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Schnellbootkapitän neben Supertanker

Sven Mimus ist Geschäftsführer der Kreis-Entwicklungsgesellschaft Eno. Eigentlich wollte er den Job nur zehn Jahre machen. Nun sind es schon 15.

Sven Mimus mit Hund Luna.
Sven Mimus mit Hund Luna. © Nikolai Schmidt

Der Tag beginnt mit Luna. Der Hund muss raus, egal wie das Wetter ist, egal wie man drauf ist, egal ob es Corona gibt oder nicht. Kein Problem für Sven Mimus. Dreiviertel sechs steht er auf, versucht, den Sohn, "den Großen", munter zu bekommen, schaut nach ersten E-Mails, schafft Tochter und Sohn in die Schule und dann ist da natürlich Luna. Ein typischer Start in den Tag. Sven Mimus ist Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Niederschlesische Oberlausitz (Eno). "Ich bin angekommen", sagt er.

Angekommen, damit meint Sven Mimus die Familie, den Job, sein Leben. Frau Stefanie, Steffi, wie Sven Mimus sie nennt, ist Apothekerin, das Paar, Kinder und Hund wohnen in Kodersdorf. Derzeit arbeitet Sven Mimus pandemiebedingt viel zu Hause. Gegen neun ist er in seinem Home-Office und für die Kollegen da. "Die Eno", sagt er, "ist für mich so etwas wie ein drittes Kind."

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Urlaub zu viert mit Hund im VW-Bus

Corona hat viel verändert, auch im Mimus'schen Familienleben. Zum Beispiel den Urlaub. Im Februar, als Corona noch nicht in den Nachrichten in Dauerschleife lief, war ein Skiurlaub drin. "Wir hatten Glück und uns ein paar Tage in Spindlermühle auf die Bretter gestellt", sagt Sven Mimus. Für den Sommer war da noch nichts geplant. "Obwohl, der Plan sah so aus: Wir machen einfach mal nichts", erzählt Sven Mimus.

Die Eltern hatten allerdings nicht damit gerechnet, dass die Kinder die Idee nicht so prickelnd fanden. Sie wollten weg, verreisen. Schwierig in diesen Zeiten aber nicht unmöglich. "Ich habe im Internet noch einen VW Bulli bei einem Anbieter in Berlin zum Ausleihen gefunden. Mit dem sind wir dann eben los", sagt Sven Mimus. Von Kodersdorf aus ging es Richtung Ostsee, mit Halt im Spreewald, an der mecklenburgischen Seenplatte.

Vier Personen und Luna in einem Bulli - das hat auf den angesteuerten Stellplätzen selbst erfahrene Wohnmobil-Urlauber ins Grübeln gebracht. "Wir wurden schon mal gefragt, wie das klappt in dem relativ kleinen Auto", lacht Sven Mimus. Und so klein sei der VW ja auch gar nicht gewesen. Das Dach ging auszustellen, da gab es zusätzlichen Raum. Ja, kann man schon mal machen, so einen Urlaub, ist das Fazit. Aber eben nicht immer. In den Herbstferien stand dann ein Umbau in der Apotheke der Ehefrau an, da hatte sich verreisen sowieso erledigt.

Schnellboot neben Tanker-Kreis

Sven Mimus ist dieses Jahr 40 geworden. "Passe ich da überhaupt noch in eure Serie Junge Macher?", fragt er. Ja, schon, auch wenn sein Team im Schnitt jünger ist als er. Es sei seine Generation, die jetzt Verantwortung übernehmen muss, findet Sven Mimus. Sein Arbeitsalltag, nicht unbedingt planbar. Er mag das. "Ich bin nicht so der Typ, der früh aufsteht, auf Arbeit geht, abends heimkommt und alles ist vergessen. Ich denke eh die ganze Zeit an die Eno. Selbst beim Spazierengehen mit Luna", sagt Sven Mimus.

Geboren wurde Sven Mimus in Görlitz. Er wuchs in Rothenburg auf, ging hier aufs Gymnasium, studierte in Zittau, arbeitete in der Wirtschaftsberatung unter anderem in Köln, Düsseldorf. Als 2005 die Geschäftsführerstelle in Bad Muskau ausgeschrieben wurde, bewarb er sich. So kam er zum heutigen Chef-Job bei der Eno.

