir Gedanken um meine an Corona erkrankte Mutter "Ü 80" und richte mich im Homeoffice ein. Irgendwie muss es ja weitergehen.

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Schwierige Suche nach Themen ohne Corona

Homeoffice - für mich bisher eher ein abstraktes Konstrukt. Die Sächsische Zeitung ist dabei vorbildlich, wer von zu Hause aus arbeiten will, kann es auch. Da braucht es keine Homeoffice-Pflicht. Die Technik, Laptops und Zubehör, wird bereitgestellt, Wifi hat ja jeder zu Hause. Oder?

Ich hab es, und die nötigen Programme zum Zeitungmachen funktionieren, na gut, fast alle. Alles gut also? Nein. Eine Lokalausgabe Görlitz-Niesky der SZ in Corona-Zeiten herauszubringen, ist nicht ganz einfach. Knifflig zuweilen.

SZ-Redakteurin Gabriela Lachnit im Homeoffice: Sie würde gern wieder in die Redaktion nach Görlitz zurückkommen.
SZ-Redakteurin Gabriela Lachnit im Homeoffice: Sie würde gern wieder in die Redaktion nach Görlitz zurückkommen. © Gabi Lachnit

In den guten alten ohne Corona-Zeiten sitze ich mit meinem Kollegen Ingo Kramer in einem Büro. Inzwischen ist es ein Ein-Mann-Büro. Die Görlitzer SZ bietet neben Homeoffice separate Büros. "Eigentlich", sagt mein Kollege Ingo Kamer, "läuft für mich alles wie immer." Gut, die Themensuche ist schwieriger geworden, alles was nicht mit Corona zu tun hat", sagt er.

Die Lokalausgabe Görlitz-Niesky, sie füllt sich in diesen Tagen und Wochen doch ein wenig anders als normalerweise. Homeoffice, das kann bei der Sächsischen Zeitung in Anspruch nehmen, der es möchte. Technik und alles drum und dran wird gestellt. Auch musste keiner der Reporter in Kurzarbeit - ein Privileg, gerade auch für die Medienbranche. Die Anzeigenberater traf es härter oder die Mitarbeiter des SZ-Geschäfts im City-Center.

Aber eine Lokalausgabe lebt eben auch davon, dass die Reporter vor Ort, lokal, arbeiten. Im Zweifelsfall zu einem Stau auf der Autobahn fahren, zu einem Brand in der Stadt. Das schätzen auch all die Leser, ob der Zeitung oder der Internet-Seite, dass sie erfahren, was in der Stadt und der Region geschieht, während sie sich an die Corona-Auflagen halten müssen. So wie ich: Als "Abgesonderter" hat sich für mich momentan jede Recherche vor Ort eh erledigt.

Thema, das sich über einen langen Zeitraum zieht

Der Tag in der Lokalredaktion beginnt dabei fast wie jeder andere "normale" mit einer Telefonkonferenz. Lokalchef Sebastian Beutler ist es wichtig, mindestens einmal am Tag alle Kolleginnen und Kollegen zu einer Besprechung zusammenzuholen. "Die Planung am Vorabend ist nicht mehr sinnvoll", sagt er. Zu schnell kann sich die Situation - natürlich wegen Corona - über Nacht ändern, zu schnell muss dann die Planung wieder neu aufgestellt werden. "Es gab in der Vergangenheit kein Thema, das sich über einen so langen Zeitraum in unserer Ausgabe widergespiegelt hat", sagt Sebastian Beutler. Hochwasser, Hitze- oder Kältewellen - Themen, die natürlich über einen bestimmten Zeitraum die Lokalsaugaben in der Vergangenheit immer wieder dominierten. Aber für die auch immer ein Ende in Sicht war.

Bei Corona ist es anders. Das betrifft auch unsere Arbeit, die Suche nach Ansprechpartnern. Viele Mitarbeiter in Behörden, Verwaltungen, sind ebenfalls im Homeoffice. Der kurze Draht, die schnelle Nachfrage ist schwierig. Zumeist läuft sie über die offizielle Pressestelle.

Meine Kollegin Gabriela Lachnit macht schon zum zweiten Mal Erfahrungen mit dem Homeoffice. Im Frühjahr vergangenen Jahres war sie zweieinhalb Wochen lang Heimarbeiterin für die SZ, nun wieder. "Es ist schon schwierig, wenn man den ganzen Tag allein vor dem Laptop sitzt", sagt sie. Die Kontakte, sie fehlen eben.

Sobald es wieder möglich ist, möchte sie wieder in die Redaktion zurückkommen, sagt Gabriela Lachnit. Sie macht es an der Inzidenzzahl fest. "Mir fehlt einfach der Austausch", sagt sie.

Kollege Marc Hörcher ist für den Online-Auftritt der SZ Görlitz-Niesky verantwortlich und schon länger im Homeoffice. "Es funktioniert eigentlich sehr gut", ist sein Fazit. Ja, manchmal streike ein Programm eine Zeit lang. "Aber das muss man einfach hinnehmen", sagt er und wünscht sich, in Zukunft flexibel arbeiten zu können - zu Hause, aber auch in der Redaktion.

Flexibles Arbeiten gewünscht

Eigentlich hatte ich heute einen Termin in Görlitz, ein Hotelier wollte mir zeigen, wie er sein Unternehmen für die Zeit nach Corona fit macht. Geht leider nicht, die Quarantäneregeln sind streng. Und nicht für jedes Thema ist Telefon oder E-Mail ein Ersatz. Homeoffice-Journalismus - dieses Wort habe ich vor Kurzem in einer Zeitung gelesen und es hatte einen negativen Beigeschmack. Die Gefahr, aus Archiven oder aus anderen Quellen einen neuen Artikel zusammenzustellen, ja sie ist groß in diesen Zeiten.

"Es ist schon ein bisschen ein komisches Gefühl so allein im Büro", sagt meine Kollegin Susanne Sodan. Etwas einsam fühle sie sich, wenn sie durch den Redaktionsflur geht. Und sie überlegt bei jedem Termin: Gehe ich hin, geht das auch telefonisch?

Am Wochenende endet meine Quarantäne. "Punkt 24 Uhr", wie die Dame vom Gesundheitsamt betont. Montag bin ich wieder in der Görlitzer SZ-Redaktion. Lokaljournalismus, das geht für mich aus dem Homeoffice nicht. Lokal heißt, vor Ort zu sein.

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