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Warum ein Känguru eine Schneefrau küsst

Egal ob Corona oder heftiger Frost: Die Tiere im Zoo Görlitz brauchen Beschäftigung. Deshalb haben sich die Mitarbeiter einiges einfallen lassen.

Küss mich, Baby! Känguru Frodo ist ganz wild auf Cordulas Lippen. Kein Wunder, die sind ja auch aus Känguru-Leckerlies.
Küss mich, Baby! Känguru Frodo ist ganz wild auf Cordulas Lippen. Kein Wunder, die sind ja auch aus Känguru-Leckerlies. © Martin Schneider

Der Tierpark Görlitz hat eine neue Mitbewohnerin. Sie heißt Cordula. Cordula ist ganz frisch. So frisch, dass man auch schon wieder eiskalt sagen könnte. Cordula wohnt jetzt im Kängurugehege, draußen. Die Kälte macht ihr nichts aus. Kein Wunder, sie ist ja auch ein Schneemann, Verzeihung: eine Schneefrau. Noch ein bisschen Heu als Kopfbedeckung, "perfekt", findet Zoopädagogin Isa Plath. Gemeinsam mit einer Kollegin hat sie dem Schneewesen den Namen verpasst.

Frodo jedenfalls findet Cordula schon mal gut. Vorsichtig nähert sich das graue Riesenkänguru dem unbekannten weiblichen Objekt in "seinem" Gehege. Gut, Isa Plath lockt ihn auch mit ein paar Häppchen aus dem Futtereimer zu ihr. Aber dann braucht die Zoopädagogin gar nichts mehr machen. Frodo hängt an Cordulas Lippen - im wahrsten Sinne des Wortes. Mag sein, dass es "nur" die Leckerlies sind, aus denen Cordulas Lippen bestehen, die Frodo so anziehend findet.

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Frodo liebt Cordulas Lippen

Egal, der graue Riese ist erst einmal beschäftigt. Und genau das hatten die Tierparkmitarbeiter mit der Aktion beabsichtigt. Ohne Besucher wird ihnen langweilig. Deshalb gibt es das "Enrichment", die "Anreicherung des Lebensraumes zur Beschäftigung der Tiere". So erklärt es Isa Plath.

"Ja, Schneemänner in Tiergehege bauen klingt natürlich erst einmal lustig, und die Arbeit macht ja auch Spaß", sagt sie. Aber hinter allem steht ein ernstes Anliegen: das Tierwohl. Besucher, die jetzt ausbleiben und die aus umgekehrter Beobachtungsweise für die Zoobewohner eine Attraktion sind, bleiben aus. "Unsere Tierpfleger merken das. Wenn sie kommen schauen die Tiere ganz interessiert oder laufen in ihre Richtung", so Isa Plath.

Tiere brauchen Beschäftigung, auch ohne Corona

Aber die ausbleibenden Besucher, die sonst im Streichelgehege für Stimmung sorgten oder auf Augenhöhe Stachelschweine aus nächster Nähe beobachteten, sie sind nur die eine Seite. "Auch in Zeiten ohne Corona haben wir für die Zoobewohner ein Beschäftigungsprogramm", schildert Isa Plath.

Der Grund: In freier Wildbahn müssen sich Tiere zwangsläufig selbst beschäftigen, auf Futtersuche gehen und so weiter. Im Zoo mit seinem Rundum-Versorgungsangebot ist das natürlich anders. Deshalb wird in Görlitz zum Beispiel mit Futterbällen gearbeitet, die die Nahrung etwas erschwert freigeben - nur ein Beispiel.

Jetzt im Winter kommen zudem Papiertüten zum Einsatz, mal zugebunden, mal offen. Darin stecken Heu und Pellets drin. "Der Hirsch ist davon ganz begeistert. Er zerfetzt die Tüte mit seinem Geweih und schleudert sie weg", erzählt Tierpfleger Tom Kulosa. Etwas anders sieht es beispielsweise bei den Gazellen aus. Die sind nicht so für Futter in Tüten zu begeistern, sondern bevorzugen offene Pappkisten und ähnliches.

Tierbespaßung oder besser -beschäftigung - ein wichtiges Thema auch jetzt, wenn es so kalt ist. "Die Tiere kommen mit den Temperaturen klar. Die meisten kommen aus Gegenden, in denen die Werte schon tief unter Null fallen können", sagt Isa Plath.

Kamele dürfen jetzt den Zoo auf eigene Faust erkunden

Ein besonderes Erlebnis haben die Trampeltiere im Zoo Görlitz. Da keine Besucher kommen, dürfen sie das Gelände erkunden, mehr oder weniger auf eigene Faust. "Unser ältestes Kamel führe ich durch den Tierpark, von allein würde es nicht so gern laufen", sagt Tom Kulosa. Und so ergab es sich, dass die anderen sich dem Spaziergang auf freiwilliger Basis anschlossen. Inzwischen sind die Tiere auf den Rundgängen deutlich ruhiger und sicherer geworden, so der Tierpfleger. "Anfangs waren sie noch etwas nervös", sagt er. Manche trennen sich mittlerweile auch von der Gruppe, schauen sich auf eigenen Wegen im Zoo um. Und manche haben den Bambus als Kamel-Leckerlies entdeckt. "Das geht natürlich nicht", sagt Tom Kulosa.

Frodo, der große Graue - Patentier des großen Schwarzen, des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer - hat inzwischen Cordulas Gesicht weiterbearbeitet. Wie lange sie noch so relativ unversehrt im Gehege stehenbleiben wird, bleibt abzuwarten. Ihrem Artgenossen im Rindergehege ist es jedenfalls sehr schnell sehr ungemütlich geworden. "Der Schneemann dort wurde regelrecht geköpft", erzählt Isa Plath. An den Resten haben sich dann die Rinder kräftig geschubbert. Aber so soll es ja auch sein, Tierbeschäftigung eben.

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