Seine Frau kennt er aus Schulzeiten. "Ich glaube, anfangs hat sie mich gar nicht so richtig wahrgenommen", verrät Sven Mimus. In der elften, zwölften Klasse dann aber funkte es - erst einmal. Denn Ausbildung, Beruf trennten die Beiden. Die Frau arbeitete zunächst in der Schweiz, kam zurück, Sven Mimus auch, sie fanden sich wieder, haben ein Haus. "Allerdings habe ich handwerklich gar kein Geschick", gesteht Sven Mimus. Deshalb sei es sehr günstig, das die handwerklich begabtere Verwandtschaft sozusagen gleich um die Ecke wohnt. "Das macht sich echt gut, wenn man SOS funken kann und jemand kommt schnell, um zu helfen", schmunzelt er.

SOS - das gab es bei der Eno noch nicht. "Wir sind das Schnellboot, dass neben dem Supertanker Landkreis fährt, um schnell Aufgaben zu übernehmen und zu erledigen", schildert Sven Mimus. Bildung, Standortmarketing, Tourismus, Wirtschaftsförderung, Liegenschaften - darum kümmert sich die Eno unter anderem. Sternradfahrt, Insidertreff, Flugplatz Rothenburg, Schlesisch Oberlausitzer Museumsverbund - einige der Themen, mit denen sich die Eno-Mitarbeiter beschäftigen. "Die Eno", sagt Sven Mimus, " ist heute eine ganz andere als vor ein paar Jahren." Vielfältiger seien die Aufgaben geworden.

Eigentlich anderen Berufsweg im Auge gehabt

Eigentlich, so sah Sven Mimus Berufsplanung aus, wollte er spätestens nach zehn Jahren wieder etwas Neues machen. Nun ist er schon 15 Jahre Kapitän des Schnellbootes und hat es keinesfalls bereut. Natürlich habe es Rückschläge gegeben, gerade auch wegen Corona. "Aber wir sind ein tolles Team, wir haben das Vertrauen der Gesellschafter, des Aufsichtsrates", sagt Sven Mimus. Größter Gesellschafter der Eno ist der Landkreis mit 75 Prozent, außerdem die Städte Weißwasser und Bad Muskau. Derzeit hat die Eno 35 Mitarbeiter.

Die müssen sich auch schon mal dran gewöhnen, dass der Chef am späteren Nachmittag anruft. Derzeit laufen die Absprachen häufig über Videokonferenzen, Sven Mimus setzt sich aber auch ins Auto und ist bei Terminen vor Ort dabei. Aktuell sei das Klima in der Eno "sehr hibbelig", sagt er. Denn es gibt eine große Herausforderung: die Strukturentwicklung. "Wie wird der Landkreis im Jahr 2030 aussehen? Bei diesem Thema werde ich richtig warm", sagt Sven Mimus. Die nächsten Wochen, ahnt er, werden richtig spannend.

Familie steht an erster Stelle

Immer wieder sei man auf der Suche nach guten Leuten, nach Mitstreitern, etwa Absolventen der hiesigen Fachhochschule Zittau/Görlitz. "Wir brauchen Leute, die nicht in vorgeschriebenen Bahnen denken, sondern ihren eigenen Kopf haben", schildert Sven Mimus. Die Eno, sagt er, braucht eigene Produkte. Sie sei ein Dienstleister für den Kreis, für die Region.

Trotz aller Begeisterung für seinen Job: Die Familie, Frau, Kinder, kommen auch beim Geschäftsführer an erster Stelle. Zeit, die er sich nimmt. Ein paar Stunden am Nachmittag verbringt er mit Tochter und Sohn, hört sich ihre Sorgen und Nöte an. "Das muss sein, da gibt es nichts dran zu rütteln", sagt Sven Mimus. Und dann ist da natürlich noch Luna. Sie wartet schon darauf, dass Herrchen zum nächsten Spaziergang rund um Kodersdorf mit ihr aufbricht.

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