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Bund bremst Medikamente für Zootiere

Tierparkbewohner bekommen nicht die optimale medizinische Versorgung, bemängeln Zoochefs im Kreis. Eine Änderung per Gesetz steht aber aus.

Yak am Boden: Der Görlitzer Tierparkchef Sven Hammer (rechts) und seine Mitarbeiter haben Mühe, das Tier unter Narkose zu bändigen.
Yak am Boden: Der Görlitzer Tierparkchef Sven Hammer (rechts) und seine Mitarbeiter haben Mühe, das Tier unter Narkose zu bändigen. © Zoo Görlitz

Kann man ein Yak essen? Eigentlich schon. Es handelt sich immerhin um robuste Nutztiere, eine Rinderart, die in Zentralasien Fleisch, Wolle, Leder liefert. Es gibt das Hausyak und die vom Aussterben bedrohte wilde Art. Würde jemand auf die Idee kommen, ein solches Yak, das seit vielen Jahren im Görlitzer Zoo lebt, bedroht ist, zu verspeisen? Wohl eher nicht.

Aber gerade mit diesem Problem schlägt sich derzeit der hiesige Direktor des Naturschutztierparks Görlitz herum. Denn Yak und Co. gelten nach deutschem Recht als Nutztiere. "Und als solche darf ich sie nur im Fall des Falles mit Medikamenten behandeln, die in Deutschland für Nutztiere zugelassen sind und damit wahrscheinlich Menschen nicht schaden würden. Haben Sie die mal einem ausgewachsenen Yakbullen gegeben, um ihn in Narkose zu versetzen? Der lacht darüber", ärgert sich Sven Hammer.

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Hintergrund des Ganzen: Ab kommenden Jahr muss ein EU-Recht in nationales Recht umgesetzt werden. Voraussichtlich nächste Woche wird ein neuer Entwurf des Bundeslandwirtschaftsministeriums zum wiederholten Mal im Bundestag behandelt. Darin steht auch das Verbot, Medikamente für die Zootiere aus Ländern außerhalb der EU einzuführen und viele Zootiere als potenzielle Lebensmittel einzuordnen. "Auch wenn die hoch bedroht sind und niemals dem menschlichen Verzehr zugeführt werden", sagt Sven Hammer.

Seit Jahren, schildert Sven Hammer, steht das Thema immer wieder beim Bundeslandwirtschaftsministerium auf dem Plan, getan habe sich bisher nichts. Gerade für den Tierpark Görlitz, der sich ja unter anderem der Zucht von bedrohten Nutztierarten verschrieben hat, ist das ein Problem. Denn viele Bewohner gelten hier nach der aktuellen und wahrscheinlich auch kommenden Rechtsprechung als Tiere mit der Möglichkeit zum Verspeisen durch den Menschen, egal ob Yak oder Schwein.

Problem besteht seit 20 Jahren

"Das ist ein ganz bewusst in Kauf genommener Rückschritt für den Tierschutz", sagt Sven Hammer. Der Görlitzer Tierparkdirektor ist zudem Präsident des Verbandes der Zootierärzte in Deutschland. Der wiederum fordert gemeinsam mit dem Verband der zoologischen Gärten schon seit Längerem eine Ausnahmeregelung.

Gert Emmrich, Chef des Weißwasseraner Tierparks, kennt das Problem. "Größere Tiere in Narkose zu bringen, mit Medikamenten, die nur für Nutztiere zugelassen sind, ist schon schwierig", sagt er. Gert Emmrich bestätigt damit die Bedenken seines Görlitzer Kollegen. "Ich bin allerdings auch kein Zootierarzt, darf maximal eine Betäubung machen", so der Tierparkchef in Weißwasser. Anders sieht das im Süden des Landkreises aus. "Wir hatten mit dem Thema bisher noch nichts zu tun", sagt Andreas Stegemann, Direktor des Zittauer Tierparks.

Gert Emmrich aus Weißwasser jedenfalls wäre sehr dafür, für Tierparktiere das gesamte Spektrum an Arzneimitteln auszunutzen, die es auf dem Markt gibt. "Für Reitvereine geht das ja auch", sagt er.

Tatsächlich sind Pferde- und Kleintierhalter in diesem Fall einen Schritt weiter. Es gibt den sogenannten Equidenpass oder eine Haltererklärung, dass die Tiere nicht der Lebensmittelgewinnung dienen. So etwas stellt sich Sven Hammer auch für die Zootiere vor. "Die Reitvereine haben richtig Druck gemacht", sagt er. Allerdings stößt Sven Hammer mit den Bemühungen um Zootiere bisher auf taube Ohren.

Illegale Medikamente wären möglich

Denn eine entsprechende Lösung gebe es aber im neuen Entwurf aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium nicht, "trotz intensiver Beratung durch entsprechende Fachkreise". Natürlich, sagt der Görlitzer Tierparkchef, gebe es in Zeiten offener Grenzen durchaus Möglichkeiten, sich mit Medikamenten für Tiere aus Nicht-EU-Ländern zu versorgen. "Eine kleine Reise durch halb Europa reicht", sagt er bitter. Und: "Entweder handelt der Tierarzt nach bestem Wissen und Gewissen und steht mit mindestens einem Bein im Gefängnis oder er riskiert ganz bewusst das Wohlbefinden und Leben seiner Patienten und Mitarbeiter."

Er habe gedacht, so der Görlitzer Tierparkdirektor, "der Tierschutz wäre seit fast 20 Jahren im Grundgesetz als Staatsziel in Deutschland festgeschrieben." Zootierärzte in Deutschland, gibt Sven Hammer zu bedenken, behandeln vom winzigen Pfeilgiftfrosch bis zum Elefanten alle Tiere. "Da müsste es doch klar sein", sagt er, "dass es auch unterschiedliche Medikamente geben muss."

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