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Stadttaube auf dem Weg zum Titel

Erstmals wird der Vogel des Jahres öffentlich gewählt, der Außenseiter führt. Das Görlitzer Rathaus sieht kein Problem mehr mit dem ungeliebten Federvieh.

Ein Siegerpaar? Tauben auf dem Geländer des City-Centers gegenüber dem Kaufhaus.
Ein Siegerpaar? Tauben auf dem Geländer des City-Centers gegenüber dem Kaufhaus. © SZ/Matthias Klaus

Wie auf einer Schnur aufgereiht und eng beieinander sitzen sie auf dem Dachfirst der Frauenkirche, schauen alle in eine Richtung: Stadttauben. In Görlitz sind sie im Straßenleben so präsent, dass man sie zwar sieht, aber nicht wahrnimmt. Möglich, dass das demnächst anders wird. Denn die gemeine Stadttaube könnte sich bald mit einem Titel schmücken.

Der Naturschutzbund Nabu hat zur ersten öffentlichen Wahl des Vogels des Jahres 2021 aufgerufen. Bisher wurde dabei meist auf gefährdete Arten wie Goldregenpfeifer, Weißstorch und Kiebitz aufmerksam gemacht. Aber seit jeder mitmachen darf, ist das ganz anders. Die Top 10 der Vögel steht seit Dezember, 130.000 Mal wurde abgestimmt und zur Überraschung der Naturschützer führt ausgerechnet die Stadttaube. Die ungeliebte "Ratte der Lüfte", wie sie zuweilen abschätzig genannt wird, auf dem Weg zum Titel?

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Rathaus: Taubenzahl in Görlitz hat nicht zugenommen

In der Görlitzer Innenstadt hat die Taubenzahl nicht zugenommen, dazu gibt es keine generellen Erkenntnisse, heißt es aus dem Rathaus. Störend treten sie nur an einzelnen Gebäuden in Erscheinung. Dann, so Stadtsprecherin Sylvia Otto, sei der Hauseigentümer gefragt, um Belästigungen entgegenzuwirken. Allerdings wirken die "Vergrämungsmaßnahmen" nur, wenn die Tauben nicht gefüttert werden.

Da kommt die Görlitzer Polizeiverordnung ins Spiel. "Wildtauben und verwilderte Haustauben dürfen nicht gefüttert werden", heißt es dort. Und in der Erklärung dazu: "Das Verbot der Taubenfütterung ist die einzig wirksame und tiergerechte Möglichkeit den Bestand niedrig zu halten beziehungsweise zu verringern."

Dabei gab es in der Vergangenheit durchaus auch andere Ansätze in Görlitz, einer unkontrollierten Vermehrung der wilden Tauben entgegenzuwirken. Weil Großvermieter und auch Anwohner in Weinhübel und Königshufen zunehmend von wilden Tauben und ihren Hinterlassenschaften genervt waren, wurde 2017 mit großem Tamtam das Projekt Taubenturm in Angriff genommen. Zunächst war ganz bescheiden einer geplant.

Projekt Taubenturm in Görlitz gescheitert

Taubenturm bedeutet: Man bietet den Tieren eine Brutmöglichkeit, also den Taubenturm. Und jemand muss die echten Eier regelmäßig herausnehmen und durch Ton-Eier ersetzen, um das weitere Vermehren zu unterbinden. Zudem muss gefüttert, kranke Tiere entnommen werden.

Letztendlich versank das Vorhaben so schnell wieder in der Vergessenheit, wie es aufgetaucht war. "Das Projekt Taubentürme wurde aus Kostengründen im Zusammenhang mit den ungewissen Erfolgsaussichten nicht weiter verfolgt", so Sylvia Otto. In öffentlichen Bereichen gebe es in der Stadt daher keine Taubentürme und auch auf privatem Grund seien der Stadt keine bekannt.

Aber wie es ja scheint, haben die Tauben das mit der Vermehrung ja sowieso selbst im Griff. So oder so: Ab 18. Januar fällt jedenfalls die Entscheidung. Dann könnte die Stadttaube erstmals positive Schlagzeilen machen, als "Vogel des Jahres".

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