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Von der Sonderkommission zur Revierchefin

Susanne Heise war Leiterin der Soko Argus und steht jetzt dem hiesigen Polizeirevier vor. Die Thüringerin mag den Job, die Oberlausitz - und Herausforderungen.

Susanne Heise ist die neue Leiterin des Polizeireviers Görlitz.
Susanne Heise ist die neue Leiterin des Polizeireviers Görlitz. © André Schulze

Das Bürofenster steht weit offen. Vorbildliche Lüftung in diesen Corona-Zeiten. "Naja, manchmal ist es ein bisschen frisch", sagt Susanne Heise. Aber meistens lüftet sie in der Zeit, in der sie im Haus unterwegs ist. Und das ist sie sehr oft, die neue Chefin des Polizeireviers auf der Görlitzer Gobbinstraße.

Bis jetzt hatte sich Susanne Heise eher der grenzüberschreitenden Kriminalität verschrieben. Sie war Leiterin der Sonderkommission Argus. Nun also die Leiterin des Reviers Görlitz-Niesky. Erstmals steht eine Frau der Behörde vor. Ein Karrieresprung? Susanne Heise lacht. "Polizeipräsident Manfred Weißbach hat mich angesprochen, ob ich mir vorstellen könnte, die Stelle zu übernehmen. Wer sagt da schon nein?", erzählt sie.

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Die Corona-Schutzimpfung ist gestartet. Zunächst allerdings nur für Menschen, die zur Gruppe der höchsten Priorität gehören.

Erinnerungen an die Soko Argus

Wobei, ganz so leicht sei ihr der Wechsel dann doch nicht gefallen. Die Soko Argus, sie hat sie gern begleitet. "Da hängt schon ein bisschen das Herz dran. Aber ich bin auch nicht todtraurig über den Wechsel", sagt Susanne Heise. Obwohl, sie hätte die Sonderkommision doch gern noch auf dem weiteren Weg begleitet.

Die 39-Jährige kommt aus Thüringen, geboren und aufgewachsen in der Nähe von Nordhausen und hat in Görlitz ihr Zuhause gefunden. Für den Polizeiberuf habe sie sich schon immer interessiert und sich deshalb entsprechend beworben. "In Thüringen und drumherum", schmunzelt sie. Drumherum, das war in dem Fall auch Sachsen. Und von hier kam auch eine Zusage. 2003 startete sie ihr Studium an der Fachhochschule in Rothenburg, 2006 fand sich Susanne Heise im Streifendienst wieder, wurde schnell zur Dienstgruppenführerin.

Im Rahmen von Urlaubsvertretungen konnte sie sich immer wieder mit Führungspositionen vertraut machen. Drei Jahre arbeitete Susanne Heise als Pressesprecherin für die Polizeidirektion. Sie qualifizierte sich an der Hochschule Münster für den höheren Dienst.

Dann kam die Soko Argus. "Es war relativ spontan, dass sie eingerichtet wurde", erinnert sich Susanne Heise. Sie war gerade mit dem Studium fertig und die Argus stand in den Startlöchern. "Ich habe also niemandem den Platz weggenommen", sagt sie. Ein flächenmäßig großes Revier, das dreifache Personal als bei der Soko, 190 Kolleginnen und Kollegen - leicht habe sie sich die Entscheidung zur Chefin zu werden nicht gemacht. "Mir ist schon bewusst, was das an Arbeit bedeutet und was es für eine Herausforderung ist", sagt Susanne Heise.

Wenig Zeit für Hobbys

So einen richtigen Einstand hat sie als Chefin im Revier noch gar nicht geben können - wegen Corona. "Ich hole das bestimmt nach", verspricht die Revierleiterin.

Susanne Heise hat zwei Kinder. Ihr Mann ist ebenfalls als Polizist tätig, allerdings nicht bei der Landespolizei. "Der Umzug nach Görlitz war eine Mischung aus Beruf und der Liebe wegen", lacht sie. Bereut hat es Susanne Heise keinesfalls, sie hat sich gut eingelebt, sagt sie. Für Hobbys bleibt wenig Zeit. Job, Familie nehmen die Revierleiterin in Anspruch. "Wenn es passt, jogge ich gern mal an der Landeskrone", sagt sie.

Und ist dann auch schon wieder beim Thema Beruf. Erst vor kurzem hatte sie ihren Antrittsbesuch beim Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu. Demnächst will Susanne Heise auch noch andere Kommunen im Revierbereich besuchen.

Wie steht es denn um die Kriminalitätsrate in Corona-Zeiten im Revier, ist sie mit dem faktischen Aus des kleinen Grenzverkehrs vielleicht weniger geworden? "Nein", sagt Susanne Heise. Die Eigentumskriminalität etwa bewege sich trotz Pandemie auf gleichbleibendem Niveau, gerade in Görlitz. "Die Zahlen sind in den vergangenen Wochen nicht gesunken", sagt sie. Gerade Fahrräder werden weiterhin gestohlen, wie in Vor-Pandemie-Zeiten.

Kriminalitätsrate nicht gesunken

Die Arbeitsbelastung der Kolleginnen und Kollegen ist hoch. Mit der aktuellen Personalzahl könne sie gut arbeiten. "Natürlich könnten es immer mehr Mitarbeiter sein", sagt Susanne Heise. Aber sie sieht die Situation optimistisch. Der Polizeiberuf scheint gefragt, immer wieder sind Praktikanten im Revier unterwegs.

Die Chefin selbst plant mit einer längeren Zeit als solche. "Fünf Jahre plus x", sagt Susanne Heise. Es dauere schließlich seine Zeit, bis man merke, wie es im Revier laufe, wo man an Stellschrauben drehen muss. "Das geht nicht nach kurzer Zeit. Man kann erst drehen, wenn man weiß, wo", sagt sie.

Polizistin, Polizist - in den heutigen Zeiten sicher kein einfacher Job. Anfeindungen bis hin zu tätlichen Angriffen auf Beamte sind gerade in manchen großen Städten an der Tagesordnung. "Die Akzeptanz der Polizei ist hier bei uns noch eine relativ hohe", sagt dazu Susanne Heise. Ja, die Beamten im Dienst merken, die Stimmung ist, gerade wegen Corona, angespannt. "Nicht jede Kontrollmaßnahme stößt da unbedingt auf Gegenliebe", sagt Susanne Heise. Dennoch, sie mag ihren Job. Vielleicht auch gerade, weil er sie vor Herausforderungen stellt.

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