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Weihnachten fern der Heimat

Viele Menschen aus Görlitz und Umgebung können dieses Jahr nicht heimkehren. Zwei berichten, wie es ihnen jetzt geht.

Priska Bertram aus Königshain lebt seit September im italienischen Florenz, der Hauptstadt der Toskana.
Priska Bertram aus Königshain lebt seit September im italienischen Florenz, der Hauptstadt der Toskana. © Foto: privat

Als Priska Bertram aus Königshain Mitte September nach Italien aufbrach, war die zweite Corona-Welle noch weit weg. Die 18-jährige Pfarrerstochter hatte im Sommer ihr Abitur am Görlitzer Augustum-Annen-Gymnasium bestanden. Sie wusste noch nicht so recht, was sie studieren möchte – und entschied sich deshalb relativ spontan für ein diakonisches Jahr in einem Altenzentrum in Italien. „Meine älteren Schwestern hatten das auch gemacht, die eine in London, die andere in Breslau“, berichtet Priska Bertram.

Ihre Wahl fiel auf Italien, weil sie einerseits die Sprache reizte, die sie bis dahin nie gelernt hatte. Andererseits aber auch, weil sie mit ihren Eltern oft in Italien im Urlaub war und jetzt mal „hinter die Kulissen“ schauen, also Italien nicht nur aus dem touristischen Blick kennenlernen wollte.

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Ursprünglich Heimreise geplant

Dass ihr diakonisches Jahr ganz anders laufen würde als die ihrer Schwestern, konnte sie damals allenfalls ahnen. Weihnachten wollte sie ursprünglich zu Hause verbringen: „Aber schon Anfang November stand fest, dass das nichts wird.“ Italien und Deutschland hatten sich gegenseitig zu Risikogebieten erklärt, sodass sie zuerst in Deutschland in Quarantäne gemusst hätte, bei der Rückkehr nach Italien dann erneut – vermutlich zweimal zehn Tage. „Ich habe aber nur 22 Tage Jahresurlaub“, sagt Priska Bertram. Die würde sie gern im Frühling oder Sommer nutzen, um in Italien herumzureisen und andere Freiwillige zu besuchen. Aber nicht, um jetzt in Quarantäne zu sitzen.

Weihnachten wird sie trotzdem nicht allein sein, sondern mit ihren beiden Mitbewohnerinnen verbringen. Sie sind ebenfalls Freiwillige aus Deutschland, die eine aus Köln, die andere aus Hamm. Die drei verstehen sich super und wollen an den Feiertagen die verschiedenen Familientraditionen zusammenbringen, auch beim Menü. Von Christstollen bis Rotkohl wird alles dabei sein. Außerdem wird Priska Bertram mit ihrer Familie skypen. Ihr Vater, der Königshainer Pfarrer Andreas Bertram, wird seine Weihnachtspredigt im Internet bei YouTube hochladen. „Die werden wir uns anschauen“, sagt die Tochter. Auch wenn sie mittlerweile ganz gut Italienisch versteht: In einen Gottesdienst in Florenz wird sie nicht gehen. Dort sind alle Plätze schon vergeben. „Weihnachten wird leider eher deutsch“, sagt Priska Bertram.

Corona-Ausbruch im Altenzentrum

Zu Italienern ist der Kontakt nicht so eng – zumal die drei das Altenzentrum schon seit einem Monat gar nicht mehr betreten dürfen. Der Grund: Im Heim hatte es einen Corona-Ausbruch gegeben. Von 80 Bewohnern sind 20 erkrankt, zwei gestorben. Vermutlich waren es Pfleger, die das Virus ins Heim gebracht haben. „Wir drei waren zum Glück nicht betroffen“, sagt Priska Bertram. Dennoch können sie nur noch Dinge außerhalb der Einrichtung machen: „Wir gehen jetzt einkaufen, um Extrawünsche der Bewohner zu erfüllen.“

Bis Ende Juli wollen sie noch in Italien bleiben. Am Dienstag haben sie erfahren, dass sie ab Januar einen anderen Einsatzort erhalten: Ein Kinderzentrum, am Ehesten vielleicht mit einem deutschen Hort vergleichbar. Dort ist unter den momentanen Bedingungen der Einsatz von Freiwilligen einfacher möglich als bei den Alten.

