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Wie Professor Vogt zur "Kongo-Connection" kam

Der Spiegel berichtet über einen CDU-Politiker und einen Leipziger Unternehmer. Auf dem Foto ist auch ein Görlitzer Professor zu sehen. Der ärgert sich darüber.

Prof. Matthias Theodor Vogt (Archivfoto) ist Chef des Institutes für kulturelle Infrastruktur Sachsen.
Prof. Matthias Theodor Vogt (Archivfoto) ist Chef des Institutes für kulturelle Infrastruktur Sachsen. © Sosnowski

Es ist ein schönes, buntes Bild: Fünf Männer in farbenfrohen afrikanischen Gewändern lachen in eine Kamera. Drei davon sind afrikanische Würdenträger, ein weiterer der CDU-Politiker und Afrika-Beauftragte der Bundeskanzlerin, Günter Nooke, und der letzte im Bunde Matthias Theodor Vogt, Professor an der Hochschule Zittau, geschäftsführender Direktor des Institutes für kulturelle Infrastruktur Sachsen und der Erfinder der sächsischen Kulturräume.

Es ist ein Urlaubsbild könnte man meinen. Allerdings ist es in der Ausgabe des Nachrichtenmagazins Spiegel vom 3. April erschienen und der Text darunter trägt die unheilschwangere Überschrift "Die Kongo-Connection". Das lässt nichts Gutes ahnen, und was hat der Görlitzer Professor damit zu tun?

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Im Text geht es um Günter Nooke und den Leipziger Unternehmer Gernot Wagner und dessen Projekte in Afrika, genauer im Kongo. Der Spiegel berichtet über eine "fragwürdige Nähe" des CDU-Politikers Günter Nooke, bekannt aus der DDR-Bürgerrechtsbewegung, zum Leipziger Unternehmer Gernot Wagner.

Foto zum Kongo-Text entstand in Klingewalde

Der wiederum plant offenbar ein Milliarden schweres Projekt namens Inga III im Kongo, einen Staudamm, der möglicherweise doppelt so leistungsfähig sein soll, wie der Dreischluchtenstaudamm in China. Mit dem erzeugten Strom soll Wasserstoff hergestellt und nach Deutschland verschifft werden, so die Idee. Wasserstoff - darauf wird auch bei Projekten im Kreis Görlitz gesetzt. Das Problem: Wie der Spiegel erfuhr, hat Unternehmer Gernot Wagner im Kongo bisher wohl seit 2007 noch kein einziges Projekt fertiggestellt.

Hat mit Kongo nichts zu tun: Hochschulprofessor Matthias Theodor Vogt (2.vl.) mit dem Afrika-Beauftragten der Kanzlerin, Günter Nooke, und Würdenträgern aus Kamerun vor dem Gutshaus in Klingewalde. So berichtete der Spiegel.
Hat mit Kongo nichts zu tun: Hochschulprofessor Matthias Theodor Vogt (2.vl.) mit dem Afrika-Beauftragten der Kanzlerin, Günter Nooke, und Würdenträgern aus Kamerun vor dem Gutshaus in Klingewalde. So berichtete der Spiegel. © Spiegel

So weit, so schlecht. Wie kommt dann aber Professor Matthias Theodor Vogt aufs Spiegel-Foto für den Beitrag über den Kongo? Das Nachrichtenmagazin gibt Twitter als Quelle für das Foto, genauer Fred-Eric Essam. Er stammt aus Kamerun, ist Manager. Das Foto teilte er offensichtlich nach einem Besuch von elf Königen aus Afrika, aus Kamerun und Benin, in Görlitz. Das war 2018. Und das Bild hat mit dem Kongo so gar nichts zu tun. Es entstand vor dem Gutshaus in Klingewalde.

Damals hatten Könige aus Kamerun und Benin zweieinhalb Tage Sachsen besucht, davon einen in Görlitz. Sie waren auch im Institut für kulturelle Infrastruktur zu Gast. Das hatte für den Besuch in der Stadt die Organisation inne.

Bild stammt vom Königsbesuch im Jahr 2018

"Bei dieser Gelegenheit war Günter Nooke, der mit den Königen hochinteressante Projekte besprochen hat, Gast", so Matthias Theodor Vogt gegenüber der SZ. Er ist sichtlich verärgert darüber, wie er im Spiegel in den Zusammenhang mit der "Kongo-Connection" gebracht wurde.

"Mit dem Inhalt des Artikels - Inga III - hat das völlig gegenstandslos dazu komponierte Foto und haben weder die afrikanischen Würdenträger noch ich irgendetwas zu tun, das ist ausgesprochen schlechter Bildjournalismus", so der Professor.

Am liebsten wäre es Matthias Theodor Vogt wohl, wenn die SZ das Thema gar nicht erst aufgreifen würde. Der Spiegel habe mit dem Foto eine falsche Fährte gelegt und die Anfrage der SZ zeuge von den "völlig falschen Assoziationen, die das Bild in diesem Kontext auslöst".

Bleibt die Frage nach dem Leipziger Unternehmer. Immerhin hat ein Leipziger das Gutshaus in Klingewalde gekauft. Ist es etwa jener Gernot Wagner, der im Spiegel so fragwürdig dargestellt wird? Nein, so Matthias Theodor Vogt. Das Haus gehört inzwischen immer noch Nicolas Schulmann, Vorstand der Fio Systems AG, einer IT-Firma aus Leipzig. Er kaufte das Haus offensichtlich als Wertanlage.

Spiegel legte "falsche Fährte"

Dass es aber überhaupt saniert wurde, das ist Matthias Theodor Vogt zu verdanken. Er kam 1997 mit seinem Kollegen Matthias Munkwitz nach Görlitz. Sie gründeten den Studiengang Kultur und Management. Zunächst zogen sie ins Gästehaus des "Schlosses". Damit die Sanierung des 1544 gebauten Hauses dann funktionierte, nahm Matthias Theodor Vogt eine persönliche Bürgschaft über 1,5 Millionen D-Mark auf. Sein Institut für kulturelle Infrastruktur erwarb das Haus.

Später versuchte er es bei Auktionen zu verkaufen, Mindestgebot 465.000 Euro, ohne Erfolg. Über einen Makler kam er mit Nicolas Schulmann in Leipzig in Kontakt. Der kaufte es dann 2017. Und Matthias Theodor Vogt war nach 19 Jahren von seiner persönlichen Bürgschaft befreit.

Er selbst lebt als im Mieter im Obergeschoss, im Gästehaus Studenten, die Hochschule nutzt Büros und Säle im Parterre.

Die Irritationen, die der Spiegel-Bericht, beziehungsweise das Foto, ausgelöst haben, seien beträchtlich, sagt Matthias Theodor Vogt. Und er betont: Weder Günter Nooke noch Gernot Wagner haben mit dem Gutshaus in Klingewalde etwas zu tun. Letzteren kenne er gar nicht.

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