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Vergisst Görlitz seine Parks und Wälder?

Einige Anlagen sind top gepflegt, andere eher vernachlässigt. Das zuständige Amt vermisst einen Aufschrei der Görlitzer.

Christoph Kretzschmar (links) und Philipp Weise von der Firma Holzgestalten aus Ostritz sitzen vor der neuen Panorama-Tafel am Aussichtspunkt Pfaffendorfer Blick auf der Landeskrone. Sie wurde voriges Jahr im Mai errichtet.
Christoph Kretzschmar (links) und Philipp Weise von der Firma Holzgestalten aus Ostritz sitzen vor der neuen Panorama-Tafel am Aussichtspunkt Pfaffendorfer Blick auf der Landeskrone. Sie wurde voriges Jahr im Mai errichtet. © Nikolai Schmidt

Für den blühenden Post- und Wilhelmsplatz bekommen die Stadtgrün-Mitarbeiter im Görlitzer Rathaus regelmäßig viel Lob. Auch die Sanierung von großen Teilen des Stadtparks und, zuletzt, des Parks des Friedens unweit der Hochschule, sorgen bei den Görlitzern für Begeisterung.

Doch in vielen Görlitzer Anlagen ist das Bild ein ganz anderes, etwa am Weinberg, über den die SZ am Wochenende ausführlich berichtet hat. Dort sind Wege holprig, Aussichten zugewachsen, eine Brücke nicht mehr vorhanden. „Ich wundere mich, warum die Görlitzer das so hinnehmen“, sagt Christian Freudrich, der im Görlitzer Rathaus für die Parks und Grünanlagen zuständig ist. Er vermisst einen Aufschrei der Görlitzer – so, wie sie sich zu Wort melden, wenn es um kaputte Straßen geht. So fragt er sich schon manchmal, ob den Leuten die Parks nicht wichtig sind.

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Der Weinberg ist nämlich bei Weitem nicht das einzige Sorgenkind. „Landeskrone, Lönscher Park, Birkenwäldchen, Kreuzkirchenpark, Kidrontal – überall müsste etwas getan werden, aber es fehlt am Geld“, sagt Freudrich auf SZ-Nachfrage. Selbst der Ölberggarten ist noch nicht fertig, dort wartet noch die Teichsanierung. Auch ein Hauptweg müsste erneuert werden. Andere Wege sind zum Teil gar nicht mehr da, sie müssten komplett neu gebaut werden.

Insgesamt hat Görlitz 148 Hektar öffentliche Grünanlagen, sieben Hektar Spielplätze (43 Plätze), 23 Zierbrunnen, 38 Denkmale, 18 Hektar Straßenbegleitgrün und 6.000 Straßenbäume. 1904 hatte Görlitz sogar den höchsten Pro-Kopf-Anteil an öffentlichen Grünanlagen in Deutschland.

Grünanlagen sind heute auch Naherholungsgebiet

Heute sind Görlitzer Grünanlagen Naherholungsgebiet, Kulturdenkmal, Spiel- und Erlebnisraum, Lebensstätten heimischer Flora und Fauna, Touristenmagnet und ökologische Nische. Doch für die Unterhaltung der Grün- und Parkanlagen stehen 2021 nur 135.000 Euro bereit. Nächstes Jahr sind es rund 30.000 Euro mehr, weil der neue Brautwiesenpark dazukommt. In dieser Summe ist alles drin – von der Landeskrone bis zur Wechselbepflanzung auf Post- und Wilhelmsplatz, von der Grünpflege bis zu Wegereparaturen. Dazu kommen pro Jahr noch 20.000 Euro für die Unterhaltung der Ausstattung, also von Bänken, Pollern, Pergolen und Pflanzkübeln.

Exakt null Euro in den Jahren 2021 und 2022 stehen hingegen bei den Haushaltspositionen Investitionen in Grün- und Parkanlagen sowie in deren Ausstattung. Anders gesagt: Für Reparaturen ist etwas Geld da, aber um einen neuen Weg anzulegen oder eine längst eingefallene Brücke wieder aufzubauen, gibt es null Euro. Grund ist die schwierige Haushaltslage der Stadt. Das Geld reicht nicht für alles, unter anderem auch die Parks fallen deshalb meist hinten runter.