Seit über acht Jahren in Lima

Auch bei Daniela Schröter aus Schlauroth ist Vieles anders als geplant. Die 30-jährige Kulturwissenschaftlerin und Umweltpädagogin wohnt seit über acht Jahren in der peruanischen Hauptstadt Lima – auch in der Corona-Zeit. Sie hat in Lima den Verein „Nubes“ („Wolken“) gegründet. Er widmet sich der Umweltschutz-Bildung und hat sich auf Workshops und Bildungsreisen spezialisiert. „Seit Beginn der Quarantäne mussten wir umdenken und haben deshalb mehrere Online-Seminare und Workshops gegeben und einen YouTube-Kanal eingerichtet“, sagt Daniela Schröter.

Das Foto zeigt Daniela Schröter aus Görlitz-Schlauroth beim Einkauf in Zeiten von Corona in der peruanischen Hauptstadt Lima. Überall stehen Uniformierte mit Waffen.
Das Foto zeigt Daniela Schröter aus Görlitz-Schlauroth beim Einkauf in Zeiten von Corona in der peruanischen Hauptstadt Lima. Überall stehen Uniformierte mit Waffen. © Foto: privat

Es ist das erste Weihnachten, das sie nicht zu Hause mit ihrer Familie verbringen kann: „Ich bin natürlich schon sehr traurig.“ Sie wisse aber auch, dass sie, selbst wenn sie kommen könnte, ihre Freunde und Familie nicht besuchen und umarmen könnte: „Das macht es etwas leichter.“ Dieses Weihnachten sei eben ganz anders.

Daniela Schröter weiß schon seit einigen Monaten, dass sie nicht nach Deutschland kommen kann: „Es wurde ja schon zu Beginn des Jahres vorausgesagt, dass Europa Ende des Jahres von einer zweiten Welle heimgesucht wird.“ Auch in Peru gebe es eine zweite Welle und so sei es wohl die vernünftigste Entscheidung, dieses Jahr nicht nach Deutschland zu fliegen.

Virtuell bei der Familie

Weihnachten will sie aber trotzdem mit ihrer Familie verbringen, wenn auch nur virtuell: „Zum Glück haben meine Omas und Opas auch alle Smartphones.“ Am Abend feiert Daniela Schröter dann in Lima mit einer deutschen Freundin, deren Mann und Baby: „Wir wollen Klöße und einen veganen Braten selber machen. Darauf freue ich mich schon.“

In Peru wird es jeden Tag wärmer und die Traditionen sind doch sehr anders, sagt die Görlitzerin: „Ich vermisse die generelle Weihnachtsstimmung, die Weihnachtsmärkte und das Plätzchenbacken mit den Omas.“ Sehr gefreut hat sie sich über ein Weihnachtspaket von ihrer Familie – mit einem selbst gemachten Adventskalender, selbst gebackenen Plätzchen von Oma und Weihnachtsgeschenken. Auch ein Räuchermännchen hat sie in Peru, aber auf Glühwein verzichtet sie bei den sommerlichen Temperaturen.

Spenden gesammelt für die Ärmsten

Die vergangenen Wochen waren für Daniela Schröter etwas stressig: „Wir haben solidarische Weihnachtsbäumchen verkauft und so Spenden gesammelt für Suppenküchen in den Armenvierteln.“ Vor allem die Ärmsten der Armen seien besonders stark von der Krise betroffen. In Peru merkt sie, dass die Menschen nach so vielen Monaten mit so starken Einschränkungen langsam müde sind und nicht unbedingt glücklich über die neuen Einschränkungen, die über Weihnachten und Neujahr verhängt worden sind. „Generell denke ich, dass Weihnachten auch immer ein guter Zeitpunkt ist, um darüber nachzudenken, wie gut es uns geht, trotz der momentanen Einschränkungen, und wie dankbar wir dafür sein müssen“, sagt sie.

Bei Priska Bertram in Italien ist die Situation eine andere, es gibt keine solche Armut, die Menschen halten sich extrem an alle strengen Regeln. Vor Supermärkten beispielsweise gibt es lange Schlangen für alle unter-70-Jährigen. Die Alten hingegen sollen schnell reingehen können und schnell wieder raus. „Es ist super, dass ich lange warten muss, damit die Risikogruppe schnell dran kommt“, sagt die Königshainerin. Auf die kommenden Tage freut sie sich, trotz allem: „Es wird kein einfaches Weihnachten, aber es sieht nach einem Unvergesslichen aus.“

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