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Kälteeinbruch schadet Friedersdorfer Bienen nicht

Das warme Wetter zum Jahreswechsel hat die Bienen herausgelockt. Nun ist es kälter. Kein Grund zur Sorge, sagt Imker Sven Büchner.

Von Matthias Klaus
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Sven Büchner bei seinen Bienenstöcken in Friedersdorf. Die orange-braunen Wachskrümel geben Aufschluss über die Aktivität des Bienenvolkes.
Sven Büchner bei seinen Bienenstöcken in Friedersdorf. Die orange-braunen Wachskrümel geben Aufschluss über die Aktivität des Bienenvolkes. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Bei Sven Büchner hat es schon gebrummt. Die Bienen waren draußen. Die Wärme hatte sie herausgelockt. Nicht nur die Bienen wurden rund um Weihnachten plötzlich aktiv, sondern auch Allergiker staunten über erste Meldungen zu Pollenflug, mancher Igel unterbrach den Winterschlaf. Ist das nun schon Frühling? Oder kommt da noch was? Es war ein eher "falscher Frühling". Inzwischen ist es wieder kalt geworden. Wie vertragen das die Bienen?

"Dass sie Weihnachten und vor allem am Neujahrstag einen Tag zum Fliegen hatten, ist eher gut für sie", sagt Sven Büchner. Er ist Bio-Imker auf dem Ökohof Windfege im Markersdorfer Ortsteil Friedersdorf. Die Honigbienen, schildert er, nutzen diese Tage um aufzuräumen. So werden etwa einzelne, über den Winter gestorbene Bienen rausgeschafft. Und: "Bienen nutzen diese Tage, um die Kotblasen zu leeren und etwas Wasser zu holen. Imker nennen das Reinigungsflüge", so Sven Büchner.

Schwierig werde es für Völker, wenn es sehr lange sehr kalt ist. Sven Büchner erinnert sich an den Winter 2012/13. Da gab es keine Chance für Reinigungsflüge zwischen Ende Oktober und Anfang April. Oder aber es ist zu mild, sodass die Bienen zu früh mit dem Brüten starten. "Besonders schlimm sind dann kalte Tage wie im April, Mai so wie 2021", so Sven Büchner. Die wenigen relativ milden Tage rund um den Jahreswechsel bereiten ihm keine Sorgen.

Die Bienen halten keine Winterruhe, sondern passen sich mit ihrer Platzeinnahme in der Beute den Temperaturen an, so der Biologe. Wenn es kalt ist, versuchen sie sich als Volk eine Kugel und damit eine geringe Oberfläche zu bilden. "Die Imker sprechen von Wintertraube", erläutert Sven Büchner. In der Mitte halten sie etwa 25 Grad. Die ganze Gruppe ziehe ganz langsam auf den Waben weiter, fresse Honig und wandele die Energie in Wärme um.

Sobald es milder wird, löse sich die feste Traube auf. Die Bienen haben es einfacher, Wasser und Honig heranzuschaffen oder aufzuräumen. Erst wenn die Sonne stärker wird und es länger warm bleibt, fängt die Königin wieder an, Eier zu legen, sagt der Biologe. "Ab dann wird es aufregend. Jetzt muss das Volk auf 36 Grad heizen, damit die Larven wachsen", so Sven Büchner. Sollte es dann wieder sehr kalt werden, müsse das Volk entscheiden: Brut aufgeben und Temperatur wieder runterfahren oder hoffen, dass es nur ein kurzer Einbruch ist und weiter heizen, was sehr viel Energie - also letztendlich Honig - kostet.

In diese Balance komme hinein, in welcher Beute ein Volk lebt und ob beziehungsweise wie man als Imker im Notfall reagieren kann. Sven Büchner: "Meine Völker fangen meist erst Mitte Februar mit Brüten an und auch dieses Jahr habe ich keine Anzeichen, dass sie früher dran wären."