Im Kreuzkirchenpark wurden 2016 einige Wege saniert. Seither ruhen die Arbeiten, obwohl noch viel zu tun wäre.
Im Kreuzkirchenpark wurden 2016 einige Wege saniert. Seither ruhen die Arbeiten, obwohl noch viel zu tun wäre. © Pawel Sosnowski/80studio.net

„Im Kreuzkirchenpark zum Beispiel ist das deutlich zu sehen“, sagt Freudrich. Fünf Jahre ist es her, seit dort ein Teil der Wege saniert wurde. Danach blieben die Arbeiten einfach stehen, obwohl es noch mehr Wege in miesem Zustand gibt. „Wir bräuchten 20.000 Euro für den steilen Weg ganz außen und dann vielleicht noch einmal 20.000 Euro für den nächsten Querweg“, sagt Freudrich. Doch das Geld sei nicht da, weil es niemand in den Haushalt eingestellt hat. Würden die Bevölkerung und letztlich der Stadtrat aufschreien, sähe das ganz anders aus. Im Birkenwäldchen, wo Freudrich den Teich gern wieder zum Teich machen würde, ist es das Gleiche.

Wege zum Bismarckturm sind marode

Und die Landeskrone? „2001 hat eine Tiefbaufirma unter Mitwirkung von ABM-Kräften den Treppenaufgang über die Lindenallee saniert“, sagt Freudrich. Der sei deshalb in einem guten Zustand. Aber beispielsweise die Treppe, die von der Fahrstraße in Richtung Bismarckturm abgeht und auch die anderen Wege zum Bismarckturm seien vom Zustand her für einen Hausberg unangemessen, findet der Rathausmitarbeiter. Leider gebe es dafür keine Fördermittel, zudem seien Abstimmungen mit dem Naturschutz nötig. Auch fehlende Sichtachsen seien auf der Landeskrone ein Problem. Selbst vom Burghotel aus kann man mittlerweile nicht mehr auf die Stadt blicken, weil alles zugewachsen ist. Auch ein Freischnitt dort müsste mit dem Naturschutz besprochen werden. Das sei bisher noch nicht passiert, räumt Freudrich ein.

Doch es gibt auch Lichtblicke. Der neue Brautwiesenpark, der Ende des Jahres fertig sein soll, sei „ein unglaublicher Gewinn für die westliche Innenstadt, ein Höhepunkt in der Park- und Spiellandschaft“. Und im Stadtpark, wo die Fördermittel nicht für alle Wege reichten, baut die Stadt seit vorigem Jahr mit Eigenmitteln weiter. Dieses Jahr sind – aus den 135.000 Euro für die Unterhaltung – weitere Wege dran, diesmal am Eingang des Stadtparks an der Ecke Lindenweg/Joliot-Curie-Straße und in dessen Umfeld. Da sind auch Wege dabei, die von den angrenzenden Kitas viel genutzt werden und die der Stadt deshalb wichtig sind. Zudem stellt die Ecke aus Richtung Altstadt kommend einen wichtigen Eingang zum Park dar. „Aber selbst, wenn das geschafft ist, sind wir mit dem Stadtpark nicht fertig“, sagt Freudrich. Auch in Richtung Stadthallengarten sei noch viel zu tun. Das sei aber nicht sofort geplant, denn Kreuzkirchenpark und Birkenwäldchen seien dringender.

Dieser Eingang zum Stadtpark an der Joliot-Curie-Straße/Ecke Lindenweg soll dieses Jahr aufgewertet und saniert werden.
Dieser Eingang zum Stadtpark an der Joliot-Curie-Straße/Ecke Lindenweg soll dieses Jahr aufgewertet und saniert werden. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Ein anderer Hoffnungsschimmer sind Spenden aus der Bevölkerung. „Bankspenden sind sehr beliebt, an der Landeskrone ist aktuell gerade wieder eine neue gespendete Bank geplant“, sagt Freudrich. Es gebe immer mal wieder Leute, die sich Bänke oder auch Bäume schenken – gerade ältere, die alles haben, was sie zum Leben brauchen. Die Stadt freut sich darüber natürlich sehr. Für eine Wegesanierung hingegen sei bisher noch nie eine Spende eingegangen, sagt Freudrich. Freuen würde er sich darüber natürlich auch: „Da hilft uns jeder Euro.“ Zudem könnte die Stadt auf diese Weise auch ganz konkrete Wünsche erfüllen. Wenn zum Beispiel jemand 20.000 Euro für einen ganz konkreten Weg in einem bestimmten Park spenden würde, dann würde genau dieser Weg saniert.

Doch solange das nicht passiert, kann Freudrich nur hoffen, dass sich doch mal irgendwo eine Förderoption auftut. Oder, dass die Stadträte doch mal Geld für Investitionen in den Haushalt einstellen.

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