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Görlitz will klare Regeln für Touristenbusse

Immer mehr Firmen bieten Stadtrundfahrten an. Doch die Standplätze sind rar, zwischen Konkurrenten gibt es Streit.

In Görlitz bieten verschiedene Unternehmen Stadtrundfahrten mit Bussen an. Zum Beispiel konkurrieren der Stadtschleicher (blaues Fahrzeug) und der Görliwood-Bus (rot).
In Görlitz bieten verschiedene Unternehmen Stadtrundfahrten mit Bussen an. Zum Beispiel konkurrieren der Stadtschleicher (blaues Fahrzeug) und der Görliwood-Bus (rot). © André Schulze

Bisher war alles so schön einfach am Görlitzer Obermarkt. Stadtrundfahrten mit Bussen starteten am östlichen Teil des Platzes, die Busse konnten vor der Dreifaltigkeitskirche und dem Napoleonhaus halten, Standgebühren oder Wartezeitbegrenzungen gab es nicht. All das war auch nicht nötig, denn die Zahl der Anbieter war niedrig. Alles funktionierte ohne Regeln.

Das hat sich dieses Jahr geändert, denn es kamen neue Anbieter dazu, darunter der rote Görliwood-Bus, der vor allem wegen seiner enormen Größe nicht nur Freunde fand. Mindestens sechs Unternehmen konkurrieren inzwischen um die Standplätze, zwei von ihnen in heftigem Streit. Für Altstadt-Anwohner Kurt Bernert geht das zu weit. „Auf dem Obermarkt stehen jetzt bis zu acht Busse“, sagte er in der Fragestunde im Stadtrat: „Die Busse verschandeln den Platz immer mehr.“ Er schlug vor, dass die Fahrzeuge zum Beispiel am Kaisertrutz parken könnten. Bürgermeister Michael Wieler erklärte daraufhin, dass sich auch die Stadtverwaltung darüber Gedanken mache und es demnächst eine Gesprächsrunde mit den Anbietern geben solle.

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Neue Regelung ab März 2021

Am Mittwoch hat diese nun stattgefunden. Der Vorschlag der Stadt: „Wir wollen ab 15. März 2021 verschiedene Standplätze für ein Jahr anbieten“, sagt Bauamtsleiter Torsten Tschage. Bei einer Interessenbekundung könne sich jedes Unternehmen auf einen Standplatz bewerben. Den kann es dann ganz allein nutzen – oder in Eigenverantwortung zu den gleichen Konditionen an Mitbewerber unterverpachten. Der Preis ist moderat: 50 Cent pro Quadratmeter und Monat. „Wir haben uns nach dem aktuellen Gebührenkatalog gerichtet“, sagt Tschage. Ebenfalls wichtig: Abgesehen von Pferdekutschen darf niemand lange auf seinem Stellplatz parken. Es gilt ein Maximum von 15 Minuten vor Beginn der Stadtrundfahrt bis 15 Minuten nach deren Ende.

Die Stadt plant eine Trennung nach Antriebsarten: Auf Obermarkt und Klosterplatz soll es vier Standorte für Busse mit Verbrennungsmotor geben, auf dem Untermarkt zwei Stellplätze für reine Elektrofahrzeuge und auf der Fleischerstraße, vor dem Weihnachtshaus, zwei Plätze für Pferdekutschen. Das hat unterschiedliche Gründe. Die Anbieter mit Elektrofahrzeugen hatten sich selbst nach dem Untermarkt erkundigt. Die Stadt hat das geprüft und zwei passende Standorte gefunden. Beide befinden sich vor dem Rathaus auf der Flüsterbogenseite des Platzes – also da, wo bei großen Festen die Bühne steht.

Kutschen sollen in die Fleischerstraße

Die Fleischerstraße hat das Problem, dass Busse dort nicht wenden können – Pferdekutschen aber sehr wohl. Das ist der Grund, warum die Kutschen dort stehen sollen. „Zudem sind die Kutschen damit weiterhin sehr nahe an der Fußgängerzone Brüderstraße“, erklärt Tschage.

Jeder Anbieter kann sich auf jeden Standplatz bewerben, sagt er. Allerdings ist das eher Theorie. In der Praxis sind viele Standplätze auf einen konkreten Anbieter zugeschnitten. Für den Görliwood-Bus eignen sich die drei Obermarkt-Standplätze nicht, weil er zu groß ist, um in der Spitzkehre wenden zu dürfen. Für ihn passt somit nur der Stellplatz am Klosterplatz, vor dem AOK-Gebäude. Und der Stadtschleicher ist nicht so groß, aber sehr lang. Für ihn ist nur der Stellplatz vor der Dreifaltigkeitskirche lang genug. Vor dem Napoleonhaus gibt es zwei weitere Stellplätze für Anbieter mit kleineren Fahrzeugen.

Stadtschleicher hat gute Chancen

Die Firmenchefs werten den Vorschlag sehr unterschiedlich. Hans-Ulrich Koinzer von Stadtrundfahrten Koinzer gibt sich gelassen: „Es bleibt alles, wie es ist, die Busse werden nur neu sortiert“, sagt er. Ingo Menzel vom Stadtschleicher kann sich freuen, dass er gute Chancen hat, auf seinem Stammplatz vor der Dreifaltigkeitskirche zu bleiben. Den Görliwood-Bus fände er aber woanders viel besser aufgehoben: „Vor dem Kaufhaus, denn das ist der wichtigste Filmdrehort.“ Die Kutschen findet er in der Fleischerstraße zu abseits, zudem sei die Zugluft dort nicht gut für die Pferde. „Die Kutschen sind eine Attraktion, die sollten nicht im Abseits stehen“, findet er.

Sein Konkurrent Stefan Menzel, der unter anderem den Görliwood-Bus betreibt, lobt den Ansatz, dass auch künftig für alle Anbieter Platz sein soll: „Allerdings ist die Attraktivität der Stellplätze unterschiedlich.“ Die Gebühr findet er viel zu gering. Stefan Menzel hätte ein Bieterverfahren besser gefunden: Wer am meisten zahlen will, bekommt den besten Platz. Er will sich die Bedingungen jetzt noch einmal genau anschauen: „Dann werden wir schauen, worauf wir uns bewerben.“

So richtig enttäuscht ist Axel Gürntke aus Radeburg, der die Kutschfahrten anbietet. Zu dem Treffen am Mittwoch sei er nicht eingeladen worden. Einer seiner Mitarbeiter habe aber davon erfahren und sei hingegangen. „Vom Obermarkt in eine Seitenstraße umziehen will ich nicht“, sagt er. Da würde sich der Betrieb für ihn nicht mehr lohnen. Mit seinem jetzigen Platz hingegen sei er zufrieden. Axel Gürntke würde sich wünschen, dass die Stadt ihn zu einem Vor-Ort-Termin einlädt, immerhin sei er seit acht Jahren hier aktiv. „Wenn ich künftig einen schlechteren Platz kriege als bisher und dafür dann auch noch eine Gebühr zahlen soll, dann verlasse ich Görlitz und gehe in eine andere Stadt“, sagt er.

Eva Wittig von der Europastadt GmbH, die ebenfalls an dem Gespräch teilgenommen hat, hofft, dass sich eine Lösung findet, mit der alle gut leben können. „Mir sind vor allem Transparenz und eine gute Übersichtlichkeit für die Gäste wichtig“, sagt sie. Die Mitarbeiter müssen die Touristen schließlich gezielt zu den Abfahrtsorten schicken können: „Da wollen wir, dass alles eindeutig geklärt ist.“

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