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Warum Görlitzer Geld für neue Bäume spenden

Im Kidrontal konnten jetzt zwei Blutbuchen für zwei Ehepaare gepflanzt werden. Es wäre sogar noch Platz für eine dritte Buche.

Jubilar Manfred Rimbach (rechts) aus Görlitz-Königshufen pflanzt zusammen mit zwei Mitarbeitern einer Baumfirma eine Blutbuche im Kidrontal.
Jubilar Manfred Rimbach (rechts) aus Görlitz-Königshufen pflanzt zusammen mit zwei Mitarbeitern einer Baumfirma eine Blutbuche im Kidrontal. © Foto: Stadt Görlitz

Was bloß zur diamantenen Hochzeit schenken, wenn die Eltern schon alles haben? Vor dieser Frage standen auch Sven Rimbach und seine beiden Brüder. Der 59-jährige Architekt stammt aus Görlitz, ist aber schon vor dem Mauerfall in den Westen gelangt und lebt heute in Köln.

Seine Eltern Christa und Manfred Rimbach aber leben bis heute in Görlitz-Königshufen. Schon 2019 feierten die beiden eben jenen 60. Hochzeitstag. Ein symbolisches Geschenk sollte es sein, beschlossen die drei Söhne. Das haben sie schon mehrfach so gehandhabt. Im Jahr 2020, zum 85. Geburtstag der Mutter, gab es eine Patenschaft für ein Alpaka im Görlitzer Tierpark, den Sven Rimbach aus seiner Kindheit in sehr guter Erinnerung hat.

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Pappeln mussten gefällt werden

Zur diamantenen Hochzeit aber sollte es etwas anderes sein. „Ein Baum, der sie überleben wird“, sagt Sven Rimbach. Mit dem Anliegen wandte er sich an die Stadtverwaltung. Dort konnte ihm geholfen werden – und zwar von Steffen Leder. Er ist bei der Stadt für die Bäume zuständig. „Wir mussten vor zwei Jahren im Kidrontal abgestorbene Pappeln fällen“, berichtet er.

Weil die Bäume direkt unterhalb der Kita „Am Zauberwäldchen“ standen und der Einrichtung wertvollen Schatten spendeten, sollten auf jeden Fall neue Bäume gepflanzt werden. Für die Stadt ist das aber stets eine finanzielle Frage. Wenn das Geld knapp ist, wird zuerst in denkmalgeschützten Parks nachgepflanzt. Andere – wie das Kidrontal – müssen oft länger warten.

Berliner waren die Ersten

Für das Kidrontal hatte die Stadt zuvor schon eine ganz ähnliche Anfrage erhalten: Eine Familie aus Berlin wollte gern eine Blutbuche pflanzen – ebenfalls zur diamantenen Hochzeit der in Görlitz lebenden Eltern. Leder gefiel der Vorschlag mit den Blutbuchen, die durch ihr dunkelrotes Laub sehr markant sind: „Blutbuchen sind sehr angepasst, durch ihr dunkles Laub beschatten sie sich selbst.“ Und wenn eine Blutbuche von Anfang an frei stehe, bilde sie eine sehr geschlossene Krone. Also gesagt, getan: Für das erste Ehepaar wurde eine Blutbuche gepflanzt – bei einem Familienfest im Sommer, das Leder noch immer in sehr schöner Erinnerung hat.

Doch neben der Blutbuche war Platz für zwei weitere Bäume dieser Art. Als dann Rimbachs an ihn herantraten, war es Leder, der Standort und Baumart vorschlug. Die Familie war einverstanden und so konnten Rimbachs Ende des Jahres ihre Blutbuche pflanzen. Manfred Rimbach packte mit seinen 84 Jahren selbst mit an. Die diamantene Hochzeit lag da schon etwas zurück, aber weil die Jubilare am Hochzeitstag verreist waren und später die Corona-Pandemie ausbrach, habe es sich verzögert.

Leute geben symbolischen Betrag

Jetzt ist noch Platz für eine dritte Blutbuche. Nach Aussage von Leder kommen immer wieder mal Leute auf die Idee, Geld für einen Baum zu spenden. Manchmal sind es zwei bis drei pro Jahr, manchmal kein Einziger. Rimbachs haben 300 Euro gespendet, die Familie aus Berlin eine ähnliche Summe. „Das ist stets ein symbolischer Betrag“, sagt Leder: „Die Kosten für den Baum, die Pflanzung und die Pflege in den ersten drei Jahren liegen in der Regel höher.“ Den meisten sei das zu viel. Voriges Jahr habe allerdings jemand anonym die kompletten Kosten für eine Buche im Park des Friedens gespendet. „Ich stelle den Leuten den Betrag frei“, sagt Leder. Das fehlende Geld bringt die Stadt selbst auf. Aber jede Spende helfe, sodass die Stadt immer dankbar sei. Und am Ende hoffen alle, dass die Bäume möglichst lange stehen und vielen Menschen Schatten spenden mögen.

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