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Tauwetter bringt neues Ungemach

Bisher sind die Stadtwerke in Görlitz und Niesky gut durch die frostigen Zeiten gekommen. Aber es wird wärmer. Der Blick richtet sich auf die Flüsse.

Am Landratsamt an der Görlitzer Bahnhofstraße wird gewarnt: Das Tauwetter bringt Dachlawinen mit sich.
Am Landratsamt an der Görlitzer Bahnhofstraße wird gewarnt: Das Tauwetter bringt Dachlawinen mit sich. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Ganz langsam läuft Helene Fischer über den Marienplatz in Görlitz. Bloß nicht ausrutschen! "Es ist ja schön, dass es langsam wieder etwas wärmer wird", sagt sie. Aber das Schneemehl, dass sich jetzt in eine unberechenbare Pampe verwandelt hat, das ist auch nicht ohne für die Rentnerin.

Nach den Frostwochen kommt nun das große Auftauen im Kreis. Vom Westen her drängt wärmere Luft in die Oberlausitz. Am Dienstagnachmittag lagen die Temperaturen in Görlitz schon bei zwei Grad, plus wohlgemerkt.

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Saubere Dachrinnen, kaum Eiszapfen

Es taut, und damit kann auch neues Ungemach kommen. Dachlawinen etwa oder Eiszapfen, die von Dachrinnen abfallen. Bei der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Niesky (GWG) sieht man allerdings damit keine Probleme. Hier sind die Rinnen sauber. "Das Problem Eiszapfen taucht dann auf, wenn die Dachrinnen verstopft sind, mit Laub zum Beispiel", sagt André Holz von der Baubetreuung bei der GWG. Auch Rinnen, in denen das Wasser gefroren ist und nicht ablaufen kann, weil eventuell auch die Fallrohre dicht sind, sind zapfenanfällig.

Eiszapfen, wie am Dienstag hier in Niesky, sind eher die Seltenheit.
Eiszapfen, wie am Dienstag hier in Niesky, sind eher die Seltenheit. © André Schulze

Die Anlagen der Stadtwerke Görlitz jedenfalls haben die Frostzeiten einigermaßen glimpflich überstanden. Frostschäden gab es ausschließlich beim Trinkwasser, beispielsweise einen Rohrbruch der Hauptleitung Dittersbach, zwei kleinere Rohrbrüche in Görlitz. Eine Schadstelle am Klosterplatz wurde am 8. Februar gemeldet und ist ein verdeckter Rohrbruch. "Der Wasseraustritt ist sehr gering", so Stadtwerke-Sprecherin Belinda Brüchner. Die Wasserversorgung bleibt gewährleistet.

Stadtwerke Görlitz reparieren Trinkwasserleitung

Lediglich für die Dauer der Reparaturarbeiten – die Dienstag wegen der Witterung nicht durchgeführt werden konnten – sind nun für Freitag bei den betroffenen Abnehmern entsprechende Versorgungseinschränkungen angekündigt. "Bei den restlichen Medien haben wir bisher keine Frostschäden und somit keine Beeinträchtigungen zu verzeichnen", so Belinda Brüchner.

Bei den Stadtwerken Niesky war es hingegen noch entspannter. "Alles ist gut gelaufen, wir haben Glück gehabt", sagt der Geschäftsführer Holger Ludwig. Allerdings, gibt er zu bedenken, können Probleme gerade in Zeiten steigender Temperaturen auftreten. "Dann, wenn eingefrorene und geplatzte Wasserrohre auftauen", sagt Holger Ludwig.

Wasserstände derzeit im grünen Bereich

Es taut und das bedeutet: Das Wasser muss irgendwo hin. Droht etwa jetzt Hochwasser im Landkreis? Danach sieht es nicht aus. Von Zittau über Görlitz bis Podrosche lag der Wasserstand der Neiße am Dienstagnachmittag im grünen Bereich, jeweils an den drei Messstellen mit der Tendenz gleichbleibend. Ähnliches gilt für den Schwarzen Schöps in Boxberg. In Sproitz meldet das Landeshochwasserzentrum derzeit sogar Niedrigwasser.

Allerdings warnt die Landestalsperrenverwaltung Sachsen vor dem sogenannten Eisversatz. Der kann entstehen, wenn sich große Eismassen in Bewegung setzen. Dabei schieben sich die ankommenden Eisschollen auf das bereits vorhandene Eis darauf oder darunter. Das Eis türmt sich auf und kann den Abflussquerschnitt enorm einschränken oder ganz verschließen, heißt es von der Landestalsperrenverwaltung.

Talsperrenverwaltung warnt vor Eisschollen

Die Folge können dann schnell ansteigende Wasserstände sein. "Solche Eisbarrieren können aber auch spontan durchbrechen. Dadurch kann es im Unterlauf zu einer Flutwelle kommen", so die Behörde.

Ob es dazu kommt - fraglich. In den kommenden Tagen sollen die Temperaturen weiter steigen. Und falls doch noch ein Wintereinbruch kommt - wider Erwarten? Reicht denn dann Salz und Split für die Straßen im Landkreis?

"Die Versorgung der Straßenmeistereien ist gesichert, es bestehen keine Engpässe", sagt Landratsamtssprecherin Julia Bjar. Die Vorräte werden ständig nach Bedarf aufgefüllt. Es könne, so lange der Winter dauert, in erforderlichem Maße gestreut werden. Die Technik werde zudem laufend gewartet und im Bedarfsfall instandgesetzt. Ausfälle gibt es derzeit keine und einen erhöhten Krankenstand in den Straßenmeistereien auch nicht.

"Hauptsache", sagt Frau Fischer derweil auf dem Marienplatz, "es gefriert nicht wieder." Dann würde sie doch lieber Zuhause bleiben und sich das Essen, wegen dem sie eigentlich unterwegs ist, liefern lassen. "Mehr gibt es ja in diesen Zeiten nicht, wo man groß hingehen kann", sagt sie.

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